Hückelhoven/ Mönchengladbach: Das Opfer hat immer noch Angstzustände

Hückelhoven/ Mönchengladbach: Das Opfer hat immer noch Angstzustände

Im Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Räuber, die im September vorigen Jahres die Ratheimer Spielhalle „Jolly Joker” überfallen und dabei die diensthabende Mitarbeiterin schwer verletzt hatten, kamen am Freitag Zeugen zu Wort.

Die Mutter des Angeklagten Alexander Z. und ein Bekannter, der allem Anschein nach die Spielhalle zuvor ausgekundschaftet hatte, machten von ihrem Recht auf Zeugnisverweigerung Gebrauch.

Das Opfer des Überfalls, die auch als Nebenklägerin auftretende 46-jährige Wassenbergerin Andrea U., schilderte den Tathergang, soweit sie sich daran erinnern konnte. Nach dem ersten Schlag auf den Hinterkopf habe sie alles nur noch verschwommen wahrgenommen.

Nachdem die beiden Täter die Spielhalle verlassen hatten, hatte sie zuerst ihre Kollegin Karin F. und dann die Polizei angerufen. Seit dem Überfall ist U. krank geschrieben und befindet sich auch in ambulanter psychologischer Behandlung. Sie gab an, wochenlang das Haus nicht mehr verlassen zu haben, weil sie sich nicht mehr sicher fühle. In der Spielhalle werde sie nicht mehr arbeiten, weil sie zu viel Angst habe.

Ihre Kollegin F., die zuerst am Tatort war, beschrieb diesen als ein Bild des Grauens”. Selbst die Decke sei voller Blutspritzer gewesen. Darüber hinaus gab sie an, dass sie am Vortag selbst Dienst im „Jolly Joker” hatte und dabei die beiden Angeklagten gesehen habe. Sie erinnerte sich, dass Kevin S. etwas aus der Tasche gefallen sei, was ein dumpfes metallisches Geräusch gemacht habe. S. habe den Gegenstand schnell wieder in seiner Tasche verstaut. Auch F. ist seit dem Überfall krankgeschrieben und leidet nach eigenen Angaben unter Albträumen.

Die beiden Angeklagten schoben sich indes den schwarzen Peter gegenseitig zu. Kevin S. erklärte, beide hätten die Tat gemeinsam geplant. Noch am Montag hatte er behauptet, spontan gehandelt zu haben und von Z. die Tatwaffe zugesteckt bekommen zu haben. Alexander Z. habe ihm ein Zeichen gegeben, dass er zuschlagen solle, was er aber nicht getan habe. Erst beim zweiten Mal, nachdem ihn sein Kumpan laut aufgefordert habe, zuzuschlagen, habe er dies auch „im Affekt” getan.

Alexander Z. stellte den Hergang ganz anders dar. Die angebliche Ankündigung von S., die Spielhalle zu überfallen und die Aufsichtskraft „umzuhauen”, habe er nicht ernst genommen. Von der Brechstange habe er nichts gewusst und die Spielhalle nur betreten, um zu spielen. Der Angriff seines Freundes auf das Opfer habe ihn „geschockt”. Er habe nicht gewusst, was er tun solle. Später habe er allein ein Taxi nach Hückelhoven genommen.

Ob die beiden zusammen mit dem Taxi nach Hückelhoven gefahren sind, konnte nicht eindeutig geklärt werden. Ein Zeuge, der aussagte, dass Kevin S. gemeinsam mit einem anderen jungen Mann das Taxi bestiegen habe, war sich nicht sicher, ob es sich dabei um Z. gehandelt habe. Auch der Taxifahrer, der wenig später ausfindig gemacht werden konnte, konnte nicht eindeutig bestätigen, dass Z. gemeinsam mit S. die Fahrt unternommen habe. Dies sagte der Kriminalbeamte aus, der die Vernehmung der beiden Tatverdächtigen durchgeführt hatte.

Wenige Tage nach der Tat hatte sich Z. freiwillig der Polizei gestellt. S. wurde am darauf folgenden Wochenende in der Wohnung von Freunden festgenommen. Die Freunde, die ebenfalls von Richter Lothar Beckers befragt wurden, gaben an, Kevin S. habe geäußert habe, „Scheiße gebaut” zu haben. Mit der Tat hätten sie ihn aber bis zu seiner Festnahme nicht in Verbindung gebracht.

Die Verhandlung wird am 14. März fortgesetzt.

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