Besser Englisch sprechen mit Netflix, Amazon und Sky

Die digitale Welt : Wir streamen uns mit Netflix zu Fremdsprachenkorrespondenten

Eine Studie zeigt, dass Originalversionen mit Untertiteln die Fremdsprachenkenntnisse von Kindern und Jugendlichen verbessern können. Wehe, diese Information gelangt an Kinder und Jugendliche.

Sie sollten diese Kolumne vor Kindern und Enkelkindern geheim halten, weil in ihr familiärer Sprengstoff enthalten ist. Eine Studie hat nämlich ermittelt, dass Streaming-Dienste wie Netflix die Fremdsprachenkenntnisse bei Kindern erhöhen können. Anders als beim linearen TV, kann man dort nämlich standardmäßig Sendungen in der Originalversion mit Untertiteln anschauen und so spielerisch etwas für seinen Fremd-Wortschatz tun.

Wer in Grenznähe aufgewachsen ist, kennt das, weil „beim Holländer“ konsequent nicht synchronisiert, sondern untertitelt wird. So lernte man als Kind nicht nur, dass „Halt die Klappe!“ im Englischen „Shut Up!“ heißt, sondern konnte gleich noch das niedliche „Kop dicht!“ für die Kommunikation mit den Niederländern mitnehmen.

Auch andere kleine Länder wie Schweden oder Norwegen greifen zu Untertiteln und werden mit besseren Fremdsprachenkenntnissen belohnt. Durch Netflix & Co. könnte dieser Vorsprung nun dahinschmelzen. In der Studie, für die 1046 Eltern und jeweils eines ihrer Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren befragt wurden, schätzten die Streaming-Probanden ihre Sprachkompetenz signifikant höher ein als Kinder ohne ein solches Angebot zu Hause.

Womit wir wieder beim Sprengstoff wären. Wenn die Kleinen nämlich dahinter kommen, dass man „Miracolous“ oder „Liv und Maddie“ den Eltern demnächst als sprachliche Fortbildung verkaufen kann, droht argumentatives Ungemach.

Deshalb sollten Erziehungsberechtigte sich wappnen. Sie könnten etwa darauf verweisen, dass die Studie von zwei TV-Sendern in Auftrag gegeben wurde, die Ergebnisse also nicht glaubwürdig sein können. Oder die Eltern überprüfen den Lernerfolg nach jeder Folge mit einem Vokabeltest. Weitergucken nur ab einer 3.

Wenn alles nicht helfen sollte, könnten sie darauf bestehen, die zu erlernende Sprache zu bestimmen. Denkbar wäre etwa finnischer Ton mit koreanischen Untertiteln. Das dürfte den „Lerneifer“ zügeln.

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