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Washington: Chinesen proben Cyber-Attacken auf westliche Computernetze

Washington : Chinesen proben Cyber-Attacken auf westliche Computernetze

Die Chinesen proben nach Erkenntnissen amerikanischer Geheimdienste zunehmend Cyber-Attacken auf westliche Computernetze. „Wir beobachten diese Angriffe mit großer Sorge, weil sie unsere Sicherheit genau wie die der gesamten westlichen Hemisphäre bedrohen”, sagte ein Computerspezialist des US-Auslandsgeheimdienstes CIA der Nachrichtenagentur ddp in Washington.

Nachdem im Januar eine chinesische Rakete zur Probe von der Erde aus einen eigenen ausgedienten Satelliten abgeschossen hat und angesichts der bekannt gewordenen elektronischen Industriespionage Pekings seien die Geheimdienste „ziemlich nervös” geworden, erklärte der CIA-Experte. Er bestätigte, dass jüngst chinesische Hacker Server des US-Verteidigungsministeriums für zwölf Stunden lahm legen konnten.

Der CIA-Mann berichtete, dass die Chinesen schon seit langem eigene Einheiten für die elektronische Kriegsführung unterhalten. Die Hacker würden jahrelang an der Pekinger Universität ausgebildet, bevor sie als Spezialisten unter größter Geheimhaltung in die Armee eingegliedert werden. Ihre Zahl wird nach Angaben der US-Beobachter auf Tausende geschätzt.

Die Hacker übten ständig Angriffe auf das westliche Internet. Zwischen China und Taiwan, das sich die Chinesen als ihre „abtrünnige Provinz” am liebsten einverleiben möchten, sei es schon zu regelrechten Cyberkriegen gekommen.

Der US-Experte machte darauf aufmerksam, dass gerade die Infrastrukturbereiche wie Energieversorgung, Telekommunikation, Verkehrsysteme und das gesamte Gesundheitswesen von einer funktionierenden Informationstechnik abhängig sind. „Hier haben wir festgestellt, dass China bei seinen Bemühungen, die USA als Weltmacht zu überflügeln, in einem Fall X nicht davor zurückschrecken würde, die westlichen Systeme über das Internet auszuschalten”, erläuterte der CIA-Vertreter. Amerika tue sich noch immer schwer, „geeignete Abwehrsysteme gegen die möglichen chinesischen Computerangriffe aufzubauen”.

Unter der Hand ließ der CIA-Spezialist wissen, dass die USA „natürlich auch Einheiten für die elektronische Kriegsführung unterhalten”. Was das „Strategische Oberkommando für elektronische Kriegsführung” (JFCCNW) genau macht, wollte er nicht preisgeben.

Das US-Magazin „Wired” hatte berichtet, dass die US-Regierung für die Hackertruppe viele Millionen Dollar im Jahr ausgebe, um Gegenmaßnahmen gegen die chinesischen Bemühungen, die Oberhand in der Cyberauseinandersetzung zu gewinnen, zu schaffen. Über die vom JFCCNW entwickelten „Cyber-Waffen” wird strengstes Stillschweigen gewahrt.

Von dem in Bonn vertretenen „Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik” (BSI), das sich mit allen Fragen der IT-Sicherheit beschäftigt, wurden Ausführungen des Vizepräsidenten des Bundesverfassungsschutzes, Hans Elmar Remberg, zur elektronischen Industriespionage Chinas bestätigt. Er hatte berichtet, dass die chinesischen Hackerangriffe besonders auch auf die Internetnetze deutscher Firmen zugenommen haben.

Die Chinesen wollen nach Darstellung deutscher Geheimdienste auf diesem Weg Geld für Eigenentwicklungen sparen, um auf diese Weise schneller zur Weltmacht aufzusteigen, erläuterte ein Beobachter des Bundesnachrichtendienstes (BND). Die chinesischen Hacker seien sehr gut ausgebildet und verfügten über „hervorragende kryptografische Kenntnisse”.

Die befürchteten chinesischen Cyberangriffe könnten weltweit für die elektronischen Infrastrukturen „unabsehbare Folgen bringen”. Die Chinesen könnten „erfolgreich das Web als Waffe benutzen”.