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Sommerferien in der Pandemie: Wie Urlaub in Europa trotz Corona möglich ist

Sommerferien in der Pandemie : Wie Urlaub in Europa trotz Corona möglich ist

Einige Bundesländer sind schon in den Sommerferien, andere folgen in den nächsten Tagen und Wochen. In der Corona-Pandemie nimmt die Zahl möglicher Reiseziele in Europa wieder zu. Doch Urlauber sollten weiterhin vorsichtig sein.

Ferienzeit, Urlaubszeit! Während in der Corona-Pandemie wegen Einreisebeschränkungen und Reisewarnungen viele außereuropäische Reiseziele wegfallen, ist Urlaub vor allem in Europa wieder möglich: Bis Ende August hatte das Auswärtige Amt (AA) Ende Juni seine weltweite Reisewarnung verlängert - für den Großteil der europäischen Länder die verhängten Reisewarnungen aber wieder aufgehoben. Vor Reisen nach Schweden, Norwegen und Finnland etwa wird derzeit noch offiziell gewarnt, von Reisen nach beispielsweise Großbritannien abgeraten. In anderen Ländern Europas kann es in diesem Sommer weiterhin zu Einschränkungen kommen.

BELGIEN: Das Königreich steht Touristen aus Deutschland offen. Quarantäneregeln gelten für deutsche Urlauber nicht - im Alltag gibt es aber grundlegende Hygienebestimmungen wie das Abstandsgebot. Im öffentlichen Nahverkehr muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Restaurants, Cafés, Hotels und auch Museen sind mittlerweile wieder geöffnet. An den Nordseeküsten gelten zum Teil zusätzliche Regeln: Für Strandbesuche an bestimmten Abschnitten wie in dem beliebten Oostende müssen Urlauber und Einheimische sich anmelden. Die Infektionszahlen in dem Elf-Millionen-Einwohner-Land sind schon seit Wochen niedrig.

DÄNEMARK: Nachdem die Dänen als eines der ersten Länder Europas am 14. März ihre Grenzen für Ausländer ohne konkreten Einreisegrund dichtgemacht hatten, können deutsche Reisende mittlerweile wieder einreisen. Einzige Bedingung: Sie müssen sechs Übernachtungen im Land gebucht haben. Ausnahmen davon gelten etwa für Deutsche, die ein dänisches Sommerhaus besitzen, ihre Partner im Land besuchen wollen oder Einwohner Schleswig-Holsteins sind. In Dänemark ist die Infektionslage derweil sehr positiv, die Zahl der Neuinfektionen gering. Restaurants, Cafés und Geschäfte sind seit Mai wieder offen, eine Maskenpflicht besteht nicht.

FINNLAND - REISEWARNUNG GILT NOCH: Das Land im hohen Norden hat sich vor knapp einem Monat für Reisende aus dem Baltikum und dem Großteil Skandinaviens mit der Ausnahme von Schweden geöffnet. Für mehrere weitere Länder fallen die Reisebeschränkungen zum 13. Juli weg - darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz. Entscheidend für die Finnen ist, dass in den entsprechenden Ländern innerhalb einer Zwei-Wochen-Periode weniger als acht neue Corona-Fälle pro 100.000 Einwohner verzeichnet worden sind.

FRANKREICH: Reisende aus Deutschland können ohne Probleme nach Frankreich einreisen. Eine Quarantäne oder spezielle Unterlagen sind nicht notwendig. Die Situation im ganzen Land ist zur Zeit recht entspannt - die Zahl der Neuinfektionen konstant. In öffentlichen Verkehrsmitteln gilt Maskenpflicht. Läden und andere Einrichtungen entscheiden selbst, ob eine Maske getragen werden muss. In Paris haben Museen und Sehenswürdigkeiten wieder geöffnet - Tickets müssen in der Regel vorher online gebucht werden. Die Strände im Land sind wieder geöffnet. Viele Restaurants etwa in Paris haben ihre Terrassen vergrößert, damit die Menschen genug Abstand halten können.

