Hamburg: An 1000 Sachen denken: Tipps zur Gründung eines Online-Shops

Hamburg : An 1000 Sachen denken: Tipps zur Gründung eines Online-Shops

Alles redet über Web 2.0. Über Mega-Deals, bei denen jung-dynamische Start-Up-Gründer ihre Firma nach wenigen Monaten für Millionen Euro verkaufen. Abseits der großen medialen Aufmerksamkeit versuchen Kleinstunternehmer ihr Glück mit dem klassischen Online-Shop.

„Das ist deshalb besonders reizvoll, weil vergleichsweise wenig Geld benötigt wird, um einen Handel im Internet aufzuziehen”, erklärt Sonja Le Cerf, Existenzgründungsberaterin der Handelskammer Hamburg.

In die Beratung von Sonja Le Cerf kommen viele Arbeitslose, die sich durch die Gründung eines Online-Shops selbst einen Arbeitsplatz schaffen wollen. Das schnelle, große Geld ist aber die Ausnahme. Wer sich allein mit Hilfe eines Online-Shops ernähren will, muss hart arbeiten. Zwölf Stunden pro Tag sollten eingerechnet werden, so Le Cerf. Und die Maloche beginnt schon, bevor der Shop seinen Betrieb aufnehmen kann.

Da wäre zum Beispiel die rechtliche Dimension der Unternehmensgründung. Wer einen Online-Handel gründet, sollte besonders akribisch sein: „Das fängt mit dem Firmennamen und der Domain an”, sagt Thomas Lapp, Rechtsanwalt in Frankfurt. Eine Suchanfrage in Google genüge nicht, um auszuschließen, dass man mit seiner Namenswahl die Rechte anderer verletzt. Thomas Lapp empfiehlt daher, einen Patentanwalt mit dieser Aufgabe zu betrauen.

Es gibt Anwälte, die im Internet regelrecht nach Online-Händlern suchen, deren Seiten nicht dem geltenden Recht entsprechen. Vor allem über das Impressum stolpern viele Shop-Betreiber. Wenn das nicht in Ordnung ist, gibt es schnell eine Abmahnung von besagten Anwälten - inklusive satter Rechnung. Das gleiche gilt für die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB): „Wer hier schludert und den Kunden nicht deutlich auf sein Rückgaberecht aufmerksam macht, riskiert Ärger”, warnt Lapp.

Zu den Vorbereitungen der Unternehmensgründung gehört es auch, sich Gedanken ums Geld zu machen: „Einen Businessplan sollte jeder angehende Unternehmer aufstellen”, empfiehlt Le Cerf. Der Plan helfe, sich über die eigenen Ziele im Klaren zu werden. Darüber hinaus ist er ein Muss, wenn für die Existenzgründung Kredite oder Fördermittel beantragt werden sollen. Wer fremdes Kapital, also einen Kredit oder Fördermittel, benötigt, tut gut daran, das rechtzeitig zu beantragen. Bis ein Kredit bewilligt ist, können drei bis vier Wochen ins Land gehen.

Um als Unternehmer erfolgreich zu sein, genügt eine gute Geschäftsidee alleine nicht. Zumindest betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse sind wichtig - die kann man sich in Kursen aneignen. Zwar lässt sich zum Beispiel die Buchhaltung an Steuerberater oder Büro-Service-Agenturen delegieren. Wer aber kein Gespür für die wirtschaftliche Situation seiner Firma hat, der scheitert. Le Cerf rät daher allen Gründern, von Anfang an ein Controlling einzuführen. „Ich würde ruhig alle zwei Wochen die Umsätze abgleichen.”

Auch über die rechtliche Form des Unternehmens müssen sich Gründer Gedanken machen. Die einfachste Variante ist es, ein Gewerbe anzumelden. In Hamburg zum Beispiel gibt es den Gewerbeschein gegen Vorlage des Personalausweises sofort - für 20 Euro.

Es klingt komisch, aber auch Online-Händler brauchen einen Laden. Dieser Laden besteht hauptsächlich aus Speicherplatz beziehungsweise einer Website und aus Software. Dazu kann der Händler gekaufte oder kostenlose Software auf seine Website spielen. Oder er mietet sich einen kompletten Shop für ein paar Euro pro Monat.

Ein Miet-Shop sei in wenigen Stunden aufgesetzt, sagt Roland Fesenmayr, Vorsitzender der Fachgruppe E-Commerce im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) in Düsseldorf. Wer einfach mal ausprobieren möchte, wie es mit dem Online-Handel funktioniert, sei daher mit der Miet-Variante gut bedient. „Der Nachteil ist, dass man den Miet-Shop im Design und in seiner Funktionalität nicht komplett an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann.”

Die Einrichtung eines Internet-Handels mit Hilfe kostenpflichtiger Software oder mit kostenlosen Open-Source-Programmen ermöglicht eine individuellere Gestaltung. Sie kostet aber auch mehr Geld und Arbeit. Wichtig bei der Auswahl ist Roland Fesenmayr zufolge, dass der Shop mitwachsen kann. Da seien der Miet-Variante engere Grenzen gesetzt.

In ihrem Buch „Der Online Shop - Handbuch für Existenzgründer” haben die Autoren Susanne Angeli und Wolfgang Kundler eine Checkliste für die Auswahl eines Shops aufgestellt. Demnach sollte der Anbieter zum Beispiel eine kostenlose Testmöglichkeit bieten. Wichtig sei auch eine Schnittstelle für den Im- und Export von Daten, so dass sich etwa Informationen aus der Buchhaltung oder dem Versandsystem miteinander verknüpfen lassen. Und irgendwie muss der Händler ja auch an sein Geld kommen: Der Shop sollte daher die wichtigsten Zahlungsarten enthalten.

Zu den Besonderheiten des Online-Handels gehört, dass der Verbraucher die Ware binnen 14 Tagen ohne Angabe von Gründen zurückgeben kann. „Das Widerrufsrecht kann unangenehm teuer werden für den Händler”, sagt Rechtsanwalt Lapp. „Wenn jemand eine Matratze nach einer Woche Probeliegen zurückschickt, werden sie das Ding nicht mehr los.” Und die Kunden machen ausgiebig von ihrem Recht Gebrauch.

Roland Fesenmayr, der hauptberuflich Geschäftsführer bei OXID eSales ist, einem Hersteller von Shop-Software, rät Shop-Inhabern, sich mit anderen E-Commerce-Anbieter zu vernetzen. Dazu gehöre es, die eigene Ware auch über Preis- und Produktsuchmaschinen bekannt zu machen. Sinnvoll seien außerdem so genannte Affiliate-Maßnahmen: Mit Hilfe von Werbebannern oder -links auf anderen Websites werden Käufer angelockt. Pro zu Stande gekommenem Kauf zahlt der Händler eine Gebühr an den Inhaber der entsprechenden Website.

Wenn dann der Rubel endlich rollt, erledigt sich Arbeit nicht von selbst. Der Papierkram wartet: Je nach Umsatz sind Unternehmer dann zum Beispiel verpflichtet, Mehrwertsteuer gesondert auszuweisen, so Le Cerf. „Ich würde da frühzeitig Kontakt zum Finanzamt suchen.”

Das Design des Shops sollte sich anpassen lassen

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