Aachen: Der EU-Parlamentspräsident und die so fernen „local affairs”

Aachen : Der EU-Parlamentspräsident und die so fernen „local affairs”

Pat Cox ist ein humorvoller Mensch, und ein fröhlicher dazu. Und so nahm es der designierte Karlspreisträger gelassen hin, dass vor seinem Büro kurzfristig der Rückzug des Aachener Generalintendanten Hauptthema war.

Amüsiert ließ er sich die Stellungnahme des Aachener Oberbürgermeisters vor der Presse dolmetschen. Cox hat sonst andere Probleme, ein bisschen „local affairs” erschien als willkommene Abwechslung.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der 51-jährige Ire ein fast einstündiges Gespräch mit Jürgen Linden und dem Sprecher des Karlspreisdirektoriums, Walter Eversheim, in Cox Dienstzimmer auf der 11. Etage des Brüsseler Parlamentsgebäudes hinter sich.

Es war das erste persönliche Gespräch über den Karlspreis, und die Herrenrunde ließ sich trotz mächtig engen Terminkalenders Zeit.

So viel Zeit, dass die Referenten des EU-Parlamentspräsidenten schon einmal vorsichtig die Nase durch den Türspalt steckten. „Mr. President...” Keine Chance.

Es dauerte so lange, dass manch einer vermutete, Cox würde den Karlspreis doch nicht annehmen, weil ihn die Papstsache und die plötzliche Preisverdoppelung doch gewurmt hat.

„Auf gar keinen Fall”, sagt Pat Cox später. Dem Papst einen außerordentlichen Karlspreis zu verleihen, sei eine wunderschöne Sache. Es gehe darum, die Lebensleistung des Papstes zu würdigen. Und das sei auch ihm eine Herzensangelegenheit.

Ob er sich denn nicht doch ein wenig ins zweite Glied versetzt fühle? Und wieder: Keineswegs! „Für mich ist diese Auszeichnung eine große Ehre”, versichert er so strahlend, dass erst gar kein Zweifel aufkommt.

Aber Pat Cox steht vor der blauen Fahne der Europäischen Union nicht wie der Strahlemann schlechthin, es ist eine bescheidene Freude. Gleich mehrfach betont er, dass er den Karlspreis nicht für sich persönlich annehmen wird, sondern für das ganze Europäische Parlament.

Und dann wird er doch für einen Moment sehr ernst. Weil 2003 kein gutes Jahr für Europa war, weil die Bemühungen der Europa-Befürworter durch nationale Interessen konterkariert wurden, weil die Diskussion um die Verfassung immer noch nicht abgeschlossen wird.

Pat Cox stehe dafür, dass weder Klein und Groß noch Neu und Alt Gegensätze seien, hatte Linden den Preisträger gewürdigt. Und der sagt mit Nachdruck, dass die Staatschefs jetzt auch dafür sorgen müssten, dass die Lücke zwischen nationalen und europäischen Interessen geschlossen wird.

Bereits am Tag vor der Karlspreisverleihung wird Pat Cox am 19. Mai mit seiner Familie in Aachen eintreffen.

Vorgesehen ist unter anderem der mittlerweile schon traditionelle Besuch der Hochschule. Dort will der Parlamentspräsident mit Studenten über den Prozess der europäischen Einigung diskutieren.