Aachen: Der jüngste Karlspreis, den Aachen je sah

Aachen : Der jüngste Karlspreis, den Aachen je sah

Ein deutsches Wort hat er gelernt, lachte Pat Cox ältester Sohn Patrick gegen Ende des zweitägigen Aufenthalts: „Ssähänswördichkeit.” Denn davon sei Aachen ja wohl voll - womit er mehr als Dom und Rathaus meinte.

Ihre knapp bemessene Zeit hat Familie Cox demnach ausgesprochen effektiv genutzt - und sie hat ihr auch rein zahlenmäßig etwas entgegen gesetzt.

Während sich Vater und Mutter Cox weitgehend ans vorgesehene Protokoll halten mussten, schwärmten die sechs Kinder samt Partner und 15 Freunden unmittelbar nach ihrer Ankunft in die Stadt aus. „Shopping” stand noch am Mittwoch auf dem Programm, diverse Café-Besuche rundeten die Erkundungstouren ab. Und kurz nach der Preisverleihung waren sie sowieso schon wieder unterwegs. „Wo ist Grace?” „Hat irgend jemand Peter gesehen?” Im Zweifel standen sie mittenmang im Volk, lachten, scherzten und genossen das Sommerwetter - wie Touristen das halt so machen.

Und dann verteilten sie auch noch die schönsten Komplimente, die sich die Aachener nur wünschen können. „Großartig”, schwärmte Catherine (28) über die Stadt. Atemberaubend der Dom, wundervolle Plätze, traumhafte Atmosphäre, ergänzten die Geschwister. Vollkommen ahnungslos seien sie gewesen, dass Aachen so alt und geschichtsträchtig sei.

Tochter Sinead auf silberfarbenen Pumps wäre eben dies auf dem Altstadt-Pflaster zwar beinahe zum Verhängnis geworden, doch ihr kleiner Bruder Peter war ihr eine sichere Stütze. Der 14-Jährige hatte sich die selten zu erlebende Freiheit gegönnt, in Schlabberjeans und Turnschuhen inmitten der feinen Festgesellschaft mitzulaufen. Äußeres Zeichen dafür, dass dies der jüngste und lockerste Karlspreis war, den Aachen je erlebt hat.

Denn nicht nur die Kinder des Karlspreisträgers, sondern auch die Domchor-Knaben und die 25 Kinder der Grundschule Passstraße brachten frischen Wind in den altehrwürdigen Krönungssaal. 25 Fähnchen der EU-Länder trugen sie hinein und sahen dabei aus, als kämen sie gerade vom Spielplatz. „Es ist Euer Europa, nicht unser Europa”, hatte Pat Cox in einer Diskussion mit Couven-Schülern den Jugendlichen zugerufen. „Es ist wichtig, dass Ihr Euer Gewicht reinbringt.”

Die junge Generation hat sich gestern auch daran gemacht, den Karlspreis zu entstauben. „Kein bisschen langweilig” fanden folglich auch die Cox-Kinder die Zeremonie. Ein bisschen verlegen musste Tochter Catherine allerdings gestehen, dass sie von diesem Preis noch nie zuvor gehört hatte - was sie vor allem auf eine mangelhafte Berichterstattung in ihrem Heimatland zurückführt. „Das ist enttäuschend”, sagte sie, würde sich aber nun ja endlich ändern.

In der Tat: Gestern berichteten das irische Fernsehen und knapp 15 irische Pressevertreter über den Karlspreis. Die eine oder andere Aachener „Ssähänswördichkeit” werden sie dabei vermutlich auch gezeigt haben.