Städteregion: Demografie-Forum: Was Familien in der Städteregion wollen

Städteregion: Demografie-Forum: Was Familien in der Städteregion wollen

Hat Baesweiler in punkto Familienfreundlichkeit tatsächlich die Nase vorn? Nimmt man die Zahlen der Befragung von 2700 Familien aus der Städteregion zum Maßstab, ist das wohl so.

Denn in allen Kommunen vermissen Familien zum Beispiel die Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse bei der Stadtplanung ebenso wie Informationen über Freizeitangebote. Außer in Baesweiler.

So schön eindeutig waren aber nicht alle Fakten, die das Bochumer Institut Faktor Familie im Auftrag des Amtes für Kultur und empirische Forschung der Städteregion zusammengetragen hatte. Der Grund, warum das zweite Demografieforum „Familien im Fokus” sieht, liegt auf der Hand: Es ist der demografische Wandel, der den Blick wieder verstärkt auf die Familien und deren Bindung zu Region und Kommunen richtet. Das sieht auch Städteregionsrat Helmut Etschenberg so: „Bezahlbarer Wohnraum, gute Betreuungsmöglichkeiten, spannende Freizeitangebote, all das macht die Attraktivität einer Region aus.” Womit die Frage nach der Familienfreundlichkeit heute regelrecht zum Standortfaktor werde.

Dass mehr als die Hälfte der Familien ihre Stadt oder Gemeinde familienfreundlich finden, ist ein Ergebnis, das Etschenberg natürlich freut. Allerdings gilt es auch, rund ein Drittel noch davon zu überzeugen. „Wir sind zwar schon viele kleine Schritte gegangen” ,sagte Etschenberg, „aber wir wollen die Zusammenarbeit mit Bürgern und Ehrenamtlern ausbauen.” Fakt ist: Die Zahl der Familien sinkt. So sei die Zahl der Familien in den Eifelkommunen Monschau und Simmerath am stärksten rückläufig. „Umso mehr müssen wir Rahmenbedingungen und Unterstützungsangebote schaffen”, erläuterte Antje Rüter vom Amt für Kultur und empirische Forschung den Wandel der Familienlandschaft. Familien mit einem Kind sind heute die Regel, überhaupt findet man Kinder nur noch in jedem dritten Haushalt in der Region. Und je städtischer das Umfeld ist, desto seltener werden Familienhaushalte. Die Familie sei zwar die kleinste gesellschaftliche Einheit, aber die mit dem größten Potenzial. Und deshalb auch eine „begehrte Zielgruppe”.

Und die hat Annika Lisakowski von Faktor Familie eingehend befragt. Immerhin, so verrät das Zahlenwerk, sind in der Städteregion noch 80 Prozent der Eltern verheiratet, der Rest ist alleinerziehend. In Monschau und Stolberg leben die Familien mit den meisten Kindern, in Alsdorf und Baesweiler gibt es dafür mehr Haushalte, in denen mehrere Generationen unter einem Dach leben, zudem auch die meisten Haushalte mit Migrationshintergrund. Das Haushaltsnettoeinkommen ist dort mit 750 Euro pro Monat aber auch deutlich geringer als in Roetgen, Simmerath und Würselen.

Reicht das Geld überhaupt? Für Lebensmittel und Spielzeug ja, aber nicht für Kultur, Urlaub oder Nachhilfe. Und Alleinerziehende müssen dreimal so häufig wie andere Familien die Tafeln und Tische der Region in Anspruch nehmen. Da reicht das Geld hinten und vorne nicht.

Als Mangel empfinden Familien in der Städteregion auch die wenigen Freizeitangebote, die zu hohe Verkehrsbelastung, das geringe Angebot an Treffpunkten für ältere Kinder und Jugendliche. Pluspunkte gibt es aber auch: 84 Prozent sind zufrieden mit ihrer Wohnung, 74 Prozent mit ihrem Wohnumfeld. Jeder zweite findet seine Kommune kinderfreundlich, und Familien in Monschau, Roetgen und Simmerath freuen sich vor allem über das attraktive Vereinsleben.

Doch es wurden nicht nur reine Fakten transportiert. Die rund 90 Fachteilnehmer konnten ihre Einschätzungen zu Familienformen und Themen wie „Erwerbtätigkeit” und „Vereinbarkeit” und „familienbezogenen Angebote” zusätzlich in Workshops vertiefen. Hier konnten Methoden und Strategien zur Stärkung von Familien und zur Schaffung familienfreundlicher Rahmenbedingungen unter Federführung von Experten aus der Familienpolitik praxisnah diskutiert und formuliert werden. Das Fazit aus den Workshops brachte Amtsleiterin Dr. Nina Mika-Helfmeier am Ende der Veranstaltung auf den Punkt: „Familien wünschen sich deutlich mehr Netzwerkarbeit, und das über alle Generationen hinweg.”