Die Ästhetik der Natur und der Kunst

Les Jardins d‘Annevoie: Ästhetik der Natur und Kunst in einem der schönsten Wassergärten Europas

Die Wassergärten von Annevoie sind einzigartig in Europa. In den grandiosen Naturschauspielen dieser Gärten im Maastal werden englische, französische und italienische Stilelemente auf nahezu perfekte Weise miteinander verbunden. Rund 70 Wasserspiele erfreuen den Betrachter.

Englische, französische und italienische Stilelemente

Der reiche Meisterschmied und begabte Ästhet Charles-Alexis de Montpellier (1717-1807) verstand es vortrefflich englische, französische und italienische Stilelemente in den grandiosen Naturschauspielen dieser Gärten im Tal der Maas auszudrücken. Beim englischen Stil imitiert die Kunst die Natur. Diese Architektur versucht, natürliche Effekte künstlich nachzuahmen und entspricht damit ganz den Vorstellungen des „Zurück zur Natur“ von Jean-Jacques Rousseau bzw. den Wünschen der englischen Romantik. In Annevoie ist das sehr schön zu sehen an der englischen Kaskade, die eine perfekte Imitation der Natur darstellt. Der italienische Stil steht dafür, dass die Kunst mit der Natur harmoniert. Hier liegt das Hauptaugenmerk auf Abwechslung, Kontrasten und Überraschungseffekten.

Rund 70 Wasserspiele

Das zeigen rund 50 Wasserspeier, Fontänen und Wasserfälle sowie 20 Becken und Teiche. Alleen, Laubengänge, Statuen und Trompe l’oeil Objekte verdeutlichen die französischen Stilelemente, in der die Kunst die Natur korrigiert. Direkt dem Schlossteich gegenüber liegt die Wassertreppe. Sie ist in Belgien und wahrscheinlich sogar in Europa einzigartig, auf jeden Fall aber eine Rarität, da sie seit 1760 immer noch ohne jede maschinelle Hilfe funktioniert. Gespeist wird sie vom großen Kanal auf dem höchsten Niveau der Gärten, über die obere kleine Kaskade, über der Neptun und Aphrodite thronen.

Nur mit natürlichem Gefälle und Schwerkraft

Der romantischste Teil der Gärten liegt an der hinteren Seite des Schlosses. (Das Schloss ist nicht zu besichtigen) Es ist das Spiel der Perspektiven, durch Biegungen, Hecken, Hügel und Bäume animierte Naturkunstwerke, die romantisch klingende Namen haben wie Neptunbrunnen, Artischockenbecken und Minerva-Kabinett. Charles-Alexis de Montpellier war auch ein außergewöhnlich guter Brunnenbauer. Wasser ist in Annevoiedeshalb allgegenwärtig. Das Geheimnis beruht auf vier Quellen. Eine davon versorgt den hochgelegenen über 400 m langen „Großen Kanal“, der durch ein Röhrensystem die Becken, Teiche und Wasserfälle speist. Dazu kommt das natürliche Gefälle des Geländes, kilometerlange Kanalsysteme und das Prinzip der miteinander funktionierenden Gefäße. Auf diese Weise fließt seit 250 Jahren ohne jede Maschinerie das Wasser in einem ununterbrochenen Kreislauf durch die Gärten Annevoie.

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(pr)