Kreis Heinsberg: Die Pflegekräfte klagen über zu viel Bürokratie

Kreis Heinsberg: Die Pflegekräfte klagen über zu viel Bürokratie

Auf Einladung der „Starken Partner”, des Netzwerkes karitativer Einrichtungen im Kreis Heinsberg, war der nordrhein-westfälische Sozialminister, Karl-Josef Laumann (CDU), am Donnerstag zu Gast in den Gangelter Einrichtungen Maria Hilf und sprach vor 200 geladenen Gästen - überwiegend Pflegekräfte aus den Netzwerk-Einrichtungen - über die aktuelle Pflegesituation und deren weitere Entwicklung.

Laumann begann seinen Vortrag mit zwei Fragen, die später auch in der Diskussionsrunde unter Leitung von Regionalredakteur Dieter Schuhmachers erörtert wurden: „Werden wir in Zukunft den Standard der heutigen Pflege halten können?” und „Gibt es genügend Nachwuchs für die Pflegeberufe?”

Pflege und Betreuung seien gesamtgesellschaftliche Aufgaben, deren erfolgreiche Wahrnehmung in Zukunft nicht mehr allein in den Händen von Pflegefachkräften liegen könne. „Die Versorgung durch gut ausgebildete Fachleute wird sich künftig immer mehr auf Schwerstpflegebedürftige konzentrieren”, so Laumann.

Ein funktionierender Verbund von Familie, bürgerschaftlichem Engagement und pflegenden Angehörigen oder Freunden werde in Zukunft immer wichtiger.

Das Land müsse seiner Verantwortung gerecht werden, beispielsweise in der Ausbildung von Pflegekräften oder dem Ausbau weiterer, so genannter „niedrigschwelliger” Angebote im Bereich der ehrenamtlichen Pflege und Betreuung.

In 20Jahren sei der steigende Versorgungsbedarf über professionelle Strukturen alleine nicht mehr zu decken. Ergänzend dazu müssten mehr Bürgerengagement und Stabilisierung der Versorgung durch Angehörige - also die Pflege solange wie möglich zu Hause - gefördert werden. Um die Verweildauer in den stationären Einrichtungen zu verkürzen, gehe es darum, pflegende Angehörige zu unterstützen, zum Beispiel durch Betreuungsangebote. Unbedingt gehöre ein Hausarzt mit in das System. In den vergangenen fünf Jahren seien landesweit auch bereits rund 1000 ehrenamtliche Angebote aufgebaut worden. Ein Beispiel sei die Landesinitiative Demenz, die Angehörige im Umgang mit Demenzkranken fit machen solle.

„Für diesen Beruf muss man eine gewisse Veranlagung mitbringen”, blickte der Minister auf eine begrenzte Anzahl von Ausbildungsinteressenten, obwohl Pflegeberufe nach seiner Einschätzung krisensicher sind. Er plädierte dafür, die Ausbildung zu Alten- und zu Krankenpflegern nicht von Beginn an zu trennen. „Zwei Jahre sollte generalistisch ausgebildet werden, dann ein Jahr spezialisiert.” Gleichzeitig warb er dafür, die Pflegeberufe auch für qualifizierte Hauptschüler zu öffnen.

Der Minister erkannte eine hohe gesellschaftliche Anerkennung für die Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten würden. Dabei sprach er sich eindeutig für eine tarifvertraglich abgesicherte, leistungsgerechte Entlohnung aus. Es gelte aber auch: „Die Pflege muss bezahlbar bleiben!”

Laumanns Aussage, dass die stationäre Versorgung sich daran zu orientieren habe, „wie es im privaten Haushalt zugeht”, sorgte für Diskussionen, denn gerade auf dem Weg dahin, fühlten sich viele Pflegekräfte gegängelt durch zu viele Vorschriften und Verordnungen, durch zu viel Bürokratie. „Unseren Bewohnern ein menschenwürdiges Leben und Sterben zu ermöglichen, das ist unser Anliegen”, fasste Marcel Ballas, Geschäftsführer der Alten- und Pflegeheime St. Josef, zusammen, was das Anliegen der Verantwortlichen und Mitarbeiter sei.

„Aber wir werden zu viel reguliert und kontrolliert”, gab er dem Minister mit auf den Weg. Laumann teilte diese kritischen Einschätzungen nicht so ohne Weiteres. Die Bestimmungen seien nicht alle sinnlos. Aber bürokratische Auswüchse sollten ihm gemeldet werden. Dort, wo es möglich sei, wolle er sie stoppen, so jedenfalls sein erklärtes Ziel. Kritik an unangemeldeten Kontrollen wies der Minister zurück. Gerade diese würden Vertrauen schaffen.

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