Erkelenz-Kückhoven: Die Pfarrkirche ist sozusagen sein zweiter Wohnsitz

Erkelenz-Kückhoven: Die Pfarrkirche ist sozusagen sein zweiter Wohnsitz

Nach weit über 30 Jahren hört Franz Sildatke als Küster der Servatiuskirche auf. Mit beginnendem Rentenalter hatte er damals den Küsterdienst übernommen. Mit nunmehr 90 Jahren geht er in den wirklichen „Ruhestand”.

Viele würden die Kückhovener Kirche als zweiten Wohnsitz von Franz Sildatke bezeichnen, denn er verbringt gerne und viel Zeit in diesen Mauern. Ja, manchmal so viel und so lange, dass ihm Gemeindemitglieder mitunter tatsächlich Speisen in die Sakristei gebracht haben. Mit sehr viel persönlichen Einsatz hat er nahezu alle Arbeiten in dieser Kirche geleistet: Das Putzen, die Kirchenwäsche, also die Reinigung und Pflege aller Gewänder, den Blumenschmuck und alles andere auch.

Er hat das Bild dieser Kirche eindeutig geprägt, und durch seine häufige und lange Anwesenheit in der Kirche konnten all die Jahre die Gläubigen die Kirche betreten und dort am Maria-Hilf-Altar beten und Kerzen entzünden. Er übernahm darüber hinaus Lektorendienste und hat auch bei jedem Todesfall das Totengebet beziehungsweise die Totenwache am Vorabend des Beerdigungstages geleitet.

Viele Veränderungen erlebt

Für die Messdiener war er immer als „Franz” ansprechbar und da. Und nicht wenige der Jungen und Mädchen waren schon in jungen Jahren größer als Franz Sildatke, der eher von kleiner Statur ist. Viele werden ihn auch bildlich in der Weise kennen, als dass er mit einer Tüte (um etwas zur Kirche zu bringen oder auch von dort abzuholen) mit seiner Kappe in eher dunkler Kleidung auf den zwei Straßen zwischen der Kirche und seiner Wohnung unterwegs ist.

Wer so lange „dabei” ist, hat in der Kirche viele Veränderungen erlebt und musste sich folglich so manches Mal auf Neuerungen einstellen: Mädchen konnten Messdienerin werden, Wortgottesdienste mit Kommunionfeiern werden am Wochenende gehalten. Und es wäre gewiss interessant, aus seiner Perspektive zu hören, wenn es beispielsweise um den nachlassenden Kirchenbesuch geht. Franz Sildatke war immer all die Jahre an der richtigen Stelle; er hat sich all diesen Veränderungsprozessen gestellt. Die Zusammenarbeit mit den Priestern und auch den Gemeindereferentinnen, den Organisten, mit den vielen ehrenamtlichen Lektoren, Wortgottesdienstleiter, Kommunionhelfer, Kollektanten, natürlich den Messdiener war all die Jahre gut.

Geburtstag groß gefeiert

Im letzten Oktober feierte die Gemeinde zusammen mit Franz Sildatke unter großer allgemeiner Beteiligung seinen 90. Geburtstag. Nun macht er „aus Altersgründen” mit seinen 90 Jahren das, was die meisten in der Regel mit 65 Jahren machen: Er tritt kürzer. Gewiss, ganz sicher wird er „den Mikrokosmos der Servatiuskirche” vermissen. Die Gemeinde wünscht ihm, dass er, auch in seinem hohen Alter, noch weitere Lebensinhalte außerhalb des Kirchengebäudes pflegen kann und wird. Es war aufrichtiges Anliegen der Gemeinde, ihn „gebührend” zu verabschieden.

Im Werktagsgottesdienst in „seiner” Servatiuskirche wurde das mit der Gemeinde gefeiert. Die Feier beschränkte sich auf den Kirchenraum, denn Franz Sildatke steht nicht sehr gerne im alleinigen Mittelpunkt. Es gäbe noch unendlich viel zu erzählen von diesem Mann und seiner Zeit in der Kückhovener Kirche, zumal Franz Sildatke auch eine Persönlichkeit hat, die dazu leicht verleiten mag.

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