GRIECHENLAND: Reisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie den meisten EU-Staaten können frei in Griechenland einreisen. Alle müssen sich aber mindestens 48 Stunden vor der Ankunft elektronisch anmelden und angeben, wo sie vorher waren und wo sie sich in Griechenland aufhalten werden. Ein Algorithmus errechnet dann, ob und welche Reisende nach ihrer Ankunft einen Corona-Test machen müssen. Wer positiv getestet wird, muss 14 Tage in eigens eingerichtete Isolier-Unterkünfte in Hotels gehen. Die Kosten übernimmt Griechenland. Das Land hat - verglichen mit anderen Staaten Europas - weiterhin eine sehr niedrige Infektionsrate. Maskenpflicht gilt in allen öffentlichen Verkehrsmitteln und Krankenhäusern. Zudem wird überall geraten, einen Abstand von mindestens 1,5 Metern von anderen Menschen zu halten.

GROßBRITANNIEN: Zum Sommerurlaub hat England seine wegen der Corona-Pandemie getroffenen Quarantäne-Vorschriften für Einreisende gelockert. Besucher unter anderem aus Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien müssen sich von Freitag (10. Juli) an bei ihrer Ankunft nicht mehr für 14 Tage isolieren. Die neue Regelung gilt für insgesamt mehr als 70 Länder und Überseegebiete, die nach Auffassung der britischen Regierung die Corona-Krise im Griff haben. Große Vorsicht ist beim Urlaub dennoch angebracht: Großbritannien hat die meisten Covid-19-Todesfälle in Europa und jeder Landesteil seine eigenen Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie.

ITALIEN: Reisende aus der EU oder aus dem Schengenraum dürfen ohne Beschränkungen nach Italien einreisen. Sie müssen – anders als Besucher aus Nicht-EU-Ländern - auch nicht in Quarantäne. Innerhalb des Landes darf man sich ungehindert fortbewegen. Die Infektionszahlen waren zuletzt leicht angestiegen, was neue Unruhe ausgelöst hatte. Allerdings beschränkt sich das auf lokale, kleinere Brandherde. In Geschäften, in Zügen oder in anderen geschlossenen Räumen gilt Maskenpflicht. An Stränden müssen Distanzregeln eingehalten werden – was teils aber nicht richtig gelingt.

ISLAND: Die stark vom Tourismus abhängige Insel im Nordatlantik gibt Urlaubern seit Mitte Juni die Möglichkeit, sich direkt bei der Einreise auf Corona testen zu lassen. Damit will die isländische Regierung internationalen Touristen eine Alternative zur seit April vorgeschriebenen 14-tägigen Quarantäne nach der Ankunft geben, ohne dass die beinahe auf Null gesunkenen Corona-Zahlen wieder ansteigen. Im Land steht einem Urlaub zwischen Gletschern und Geysiren dann nichts mehr im Weg: Restaurants und Hotels sind offen, Masken nicht vorgeschrieben. Auch das Abstandhalten dürfte auf der Insel leichter fallen als anderswo: Island hat nur 360 000 Einwohner, dafür aber fast die Fläche von einem Drittel Deutschlands.

NORWEGEN - REISEWARNUNG GILT NOCH: Norwegen will ab dem 15. Juli wieder Menschen aus dem Europäischen Wirtschafts- und dem Schengenraum die Einreise erlauben, sofern dies die Corona-Zahlen des jeweiligen Landes erlauben. Die norwegische Gesundheitsbehörde soll bis dahin eine entsprechende Liste mit Ländern und Regionen ausarbeiten. Da die deutschen Zahlen stabil niedrig sind, dürfte Bundesbürgern der Weg zum norwegischen Fjord bald voraussichtlich quarantänefrei offenstehen. Ganz sicher ist das allerdings noch nicht - weshalb die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes derzeit noch weiter besteht.

ÖSTERREICH: Wer aus dem Kreis Gütersloh stammt, muss mit Kontrollen im Grenzraum rechnen und sollte einen negativen Coronatest vorweisen können. Ansonsten haben Deutsche freie Fahrt nach und durch Österreich. Intensive Grenzkontrollen haben die Behörden für alle Reisenden angekündigt, die aus Ungarn oder Slowenien kommen. Das ist die Folge der Reisewarnungen Österreichs für die sechs Westbalkan-Staaten sowie für Rumänien und Bulgarien. In den meisten Urlaubsregionen Österreichs gibt es kaum mehr coronabedingte Beschränkungen. Auf Mindestabstand nicht zuletzt beim Baden und Wandern muss aber geachtet werden. In einigen Orten Kärntens gilt von Freitag an abends eine Maskenpflicht. Einziges Bundesland mit genereller Maskenpflicht im öffentlichen Raum ist Oberösterreich. Insgesamt ist die Corona-Lage unter Kontrolle, die Gesamtzahl der akuten Infektionsfälle liegt bei rund 1100.

