Kreis Düren: Die Rurenergie soll sich zum Energievermarkter mausern

Kreis Düren: Die Rurenergie soll sich zum Energievermarkter mausern

Der Antrag der Grünen ist ziemlich genau vier Jahre alt. Damals, 2010, forderten sie, einen kreisweiten Betrieb zu gründen, um den Betrieb von Strom-, Gas- und Wassernetzen zu finanzieren. Das, was wir bisher als Stadtwerke kennen, sollte auch als Kreiswerke funktionieren.

Umgesetzt wurde mit der Rurenergie GmbH eine kleine Lösung mit dem klaren Schwerpunkt, verstärkt regenerative Energien zu fördern. Kommt mit der Rekommunalisierung der Stadtwerke Düren durch den Rückkauf von RWE-Anteilen nun auch neuer Schwung in die Diskussion um eigene Kreiswerke?

Dürens SPD-Fraktionsvorsitzender hält diese Idee nach wie vor „für sehr vernünftig“: „Die Rurenergie GmbH war damals ein guter Kompromiss, um überhaupt eigenständig im regenerativen Bereich tätig zu werden“, sagt er, und wünscht sich eine Weiterentwicklung dieser Idee. Damit kann sich auch Landrat Wolfgang Spelthahn anfreunden. Der „Kreis als Motor für regenerative Energien“ — eine Vorstellung, die Spelthahn nicht erst gefällt, seit seine Partei kreisweit mit den Grünen eine Koalition eingegangen ist.

Von Anfang an gehörten neben dem Kreis und der Sparkassenbeteiligungsgesellschaft auch die Stadtwerke Düren mit zu den Gründern der Rurenergie. Das Ziel war stets, alle Energieversorger mit ins Boot zu holen, was zuletzt im Dezember 2013 mit der Stolberger Energie- und Wasserversorgungs GmbH (EWV) gelungen ist und noch in diesem Jahr auch mit den Jülicher Stadtwerken gelingen soll. Mit den Jülicher wurde von Anfang an über einen Beitritt verhandelt, jetzt scheint er in greifbare Nähe gerückt zu sein. Ulf Kamburg, Geschäftsführer der Jülicher Stadtwerke: „Die Beteiligung ist auf einem guten Weg. Wir können nach derzeitigem Kenntnisstand davon ausgehen, noch in diesem Jahr Gesellschafter der Rurenergie zu werden.“

„Wenn wir nach Düren auch Jülich mit im Boot haben, könnte das der Einstieg sein, auch mit anderen Versorgern noch einmal zu reden“, will der Landrat einen neuen Versuch wagen, die Rurenergie stärker als bisher für Energien der Zukunft fit zu machen. So hatte sich die Rurenergie neben dem Bau des Solarparks in Inden insbesondere damit hervorgetan, zum Beispiel Schulzentren mit Fotovoltaikanlagen auszustatten.

Das Kreishaus und die Kindergärten im Kreis Düren sollen nun folgen. Das klingt nicht nach dem Mega-Projekt. Die neue Qualität der Rurenergie GmbH wird sich an ganz anderer Stelle messen lassen: „Unsere Vorstellung ist, dass der von der Rurenergie produzierte Strom künftig nicht mehr einfach ins Netz eingespeist wird, sondern wir ihn selbst vermarkten“, sagt Gudrun Zentis (MdL) von den Grünen im Kreis Düren. Und das soll nur der erste vorsichtige Schritt auf dem langen Weg zur kommunalen Selbstversorgung sein. Und der nächste Schritt? Schon jetzt ist der Kreis an den Wasserwerken in Kreuzau und Aldenhoven beteiligt. Die Überlegung, auch mit anderen Wasserwerken den Schulterschluss zu üben, hatte Landrat Wolfgang Spelthahn schon zu seinem Dienstantritt. „Sich in größeren Einheiten zu organisieren, sorgt naturgemäß in kleineren Einheiten für Ängste. Also muss es jetzt darum gehen, langsam und behutsam vorzugehen und den Mehrwert der Zusammenarbeit hervorzuheben“, deutet Spelthahn an, dass er das Ziel der kommunalen Selbstversorgung möglichst aus einer Hand immer noch verfolgt.

„Von Kreiswerken sind wir damit immer noch weit entfernt“, weiß auch Gudrun Zentis. Auch deshalb, weil sich die Kommunen mit der Vergabe der Konzessionsverträge für die nächsten 20 Jahre gebunden haben. Zentis: „Wir haben da eine große Chance vertan.“

Es könnte aber andere Chancen geben, glaubt Henner Schmidt von der SPD: „In Heidelberg betreiben die Stadtwerke auch den Busverkehr und können alle Verluste steuerlich geltend machen.“ Ein Modell auch für den Kreis Düren? „Natürlich kann man in einem steuerlicher Querverbund Sachen optimieren“, sagt auch Stadtwerke-Geschäftsführer Ulf Kamburg aus Jülich und warnt aber gleichzeitig: „Die guten alten Zeiten, als Stadtwerke noch alle Aufgaben übernommen haben, sind vorbei. Wir stehen alle im Markt und haben Mitbewerber.“ Anders ausgedrückt: „Das“, sagt Kamburg, „was man zusammenführt, muss dann besser und wirtschaftlicher sein, als wenn es getrennt bliebe.“

Mehr von Aachener Nachrichten