Leserbriefe zur Asylpolitik: Die Grenzen der Hilfe und des Wollens

Leserbriefe zur Asylpolitik : Die Grenzen der Hilfe und des Wollens

Die stockende Entwicklung in Sachen europäische und deutsche Flüchtlingspolitik bewegt unsere Leser. Lesen Sie hier die aktuellen Leserbriefe.

Dr. Matthias Rossbach aus Kreuzau befasst sich mit dem „Seite Drei“-Text „Wunschziel: Deutschland“ über die Folgen des verheerenden Feuers auf Lesbos, das nahezu das komplette Flüchtlingslager Moria zerstört hat:

In Brüssel wird nie Einsicht und Einheit einkehren, zumindest nicht in der Asyl- und Aufnahmefrage. Hier versagt unsere Politik auf ganzer Linie, und mir wird hundeübel, wenn ich an die Betroffenen in den Flüchtlingslagern innerhalb europäischer Grenzen denke. Es ist einfach blamabel, wie heuchlerisch mit Migranten und Schutzsuchenden an Europas Grenzen umgegangen wird. Was ist zu tun? Ich denke, hier muss die Zivilgesellschaft aktiv werden. Wir, jeder von uns, muss ein Zeichen setzen, ein klein wenig von seiner Behaglichkeit preisgeben und sich fragen, wo sein Beitrag sein kann, den Menschen in Not zu helfen. Ja, man kann mit einer Spende vor Ort Hilfe leisten, aber das wird die Situation der Betroffenen nur temporär lindern.

Besser wäre, für einzelne eine Patenschaft zu übernehmen, sie nach Deutschland zu befördern und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen – und zwar jetzt, sofort! Ich bin überzeugt, dass es hier genügend Unterstützer gäbe, die ein Zimmer frei hätten, um einen oder zwei dieser Bedürftigen für einige Monate aufnehmen zu können, bis diese sich selbst versorgen können. Natürlich braucht es dazu auch die Bereitschaft der Behörden in Griechenland und in Deutschland, die Anliegen der Migranten zügig und wohlwollend zu bearbeiten. Diese Zeitung könnte bei der Auswahl und Vermittlung behilflich sein, jeden Tag geeignete Kandidaten vorstellen und an willige Paten vermitteln. Vor Ort gibt es sicher auch kompetente Kontaktpersonen, sei es in NGOs oder den Kirchen, die Empfehlungen geben können, wer für eine Vermittlung infrage kommt.

Wir jedenfalls wären bereit, ein bis zwei Migranten bei uns aufzunehmen, um unser moralisches Gewissen zu entlasten, und das zu tun, was im Moment notwendig und menschlich geraten ist.

Karin Wolfertz aus Herzogenrath lobt den Leserbrief von Günter Carduck aus Stolberg unter dem Titel „Hierhin, dorthin und ein legendärer Satz“, der der Meinung ist, Deutschland habe bereits genug Flüchtlinge aufgenommen, und sich von unseren Politikern und Medien wünscht, jetzt erst einmal wieder den Blick auf das Wohl unserer Landsleute zu richten:

Bravo, Herr Carduck! Ihr Leserbrief spricht mir aus der Seele.

Erik Sauer aus Aachen antwortet auf die Leserbriefe von Doris Heibach aus Stolberg, Christoph Schönberger aus Aachen und Günter Carduck aus Stolberg, die sich alle drei gegen eine erneute Aufnahme von Migranten aussprachen beziehungsweise den Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahr 2015 mit ihrem mittlerweile legendären Satz „Wir schaffen das!“ erheblich kritisierten:

Sehr geehrte Frau Heibach, sehr geehrte Herren Schönberger und Carduck, gemeinsam schaffen wir das, und noch viel mehr! Aber leicht ist es nicht! Wann genau ist es passiert, dass das Wort Gutmenschen zum Schimpfwort wurde? Intelligent sind demnach Abgrenzung, Egoismus und Beschuldigung anderer, während Humanität, Solidarität und Hilfe gegenüber Schwächeren dumm sein soll? Wieso echauffieren Sie sich über grüne und linke Moralapostel, die zumindest nach meiner Auffassung die Idee einer moralischen Verantwortung noch nicht ganz aufgegeben haben, während Sie eine ideologisch abgegrenzte Ihr eigen nennen, was eine klare und zielgerichtete Auseinandersetzung mit allen Problemen, die wir als Gesellschaft zu lösen bereit sein müssen, verhindert?

Frau Merkel als die Alleinschuldige am Flüchtlingsthema beziehungsweise dessen Bearbeitung zu bezeichnen, verkürzt ebenfalls auf wenig hilfreiche, ideologisch einschränkende Weise die tatsächlichen damaligen Umstände in Deutschland, Europa und der Welt. Und dass sich der Staat nicht für das Schicksal verschwundener Jugendlicher (oder auch Erwachsener) unter den Migranten interessiert, ist schlichtweg falsch und ein Schlag ins Gesicht aller privaten Helfer, Institutionen, Erzieher, Pädagogen, Vormunde, Sozialarbeiter, der Polizei und kommunaler Beamten, die dafür Sorge tragen, dass wir es schaffen, die sich aus dem Flüchtlingszuzug ergebenen Herausforderungen zu meistern. Um die Ursachen und Zusammenhänge von dieser erweiterten Flucht darzustellen, reicht hier kaum der Platz.

Gemeinsame und im besten Sinne soziale Verantwortung muss dabei selbstverständlich freiwillig erkannt und übernommen werden, sich in diffamierender Weise nur über gewisse Milieus oder den vermeintlichen Mainstream als Problemverstärker zu ärgern, löst in meinen Augen gar nichts.

Manfred Waltermann aus Eschweiler befasst sich mit dem Artikel „Neues Zeltlager auf Lesbos wächst“:

Griechische „Zeltlager-Romantik“ – um es deutlich zu sagen: Was sich auf der als Touristentraum bekannten griechischen Inselwelt nun schon seit viel zu vielen Jahren in puncto „Bewältigung der Flüchtlingskrise“ abspielt, ist menschenunwürdig und eine himmelschreiende Schweinerei! Wobei nicht unerwähnt bleiben soll, dass die jüngsten Tierschutzgesetze als „human“ gegenüber den andauernden Verletzungen der Menschenrechte in der Flüchtlingsfrage einzustufen sind. Erinnert sei nur an die „Ausführverordnung für Hunde“ aus dem Hause der Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner! Menschen, die in überfüllten Lagern hausen und sich dort weitgehend mit ihren Kindern alleingelassen sehen, haben nach der europäischen Menschenrechtskonvention Recht auf ausreichend Essen und Trinken sowie ein Dach über dem Kopf inklusive sanitärer Einrichtungen. Wo ist die EU (Europäische Union mit 27 Staaten) mit ihren „Werten“? Wo sind die Repräsentanten dieser Mammut-Behörde? Abgetaucht?! In 50 Jahren hat diese EU es nicht geschafft, einen politischen Handlungsrahmen für die schrittweise Lösung des Flüchtlingsproblems zu schaffen. Das „Durchwurschteln“ ist zur Maxime erhoben worden.

Milliarden Euro, die als Hilfen von Brüssel abflossen, sind weitgehend unkontrolliert in den ausgetrockneten Staatskassen begünstigter Staaten versandet.

Das abgefackelte Flüchtlingslager Moria auf Lesbos ist fünf Jahre, nachdem die EU die Migrationskrise erstmals so richtig zu spüren bekam, zum Fanal geworden für das Versagen unserer EU-Regierenden und deren weiterhin andauernde Grundrechtsverstöße!