Dank Schülerlotsen gibt es im Kreis Düren keine Unfälle

Verkehrshelfer : Dank Schülerlotsen gibt es keine Unfälle

Es ist wenige Grad kalt und noch dunkel, wenn Wolfgang Schönfeld jeden Morgen eine knappe Dreiviertelstunde in Vettweiß an der Straße steht. Der Arbeitsplatz des Frührentners: der Fußgängerüberweg an der Gereonstraße. Seine Kundschaft: die Kindergartenkinder und Grundschüler der Gemeinde.

Wolfgang Schönfeld ist ehrenamtlicher Verkehrshelfer. Salopp würde man von einem Schülerlotsen sprechen, aber das trifft es nicht ganz: „Ich helfe schließlich jedem über die Straße“, betont der 65-Jährige.

Acht Schüler engagieren sich

Helfer wie Schönfeld gibt es im südlichen Kreisgebiet 113 – davon sind acht Schüler. Einzig die Europaschule in Langerwehe hat 12- bis 14-jährige Verkehrshelfer. Vor rund sechs Jahren seien es mal mehr Schüler als Erwachsene gewesen, weiß Norbert Eskens zu berichten. Er ist Vorsitzender der Verkehrswacht Düren und erinnert sich genau, weil die Schüler als Dankeschön für ihre Mühe am Ende des Jahres ins Kino eingeladen werden. Eskens hatte dafür mal zwei Busse organisieren müssen, mittlerweile reichen zwei Autos.

So wie die Bereitschaft der Schüler zurückgegangen ist, schwankt aber auch das Engagement der Erwachsenen. Eskens kennt das: Bei Versammlungen zu Schuljahresbeginn fragen einige Schulen nach, welche Eltern bereit wären zu helfen. „Da gehen immer viele Finger hoch, aber dann machen es doch nicht viele“, sagt Eskens. So sei das auch in Vettweiß gewesen, weiß Bürgermeister Joachim Kunth (CDU) zu berichten, dessen Sohn in die erste Klasse geht. Kunth ist der einzige Kollege von Wolfgang Schönfeld. Da sich außer den beiden kein Freiwilliger finden ließ, wechseln sich die Herren wöchentlich ab. „Ein Bekannter ist Verkehrshelfer in Kelz, der hat nur einen Tag im Monat Dienst“, weist Kunth auf das große Engagement im Nachbarort hin. Viele Ehrenamtliche sichern auch die Schulwege in Jakobwüllesheim und Arnoldsweiler, berichtet Norbert Eskens von der Verkehrswacht. Weitere Helfer stehen an den Straßen in Winden, Merken, Hoven und Stockheim. „Aber das ist immer im Fluss – manchmal werden Eltern initiativ, dann kommt eine Gruppe dazu, andere brechen weg“, weiß Eskens.

Norbert Eskens ist erster Vorsitzender der Verkehrswacht Düren. Foto: ZVA/Anne Welkener

Er war früher bei der Polizei tätig und erinnert sich noch, dass es zu Beginn seiner Laufbahn deutlich mehr Schulwegunfälle gegeben hat. Dem sei heute nicht mehr so, sagt Ralf Broichgans. Er ist bei der Kreispolizeibehörde in Düren für Verkehrssicherheit zuständig. Den Rückgang führt Broichgans auch auf die Verkehrsführung zurück. Die sei – auch wenn man manchmal daran zweifle – intelligenter als früher. „Straßenbaulich ist viel in Bewegung und auch Autos registrieren mittlerweile teils eigenständig Hindernisse.“ Das schwächste Glied in der Kette bleibe aber gleich: das Kind.

Umso wichtiger ist für Polizist Broichgans die Präsenz von Verkehrshelfern: „Da ist für uns die Zahl Null maßgeblich: Überall da, wo Verkehrshelfer im Einsatz sind, gibt es keine Verkehrsunfälle mit Kindern mehr.“ Die Lotsen seien ein adäquates und vielfach unterschätztes Mittel, ist die Überzeugung des Fachmanns.

Daher lautet auch der Appell des Verkehrswacht-Vorsitzenden: „Wer nach Sicherheit für Schulkinder schreit, der soll sich erst mal an die eigene Nase fassen und sich fragen, was er selbst tun kann.“

Der Landeswettbewerb der Schülerlotsen findet in diesem Jahr in Düren statt. Die jungen Verkehrshelfer treten am 3. Juli gegeneinander an.