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Kiel: Datenspuren verwischen: So surfen Internetnutzer anonym

Kiel : Datenspuren verwischen: So surfen Internetnutzer anonym

Einkäufe über das Internet sind meist bequem und leicht abzuwickeln: Der Nutzer lässt sich registrieren, sucht aus, bezahlt und bekommt die Neuerwerbung zugesandt. Anders als im Laden hinterlässt er beim Kauf im Onlineshop aber Spuren: Der Betreiber hat seine IP-Adresse, die mit einer Telefonnummer zu vergleichen ist.

Viele Händler nutzen das, um das Konsumverhalten ihrer Kunden auszuspähen. Aber auch wer andere Seiten anklickt, kann identifiziert werden. Daher ist Vorsorge wichtig.

„Problematisch wird es immer dann, wenn Anbieter von Webdiensten der IP-Adresse persönliche Daten zuordnen können”, sagt Henry Krasemann vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) in Kiel. Auf dieser Grundlage ließen sich Profile der Nutzer erstellen. Zwar sei das Anlegen von personalisierten Profilen nicht erlaubt. Viele Webdienstanbieter würden jedoch sogenannte pseudonymisierte Nutzungsschemata und Statistiken erstellen - die sich letztlich doch wieder den einzelnen Usern zuordnen ließen.

Auf diese Weise können zum Beispiel Shop-Betreiber die Kunden beim Aussuchen beobachten, Rückschlüsse auf ihre Präferenzen ziehen und ihnen gezielt Werbung zusenden. Doch auch von anderer Seite besteht Interesse an Nutzerdaten: „Auch Versicherungen, Arbeitgeber und staatliche Organe heischen nach möglichst umfangreichen, personenbezogenen Informationen” - von Hackern und Kriminellen ganz zu schweigen.

„Grundsätzlich ist anonyme Kommunikation ein Grundrecht”, sagt Henry Krasemann. Aber wie funktioniert das im Internet, wo bestimmte Informationen automatisch ohne das Wissen der Nutzer erfasst werden? „Jeder Server eines Kommunikationsdienstes speichert die IP-Adresse, über die der Zugriff erfolgt.”

Diese Adresse ist nach Krasemanns Worten nicht fest, sondern wird vom Provider bei jeder Einwahl ins Netz neu zugeteilt. Beim Aufrufen einer Webseite wird sie dem Betreiber übermittelt. Er kennt dann zwar weder Namen noch Anschrift des Nutzers, falls sich dieser nicht registriert hat, kann ihm aber trotzdem zum Beispiel Werbung auf den Rechner schicken.

Daher empfiehlt sich die Nutzung eines Anonymisierungsdienstes, der die IP-Adresse beliebig macht und somit die hinterlassene Spur verwischt. „Es gibt mittlerweile unterschiedliche Anonymisierungstechniken und entsprechende Dienste, die den anonymen Datenaustausch im Internet ermöglichen”, sagt Christiane Rütten von der Computerzeitschrift „ct”.

Angeboten werden sowohl kostenlose als auch kommerzielle Dienste. Die populärsten kostenlosen Anonymisierungsprojekte sind laut Rütten derzeit „TOR” und „JAP”. „Beide Dienste verbinden den User nicht direkt mit dem Zielserver.” Stattdessen leiten sie die ursprüngliche Anfrage verschlüsselt über ein Netzwerk mehrerer hintereinandergeschalteter Server.

„Die meisten Dienste funktionieren über Software, die als kleine Datei heruntergeladen wird”, sagt Henry Krasemann. Die kommerziellen Varianten werden teils auch auf CD-ROM verkauft. Sie richten sich an private Nutzer und auch an Unternehmen, sagt Oliver Wenger von der Steganus GmbH aus Frankfurt/Main, einem der kommerziellen Dienstleister. Die Preise richteten sich nach dem Surfvolumen: „Das reicht bei uns von monatlichen Kosten unter 10 Euro bis hin zur Flatrate für etwa 100 Euro.”

Der Sicherheitsstandard der kommerziellen Anonymisierer ist nach Christiane Rüttens Erfahrung generell höher als jener der kostenlosen Varianten. Deshalb kommt es gerade bei letzteren zusätzlich auf die richtigen Browser-Einstellungen an, sagt Krasemann: Java-Script darf nicht eingeschaltet sein, Cookies müssen abgelehnt werden. Sonst könne die IP-Adresse womöglich trotzdem zugeordnet werden. Der Haken dabei: Wer zum Beispiel keine Cookies zulässt, kann bestimmte Seiten wie etwa manche Mail-Programme nicht nutzen.

Vor allem wer einen Gratis-Anonymisierungsdienst nutzt, sollte sich zudem darauf einstellen, dass sein Rechner langsamer wird. „Da der Verkehr über verschiedene Server geleitet wird, kann die Ladezeit von Webseiten ansteigen”, erklärt Christiane Rütten. Die Bezahl-Dienste böten hier eine bessere Leistung. Selbst die allerbeste Software bringt allerdings nichts, wenn der Nutzer auf Webseiten - also zum Beispiel beim Registrieren im Onlineshop - allzu freigiebig mit seinen persönlichen Daten umgeht.