Aachen: Die Krönung für Pat Cox

Aachen : Die Krönung für Pat Cox

Es ist keine dieser üblichen Dienstreisen, die Pat Cox in diesen Tagen nach Aachen unternimmt. Dagegen spricht seine Begleitung: Seine Frau Cathy kommt mit, seine sechs Kinder und drei Schwiegerkinder.

Der Präsident des europäischen Parlamentes erhält am Donnerstag den Aachener Karlspreis. Und diese Auszeichnung kann als Krönung seiner Arbeit für die europäische Erweiterung gelten.

Dafür hat er viele Wege auf sich genommen, auch unkonventionelle. Wochenlang fuhr er in einem Wahlkampfbus durch seine irische Heimat und rührte kräftig die Werbetrommel für die Aufnahme der zehn neuen Mitgliedstaaten. Und als das EU-Parlament im November 2002 über die EU-Erweiterung debattierte, lud er in einem beispiellosen Schritt 147 Parlamentarier aus den Bewerberländern dazu ein.

Entscheidende Bedeutung

Mit der Aufnahme der Kandidaten allein ist keine Integration zu machen - auch das wollen die Aachener mit der Preisverleihung an Cox unterstreichen. Dem EU-Parlament komme eine entscheidende Bedeutung zu. Doch diese Etappe des Zusammenwachsens wird Cox nicht mehr als Abgeordneter in Straßburg mitgestalten. Denn nach 15 Jahren kandidiert der irische Liberale bei den Europawahlen im Juni nicht mehr.

In seiner Abschiedsrede vor dem Parlament in Straßburg sagte er: „Europa war mein politisches Leben. Ich werde Europa, so gut ich kann, weiter dienen.” Ob er weiterhin eine europapolitische Rolle spielen wird, ist offen. Der „Vollbluteuropäer” wird aber als möglicher Nachfolger des scheidenden EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi gehandelt.

Die Laudatio auf Cox hält der ehemalige französische Staatspräsident Valéry Giscard dEstaing. Er steht für eine der bedeutendsten „Baustellen” in Europa, für die europäische Verfassung. Giscard hatte im vergangen Jahr den Karlspreis für seine historische Aufgabe bekommen, die Verfassung auszuarbeiten.

Beitrag zur Ratifizierung

Dass die ein Jahr später noch immer nicht unterzeichnet ist, damit hatte im Karlspreisdirektorium wohl kaum jemand gerechnet. Mit Giscard als Laudator soll noch einmal die Bedeutung des Vertragswerkes unterstrichen und ein Beitrag zur Ratifizierung geleistet werden, erklärte das Direktorium.

Das Jahr 2004 ist ein besonderes in der Geschichte des Karlspreises. Zum ersten Mal wurde die Auszeichnung zwei Mal zuerkannt. Monate nach der Bekanntgabe von Pat Cox als regulärer Preisträger hatte das Direktorium überraschend Papst Johannes Paul II. präsentiert. Ihm wurde im März der erste außerordentliche Karlspreis für sein Lebenswerk verliehen. Eine Delegation reiste zur Verleihung nach Rom und genoss außerordentliche Aufmerksamkeit.

Diskussion mit Schülern und Studenten

Der EU-Parlamentspräsident und reguläre Karlspreisträger Pat Cox will seine Aufmerksamkeit den Menschen in Aachen schenken: Am Tag vor der Verleihung wird er mit Studenten und Schülern diskutieren. Sein Thema: Die Europawahl 2004.