Wenn die Smartwatch stresst: Analog ist auch mal schön

Wenn die Smartwatch stresst : Analog ist auch mal schön

Das waren noch Zeiten: Als man nach der Arbeit regungslos auf die Couch fallen und am Wochenende auch mal einen Tag im Bett verbringen konnte - und die einzige körperliche Ertüchtigung aus dem gelegentlichen Strecken und Beugen des Arms bestand, um die nächste Fuhre Chips aus der Tüte in den Mund zu befördern. Ganz ohne schlechtes Gewissen!

Seitdem am Arm dieser Autorin eine Smartwatch baumelt, ist es jedoch vorbei mit gedankenloser Faulenzerei. Die tägliche Schrittzahl, stündliches Aufstehen, der Kalorienverbrauch: Der Drill Instructor am Handgelenk hat mich voll im Griff. Zugegeben: Mehr Bewegung hat noch keinem geschadet und ein gelegentlicher digitaler Tritt in den Allerwertesten hilft durchaus, den inneren Schweinehund zu bezwingen.

Bisweilen nimmt die digitale Selbstkasteiung aber absurde Ausmaße an - zum Beispiel seitdem mein Lebenspartner auch so einen schlauen Handgelenkschmuck besitzt. Miteinander verknüpft erzählen unsere Uhren uns jetzt in Echtzeit, wie viel der andere sich schon bewegt hat. Oder halt eben nicht. Zum Vergleich gibt’s auch noch eine Wettbewerbsfunktion: Wer sich am meisten bewegt hat, bekommt nach sieben Tagen eine Medaille. Weniger laufen als der andere und verlieren? Kommt gar nicht in die verbannte Chipstüte!

Statt auf die Couch zu fallen wird also abends noch eine Runde spaziert, das Auto wird nach der Arbeit extra weit weg von der Wohnung geparkt („Ich habe keinen Parkplatz gefunden, wirklich!“) und am Wochenende wird gewandert statt gefaulenzt. So weit, so gut. Spätestens dann, wenn man sich auf der Dienstreise im Hotel dabei erwischt, wie man kurz vor Mitternacht noch Hampelmänner macht, um den anderen doch noch zu überholen, sollte man aber nachdenken, ob die neue körperliche Fitness nicht vielleicht nachhaltig der geistigen schadet.

Am Tag danach habe ich demonstrativ mal wieder meine alte Uhr getragen. Eine richtig analoge. Was soll ich sagen: Erstaunlich entspannt, wenn man keine heimlichen Hampelmänner machen muss und stattdessen in die Chipstüte greift.

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