Aachen/Foster City, Kalifornien: Beim Computerspiel „Call of Duty“ Aachen 1944 selbst befreien

Aachen/Foster City, Kalifornien : Beim Computerspiel „Call of Duty“ Aachen 1944 selbst befreien

„Call of Duty: WW II“ ist im wahrsten Wortsinn bemerkenswert. Vor allem in Aachen ist das Videospiel es wert, bemerkt zu werden. Denn die Stadt spielt im Triple-A-Titel — bei Computer- und Videospielen das Äquivalent zu großen Hollywood-Produktionen in der Filmbranche — eine prominente Rolle. Der Spieler kommt in der Einzelspieler-Kampagne als US-amerikanischer Soldat während des Zweiten Weltkriegs nach Aachen und hilft, die Stadt von der Nazi-Diktatur zu befreien. Das Spiel ist ein First-Person-Shooter. Seinen Charakter steuert der Spieler also in der Ego-Perspektive.

Aber CoD, so die Abkürzung des Titels, ist nicht nur bemerkens-, sondern ebenso sehenswert. Die Grafik ist opulent. Zumindest wenn eine Maschine am Werk ist, die die Software mit ausreichend Muskelkraft anpackt. CoD läuft auf der Playstation 4, Xbox One oder auf einem PC mit solider Rechenpower.

Auf den ersten Blick erkennbar: das Aachener Theater im Spiel „Call of Duty: WWII“. Ähnlichkeiten zu den tatsächlichen Verhältnissen während des Zweiten Weltkriegs sind deutlich, ... ... etwa was die Gleise der Straßenbahn angeht oder den Grad der Zerstörung. Das Theater und der Platz davor nach dem Bombenangriff vom 14. Juli 1943. In Bild 4 befindet sich das Theater hinter dem zerstörten Gebäude auf der rechten Seite. Screenshot: zva.

Virtuelles Gefecht

Von Thomas Vogel Aachen/Foster City, Kalifornien. „Call of Duty: WW II“ ist im wahrsten Wortsinn bemerkenswert. Vor allem im Lokalteil der Aachener Nachrichten ist das Videospiel es wert, bemerkt zu werden. Denn Aachen spielt im Triple-A-Titel — bei C.

Beim virtuellen Gefecht in der zerstörten Aachener Innenstadt fragt man sich unweigerlich, ob es 1944 wirklich so ausgesehen hat, ob die Entwickler bei Sledgehammer Games in Foster City, Kalifornien, tatsächlich so eingehend recherchiert haben — oder ob es sich um eine Fantasiestadt handelt, die einfach Aachen getauft wurde, weil so eben die erste Stadt hieß, die auf deutschem Boden befreit wurde.

Auf den ersten Blick erkennbar: das Aachener Theater im Spiel „Call of Duty: WWII“ (1 und 3). Ähnlichkeiten zu den tatsächlichen Verhältnissen während des Zweiten Weltkriegs sind deutlich, etwa was die Gleise der Straßenbahn angeht oder den Grad der Zerstörung. Bild 2 zeigt das Theater und den Platz davor nach dem Bombenangriff vom 14. Juli 1943. In Bild 4 befindet sich das Theater hinter dem zerstörten Gebäude auf der rechten Seite. Screenshots: Call of Duty: WWII, tv.

Der Antwort sieht sich der Spieler recht schnell gegenüber in Form eines Gebäudes, das jeder Aachener auf den ersten Blick erkennt: das Theater. Zumindest in dieser Hinsicht wurde also Wert auf Details gelegt. Denn am Bildschirm lässt sich dank der Grafik, die auf Höhe der Zeit ist, alles sofort identifizieren. Woher die Entwickler ihre Informationen und Vorlagen genommen haben, lässt sich derweil nicht auf den ersten Blick nachvollziehen. Flatterte eines Tages eine Anfrage aus den USA ins Aachener Rathaus verbunden mit der Bitte um Archivmaterial? Nein. Bei der Stadt habe sich niemand gemeldet, hieß es auf Nachfrage aus dem Presseamt. Selbst fotografiert? Vielleicht. Obwohl — wie es damals aussah, hätte ein Foto, aufgenommen im 21. Jahrhundert, bestimmt nicht vermitteln können.

„Jedes Detail stimmig“

Eine Kombination aus historischem und aktuellem Material allerdings schon. Tatsächlich haben die US-Amerikaner großen Aufwand betrieben, damit „das Endprodukt historisch authentisch ist“, wie Martin Morgan sagt. Morgan ist Historiker, auf den Zweiten Weltkrieg spezialisiert, und er wurde von Sledgehammer Games engagiert, um die historische Recherche im Rahmen des Projekts zu leiten. Gemeinsam mit den Entwicklern hat er unter anderem Museen und Gedenkstätten besucht.

Glen Schofield, Mitgründer und Leiter des Sledgehammer Games-Studios: „Jeder Teil des Spiels wurde erforscht, abgewogen, studiert und fotografiert. Wir wollen, dass das Spiel respektvoll und jedes Detail stimmig ist.“ Die Entwickler waren unter anderem in Hürtgenwald, um selbst Fotos aufzunehmen. Auch an diesen Ort in der Eifel führt es den Spieler in der Einzelspieler-Kampagne.

Der Rest der zerstörten Stadt ist nicht auf den ersten Blick als typisch Aachen auszumachen. Aber am Spielerlebnis ändert das nichts. Selbst wenn in diesem Fall keine originären Aachener Stadthäuser digital nachgebaut wurden — das Szenario wirkt wie aus einem Guss.

Mehr von Aachener Nachrichten