Mary Shelley: Die Frau, die Frankenstein erschuf

Mary Shelley : Die Frau, die Frankenstein erschuf

Mary Shelley ist die Frau, die Frankenstein erschuf. Ihren Roman konnte die damals 18-Jährige aber nur anonym herausbringen, weil sie eine Frau war. Der biografische Film „Mary Shelley“ ist durchaus gefühlvoll, schöpft aber nicht aus dem vollen Potenzial, das in der Geschichte der Autorin steckt.

Mary Shelleys Leben ist als Schöpferin eines bis heute populären Romans einen biografischen Film wert. Es ist allerdings ein eher konventionelles Gefühlsfilmchen, das vor allem von Schauspielerin Elle Fanning als junge Mary (da noch Godwin mit Nachnamen) gerettet wird. Dass die Emanzipationsgeschichte der Schriftstellerin von einer in Saudi-Arabien geborenen Künstlerin, Haifaa Al Mansour, inszeniert wurde, spürt man nicht. Eigentlich könnte sich die Arbeit der Regisseurin Haifaa Al Mansour für eine berühmte Emanzipations-Geschichte eignen. Der Plan geht jedoch in „Mary Shelley“ nicht wirklich auf.

Die 16-jährige Mary (Elle Fanning), Tochter des Sozialphilosophen William Godwin und der verstorbenen Schriftstellerin Mary Wollstonecraft, trifft 1814 mit dem romantischen Dichter Percy Shelley (Douglas Booth) zusammen. Ihrer Leidenschaft folgend, flieht Mary mit Percy Shelley. Dessen Karriere und Vermögen erleben ein dauerndes Auf und Ab und so lassen Schulden ein gemeinsames Kind sterben.

Percy Shelley beginnt eine Affäre mit Marys Halbschwester und zu dritt reisen sie zu Lord Byrons Villa am Genfer See, wo das miserable Wetter die Grundlage zu „Frankenstein“ legt. Ein gemeinsamer Schreibwettbewerb ermutigt Mary, ihr literarisches Talent auszuleben. Allerdings wird der mittlerweile 18-jährigen Frau das Werk nicht abgenommen: Nur anonym, mit Percy Shelley als angeblichen Autor, kann es erscheinen.

Das Künstlerische im Film bleibt zweitrangig

Mit viel Gefühl legt „Mary Shelley“ seinen Schwerpunkt auf die „arme, leidende und liebende Frau“. Charakterisiert wird die berühmte Autorin vor allem durch den Tod ihrer Tochter und die Untreue ihres Partners. Das Künstlerische – sowohl bei der Autorin als auch im Film – bleibt zweitrangig. Die dunklen Aspekte des Films wirken oft nur dekorativ.

Überdeutlich werden bei Haifaa Al-Mansour die Bestandteile von „Frankenstein“ in die Geschichte eingestreut, das gerade populäre Wiederbeleben von toter Materie beim „Galvanisieren“. Es sind die chemischen Experimente, die betont werden. Marys Albträume sorgen für etwas Horror, das eigentliche Grauen sind jedoch die Männer.

Die Poeten Shelley und Lord Byron hampeln hier als besoffene und kindische Idioten herum. Der lüsterne Lord wirkt in der Darstellung von Tom Sturridge eher bäuerlich als diabolisch. Spannende Momente gibt es allerdings auch: Das Gespräch mit Shelley, nachdem er zum ersten Mal Frankenstein gelesen hat ist ein Beispiel. Er will die perfekte Kreatur schildern, Mary hingegen sieht nach ihren Erfahrungen und Erlebnissen das Monster als Sinnbild der Menschheit.

Die Ironie, dass sowohl Mary Godwin als auch Byrons Arzt John Polidori (Ben Hardy) Geschichten über ihre jeweiligen Monster schrieben, und genau diese Männer jeweils fälschlicherweise als Autoren gehalten wurden, blitzt ebenfalls in dem Film auf.

Letztlich ist es Ellen Fanning in „Mary Shelley“, die das brave Filmchen zu etwas Besonderem macht und nach Filmen wie „How to Talk to Girls at Parties“, „Jahrhundertfrauen“ oder „The Neon Demon wieder einmal in einer Hauptrolle brilliert. Wenn auch viele der Kostüm-Szenen gesetzt wirken, ihre Momente sind lebendig und machen neugierig auf die Autorin Mary Wollstonecraft Shelley.

Mary Shelley Großbritannien, Luxemburg, USA 2017 Regie: Haifaa Al-Mansour, mit Elle Fanning, Douglas Booth, Tom Sturridge, Bel Powley 120 Min. FSK ab 12