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Die digitale Welt: Digitale Aktion, reale Reaktion?

Die digitale Welt : Digitale Aktion, reale Reaktion?

Wer zurzeit in den Sozialen Netzwerken unterwegs ist, läuft Gefahr, nur Schwarz zu sehen. Nicht etwa, weil ein technischer Defekt vorliegt. Ganz im Gegenteil: Plattformen wie Instagram und Facebook laufen reibungslos.

Es sind die Nutzer, die alles schwärzen, um mit einer digitalen Aktion auf strukturellen Rassismus aufmerksam zu machen, der im Fall George Floyd mal wieder ins Bewusstsein der Menschen gerückt ist. Wegen des brutalen Todes des Afroamerikaners durch Polizeigewalt haben zwei Musikmanagerinnen namens Brianna Agyemang und Jamila Thomas eine Aktion ins Leben gerufen: Unter dem Hashtag „Blackout Tuesday“ sollte am vergangenen Dienstag der normale Alltag unterbrochen werden, indem die Menschen ein Foto von schwarzen Kacheln teilen. Sie sollten darüber nachdenken, wie Rassismus sich am besten bekämpfen lässt.

Komiker Oliver Pocher nutzte die Aktion, um gegen Influencer zu schießen: Er fragte, ob die Blogger, von denen viele gegen eine Bezahlung Produkte mitsamt Rabattcode von Unternehmen vermarkten, für das Foto der schwarzen Kacheln denn auch einen Rabattcode haben. Die Fans der Influencer und diese selbst reagierten wütend auf den Vorwurf.

So etwas hatten die Initiatorinnen der Aktion bestimmt nicht im Sinn, sollte es an einem solchen Tag doch darum gehen, innezuhalten, das eigene Verhalten zu hinterfragen und auch zu ändern. Digital Flagge zu zeigen, ist gut, aber dabei darf es nicht bleiben. Stecken hinter den schwarzen Kacheln Menschen, die auch im realen Leben jederzeit, ob privat oder öffentlich, ihre Stimme erheben würden? Es ist einfach, sich im Internet zu etwas zu bekennen. Das zeigen zahlreiche Beispiele aus der Vergangenheit wie die Hashtags „Je suis Charlie“ oder „Wir sind mehr“. Aber was bringt das, wenn die Aktionen nicht nachhaltig für Veränderungen sorgen? Es wäre schade, wenn der „Blackout Tuesday“ genauso endet: Für einen Tag solidarisieren sich alle, am nächsten Tag ist alles vergessen.