Aachen: Der Karlspreis als Familiengeschichte

Aachen : Der Karlspreis als Familiengeschichte

„Ihr braucht doch nur noch das eine Spiel zu gewinnen!” Schon wieder Alemannia? Kann denn nicht wenigstens der Karlspreis zur fußballlosen Zeit erklärt werden? Kann nicht.

Denn: Der dort so kundig philosophiert, ist kein Öcher, sondern waschechter Ire, hört auf den Namen Patrick und ist Sohn von Karlspreisträger Pat Cox. „Viel Glück dazu”, sagt der 24-Jährige, zaubert das schönste irische Lächeln in sein Gesicht und meint. „So viel Glück, wie wir hier in Aachen hatten.”

Natürlich ist der Karlspreis keine Glücksfrage, aber seit Donnerstag eine Familiengeschichte. Das Glück hatten auch mehr die Aachener, diese Familie Cox - wie es Oberbürgermeister Jürgen Linden sagt - „als Geschenk zu bekommen”. Ehefrau Cathy, Sinead (28), Catherine (27), Patrick, Anne (20), Grace (18) und der 14-jährige Peter. Ein Familienausflug der besonderen Sorte. „Ich bin total happy”, sagt Cathy, „es kommt nicht so oft vor, dass wir alle zusammen sind.”

Die coole Sonnenbrille

An diesen zwei „wundervollen Tagen”, wie Cathy Cox am Donnerstagabend sagen wird, sind sie unzertrennlich: Beim Shoppen kurz nach der Ankunft Mittwochmittag - Catherine zeigt verschmitzt lächelnd ein paar Souvenirs der Marke „Muss man auch nicht unbedingt haben” -, beim Besuch des Doms und beim Bummel über den Katschhof. Dort hat Nesthäkchen Peter seinen großen Auftritt, allerdings unfreiwillig. „Ich wollte gar nicht”, grinst er cool durch seine ebensolche Sonnenbrille. Aber ein Zurück gibt es nicht.

Also muss Peter Kästen stapeln und darauf - gut gesichert natürlich - hochklettern. Bange Blicke der Eltern und Geschwister verfolgen den 14-Jährigen auf seinem Weg nach oben. Und Peter schaut gar nicht mehr so cool, sondern total ängstlich. Irgendwie niedlich. Die Besucher des Katschhoffestes quittieren Peters Artistik mit tosendem Applaus. Und wieder strahlt die ganze Familie Cox, „total happy” ist man eben.

Diese gute Laune der gesamten Familie - zwei Schwiegersöhne sind ebenfalls mit nach Aachen gereist - ist ansteckend. Etwas nervös sind die Jugendlichen des Einhard- und des Couven-Gymnasiums schon, als ihre kurze Diskussionsrunde am „Europabus” mit Pat Cox beginnt.

Doch das legt sich schnell. Zum Gruppenbild mit Karlspreisträger rücken sie alle fest zusammen, so, als wollten sie den guten Pat knuddeln. Spätestens jetzt erschließt sich der Sinn der Worte: „Pat Cox ist ein Preisträger zum Anfassen.”

Für das Familienalbum

Für Dr. Herbert Hammans ist dieser Karlspreis auch ein Novum. Erstmals als Dompropst nimmt er teil. Klar, dass er der Familie Cox den Dom persönlich zeigt. Unter dem Barbarossaleuchter stehend, drückt Peter OB Linden seine kleine Digital-Kamera in die Hand und bedeutet ihm, doch bitte schön ein Familienbild zu machen, auf dass das Oktett im Oktogon perfekt im Bild sei. Und wer diesen anschließenden prüfenden, herrlich respektlosen Blick Peters auf das Display gesehen hat - „da sind wir aber jetzt doch mal gespannt, ob der das auch vernünftig gemacht hat” - der hat diesen aufgeweckten Jungen endgültig in sein Herz geschlossen.

Wunderbar, einmalig, überwältigend, es gibt keinen Superlativ, den Familie Cox nicht bemüht, als es heißt, diese zwei Tage in der Kaiserstadt Revue passieren zu lassen. Nein, vom Karlspreis und von Aachen hatte man vorher nichts gehört: Doch die Botschaft, wie beeindruckend diese Stadt sich und ihre Karlspreisträger feiere, die würden sie mit auf die Insel nehmen. „Mächtig stolz” seien sie alle, bekennt Peter stellvertretend für seine ganze „Delegation”, der froh ist noch einige Stunden nach der Zeremonie in Aachen sein zu können.

Und obwohl es gleich mehrere irisch angehauchte Pubs in Aachen gibt, verabschiedet sich Familie Cox ganz und gar unpatriotisch. Bei einem Abendessen im „Knipp” am Bergdriesch. Pils statt Guinness, ein Prosit auf diese sympathischen Karlspreisträger!