SCHWEDEN - REISEWARNUNG GILT NOCH: Die Schweden haben trotz insgesamt sinkender Todes- und Infektionszahlen noch vergleichsweise hohe Corona-Werte zu verkraften. Dies sorgt unter anderem dafür, dass sie innerhalb Skandinaviens und Europas nicht so freizügig reisen können wie gewohnt. Die schwedischen Grenzen sind für EU-Bürger dagegen offen - die Anreise per Flugzeug, Fähre oder Auto über die Öresundbrücke ist möglich, und auch innerhalb des Landes gibt es keine Beschränkungen. Die deutsche Reisewarnung besteht aber weiter, weil „Schweden die Neuinfiziertenzahl von weniger als 50 Fällen pro 100.000 Einwohner kumulativ in den letzten 7 Tagen überschreitet“, heißt es beim AA.

SCHWEIZ: Die Einreise in die Schweiz ist aus allen Schengenstaaten mit Ausnahme Schwedens problemlos möglich. Doch Vielreiser aufgepasst: In Quarantäne müssen Einreisende, die in den zwei Wochen zuvor in Schweden oder einem anderen von aktuell 29 als riskant eingestuften Ländern waren - darunter etwa Serbien, die USA, Russland, Israel oder Südafrika. Ein Mund-Nasen-Schutz ist in öffentlichen Verkehrsmitteln und Seilbahnen vorgeschrieben, seitdem die Neuinfektionen seit Ende Juni tageweise auf mehr als 100 neue Fälle gestiegen waren. In Hotels, Restaurants oder Museen gelten weiterhin Abstands- und Hygieneregeln. Besonderheit für Partygänger: Anders als in den meisten anderen europäischen Ländern darf auch in Clubs derzeit wieder getanzt werden.

TÜRKEI - REISEWARNUNG GILT NOCH: Für die Türkei als Nicht-EU-Staat gilt die Reisewarnung des AA bis zum 31. August. Das Land hofft, dass diese bald aufgehoben wird. Das drittbeliebteste Urlaubsland der Deutschen wird derzeit aber als Corona-Risikogebiet eingestuft, die Aufhebung der Reisewarnung ist damit unwahrscheinlich. Menschen, die aus einem Risikogebiet in Deutschland einreisen, müssen mit einer 14-tägigen Quarantäne rechnen. Allerdings können Urlauber aus der Türkei von der Quarantäneregelung befreit werden, wenn sie bei der Einreise nach Deutschland einen negativen Corona-Test vorweisen können, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Nach der Einreise aus Deutschland in die Türkei gibt es keine Quarantänepflicht mehr. Am Flughafen wird aber die Temperatur gemessen. Bei Symptomen kann ein Corona-Test durchgeführt werden - das türkische Gesundheitsministerium entscheidet dann über das weitere Vorgehen. An den Stränden gilt ein Sicherheitsabstand, am Pool gibt es nur abgepackte Handtücher, in Flughäfen und Hotels werden Wärmebildkameras eingesetzt. Die Regierung hat ein Zertifikationsprogramm für Gastronomen und Hotels entwickelt. Auch deutsche Firmen stellen Inspektoren.

ZYPERN: Die Insel meldet seit der Öffnung ihres Tourismus wenige Corona-Infektionen von Reisenden oder Einheimischen. Wer nach Zypern reist, muss sich vor dem Antritt elektronisch anmelden. Wird ein Mensch positiv getestet, muss er 14 Tage lang in eigens eingerichtete Isolier-Unterkünfte in Hotels. Die Kosten übernimmt Zypern. Eine Maskenpflicht gilt für alle öffentlichen Verkehrsmittel und Krankenhäuser. Die Urlaubsinsel hat verglichen mit anderen Staaten Europas eine sehr niedrige Infektionsrate.

(dpa)