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Hamburg/München: Daddeln über das Netz: Die neuen Konsolen und ihre Online-Modi

Hamburg/München : Daddeln über das Netz: Die neuen Konsolen und ihre Online-Modi

Seit Einführung der PS3 Ende März ist das Trio der neuen Spielekonsolen komplett: Microsoft mit der Xbox 360, Nintendo mit der Wii und eben Sony mit der Playstation 3 führen nun einen Kampf um Marktanteile. Und dafür besitzt jedes Gerät besondere Eigenschaften.

So verschieden die Konzepte sind, die drei Geräte haben eine Gemeinsamkeit - ihre Onlinefunktionalität. Weltweit gegen andere Spieler antreten, Spiele herunterladen oder als Kommunikationszentrale im Wohnzimmer dienen, das können alle drei. Im Detail gibt es dennoch große Unterschiede. „Alle drei Konsolen können serienmäßig online gehen”, sagt Heiko Gogolin, Chefredakteur des in Hamburg erscheinenden Computerspielemagazins „GEE”.

Aber dass die Hersteller unterschiedlich große Erfahrungen im Onlinesektor haben, spiegelt sich in der Ausgefeiltheit der Onlinefunktionalitäten wieder. Microsoft sei am längsten dabei, deswegen sei die Xbox Live genannte Online-Plattform auch am weitesten entwickelt, so Gogolin. Das Onlinespielen sei über Microsofts Plattform am leichtesten zu bewerkstelligen, sagt Gogolin. Die Vernetzung der Spieler untereinander gehe leicht von der Hand, und Inhalte für Spiele könnten problemlos heruntergeladen werden.

„Weil die alte Xbox schon das Onlinespielen unterstützt hat, kann Microsoft auf diese Erfahrungen aufbauen”, erklärt Gogolin. Wer online gegen andere Spieler antreten möchte, muss anders als bei der Konkurrenz jedoch eine Gebühr von etwa 60 Euro im Jahr bezahlen. „Dafür erhält der Spieler eine so genannte Gold-Mitgliedschaft, die eine Online-Gaming-Funktion freischaltet.” „Xbox Live ist eine Onlineplattform, die für Vernetzung steht, für Kommunikation unter Spielern und Freunden”, beschreibt Felix Petzel, PR-Manager bei Microsoft in München, das System.

„In Zukunft werden wir mit „Live Anywhere” sogar noch einen Schritt weiter gehen.” Darüber sollen nicht nur Konsolen miteinander kommunizieren, sondern auch mit Handy und PC verknüpft werden. „Im Idealfall spielen dann PC- und Konsolennutzer miteinander, und auf dem Handy kann ich mir unterwegs meinen Punktestand ansehen oder die Spiel-Errungenschaften meiner Freunde.” „Live Anywhere” soll bereits im Laufe dieses Frühjahrs funktionieren. Sony geht mit „Playstation Home” einen anderen Weg als Microsoft. Auch hier ist es möglich, gegeneinander zu spielen, und eine Kontaktliste mit den besten Freunden zu füllen. Im Vordergrund steht aber nicht die Vernetzung von Bekannten.

„Vielmehr geht es darum, eine Community zu gründen, ähnlich wie bei MySpace oder dem Onlinerollenspiel Second Life”, beschreibt Gogolin das Onlinesystem von Sony. Sony möchte mit „Playstation Home” einen kostenlosen Online-Dienst anbieten, sagt Guido Alt von Sony Computer Entertainment in Neu-Isenburg (Hessen).

Neben den üblichen Möglichkeiten wie dem Surfen durch das Netz oder Onlinespielen soll es dem Spieler von Herbst 2007 an möglich sein, sich in einer 3D-Welt mit anderen Spielern zu treffen. So könne man sich zum Spielen in einer virtuellen Lobby treffen. „Man kann gemeinsam Filme in einem virtuellen Kino gucken, oder seinen Freunden in einem individuell eingerichteten Apartment seine Preise zeigen, die in Spielen gewonnen werden können”, erklärt Guido Alt. „Nintendos Konsole Wii bietet auch einen Onlinemodus an, doch dieser ist erst in der Entwicklung”, erklärt Gogolin.

Deswegen seien die Funktionen des Onlinemodus noch wenig entwickelt. Mit dem am 25. Mai erscheinenden Fußballspiel „Mario Strikers: Charged Football” gebe es jedoch den ersten Titel, bei dem mehrere Spieler online gegeneinander antreten können. Grundsätzlich spiele im Wii-Konzept das gemeinsame Spielen vor dem Fernseher aber eine wichtigere Rolle als das Daddeln über das Internet. Für Stefan Gundelach, Nintendos Pressesprecher in Großostheim (Bayern), steht das eigene Onlineangebot dem der Konkurrenz in nichts nachstehen: „Über die Wii kann die ganze Familie eine große Vielfalt von Unterhaltungs-, Informations- und Kommunikationskanälen online nutzen.”

Unter anderem gebe es einen Nachrichten-, einen Wetter-, einen Internet-, einen Foto- und seit kurzem auch einen Meinungskanal, über den man mit anderen Wii-Nutzern über neue, aktuelle Fragen abstimmen kann. Mit der portablen Konsole Nintendo DS beweist das japanische Unternehmen, wie Onlinespielen auch unterwegs funktionieren kann. „Für die DS gibt es bereits zahlreiche Wi-Fi-fähige Titel, die weltweites Spielen erlauben”, sagt Gundelach. Außerdem sei auch bei Nintendo das Gegeneinanderspielen kostenfrei.

Doch für Gogolin steht fest: „Jetzt ist es noch ein Kampf zwischen Microsoft und Sony, und zur Zeit führt Microsoft.” Nintendo werde erst in der nächsten Konsolengeneration mit einem ausgefeilten Onlinesystem kommen, lautet die Einschätzung des Experten. Doch das sei nicht weiter tragisch: „Alle drei Systeme sind auf jeden Fall nützlich, keines davon ist schlecht. Und das Wichtigste unterstützen die drei ja sowieso - online gegeneinander spielen.”