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Hamburg: Die Rückkehr vom Datenfriedhof: Wiederherstellungs-Tools

Hamburg : Die Rückkehr vom Datenfriedhof: Wiederherstellungs-Tools

Fotos, Schriftsätze, Kontoauszüge - was früher in Papierform in Schubladen oder Regalen aufbewahrt wurde, liegt heute immer öfter digital auf der Festplatte des Computers.

Das spart zwar Platz in der Wohnung, birgt aber auch Gefahren: Stromausfall, Viren oder ein falscher Knopfdruck und die Urlaubsschnappschüsse oder die Steuererklärung sind gelöscht. Das heißt aber nicht, dass sie unwiederbringlich verloren sind: Datenrettungs-Software kann versehentlich gelöschte Dateien wieder herstellen.

Bei aktuellen Dateisystemen würden gelöschte Dateien nicht wirklich von der Festplatte entfernt, sagt Computerexperte Thorsten Eggeling von der Zeitschrift „PC Welt”. „Die Dateien werden nicht mehr angezeigt und der entsprechende Bereich auf der Festplatte wird als neu belegbar markiert.” Daher laute die erste Regel, die es bei versehentlichen Löschungen zu beherzigen gelte: „Nichts mehr öffnen oder speichern.” Anderenfalls bestehe die Gefahr, dass die gelöschten Dateien tatsächlich überschrieben werden - und somit verloren sind.

Die Wiederherstellung sollte also möglichst sofort erfolgen. Dafür stehen verschiedene Programme zur Verfügung. Eggeling empfiehlt etwa die Tools EasyRecovery und GetDataBack. „Beide erlauben die Wiederherstellung von gelöschten Partitionen oder Dateien auf FAT- und NTFS-Festplatten”, sagt er. Damit seien sie für alle gängigen Windows-Versionen geeignet.

Die Benutzung der Datenrettungs-Programme sei hingegen „relativ aufwendig”, sagt Eggeling. Die Tools durchsuchen die gesamte Festplatte, was mehrere Stunden in Anspruch nehmen kann. Anschließend zeigen die Programme alle wiederherstellbaren Daten mit den dazugehörigen Ordnern an, die sich auf der Festplatte befinden - auch temporäre Internet-Dateien. „Hoffentlich weiß man dann noch, wo man welche Dateien abgelegt hat”, sagt Eggeling.

Die gefundenen Dateien kann der Nutzer auswählen und neu speichern. „Idealerweise auf einem Wechsellaufwerk, damit man nicht Gefahr läuft, den gewählten Bereich zu überschreiben”, rät der Experte.

Von EasyRecovery und GetDataBack gibt es kostenlose Demoversionen, die die Festplatte nach wiederherstellbaren Dateien durchsuchen. Um die Dateien zu speichern muss man allerdings einen Lizenz-Schlüssel kaufen. Der ist nicht eben billig: „Das muss man ins Verhältnis stellen. Gebe ich das Geld aus, oder tippe ich alles neu”, sagt Eggeling. Es gibt aber auch kostenlose Alternativen, wie etwa das Freeware-Tool PC Inspector File Recovery.

Zur Wiederherstellung von Dateien auf Speicherkarten einer Digitalkamera gibt es spezielle Programme wie beispielsweise Digital Photo Recovery. Diese funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie die Wiederherstellungs-Tools für Festplatten. Auch hier sei es wichtig, den Speicherplatz nicht neu zu überschreiben. „Am besten gleich die Karte aus der Kamera nehmen”, empfiehlt Eggeling.

Sind die Dateien „nur” gelöscht und die Partition „lediglich” neu formatiert, lassen sich die Daten theoretisch retten. „Bei gelöscht, neu formatiert und neu beschrieben ist es fast aussichtslos”, warnt der Experte. Überhaupt solle man sich auf Datenrettungs-Tools nicht verlassen: Sie seien alle für den Notfall gedacht, aber keines gebe eine Garantie, dass die Daten tatsächlich wieder hergestellt würden. Deshalb sei Vorsorge der beste Schutz vor Datenverlust. Bei fast allen Textverarbeitungsprogrammen könne man etwa das automatische Erstellen von Sicherungskopien aktivieren.

Der Königsweg ist allerdings eine zweite Festplatte, auf der Backups gespeichert werden. „Das wird aus Bequemlichkeit aber häufig nicht gemacht”, weiß der Experte. Dabei sei es recht einfach, da neue Festplatten viel Platz bieten: „Man kann einfach den Ordner Eigene Dateien komplett rüberkopieren.”