Abgesagt: Corona verhindert Schuluntersuchung

Abgesagt : Corona verhindert Schuluntersuchung

Die Einschulungsuntersuchung steht normalerweise in jedem Jahr vor dem Start der Schulneulinge in ihren neuen Lebensabschnitt. Doch in diesem Jahr entfällt der obligatorische Termin für i-Dötze wegen Überlastung. Lehrer und Erzieher sollen die Kinder daher verstärkt im Blick halten.

2400 Vorschulkinder im Kreis Heinsberg fiebern ihrer Einschulung entgegen, dem besonderen Tag, an dem sie zu den „Großen“ gehören werden und mit ihrer Schultüte gemeinsam mit den stolzen Eltern zum ersten Mal das Klassenzimmer betreten.

Vor der eigentlichen Einschulung steht bei den künftigen i-Dötzchen jedoch ein anderer, weniger spektakulärer, dennoch ebenso wichtiger Termin im Kalender: die Einschulungsuntersuchung. 

Schulreif oder nicht, diese Frage soll dabei beantwortet werden. Ein Kind, das bereit für die Schule ist, sollte in den Entwicklungsbereichen der psychosozialen und emotionalen, der sprachlichen, motorischen und intellektuellen Entwicklung gewisse Fähigkeiten aufweisen. Die Untersuchung dient der Feststellung, ob ein Kind besondere Unterstützung oder Förderung braucht.

Überlastung 

Alle Kinder eines Jahrganges werden normalerweise vor Schuleintritt von Ärzten des Gesundheitsamtes untersucht. Normalerweise, denn aktuell ist dies aufgrund der Corona-Situation und der Überlastung der Gesundheitsämter bei der Pandemiebekämpfung in vielen Kreisen nicht möglich.

Auch im Kreis Heinsberg wurden die Untersuchungen für die Kinder, die im August eingeschult werden, abgesagt. Bereits im vergangenen Jahr musste im Kreis ein Großteil der Untersuchungen für die damaligen i-Dötzchen entfallen, für dieses Jahr und die Schulanfänger des Jahres 2021 wurden die Untersuchungen, die von Januar bis Juni stattgefunden hätten, bereits im Dezember abgesagt. Auffällige Kinder, bei denen bereits im Kindergarten ein Förderbedarf festgestellt worden sei, der durch die Einrichtungen an das Gesundheitsamt übermittelt wurde, seien dennoch untersucht worden, heißt es aus dem Kreishaus.

Auf Auffälligkeiten achten

Ob für die übrigen Kinder eine Schuleingangsuntersuchung im Nachgang stattfinden wird, sei noch nicht entschieden, sagt Kreissprecherin Jennifer Grünter. „Die Grundschulen wurden gebeten, bei den Schulneulingen auf Auffälligkeiten zu achten“, so Grünter. Es sei wichtig, in dieser besonderen Zeit Hand in Hand zu arbeiten. „Keinem Kind wird durch die ausgefallene Schuleingangsuntersuchung ein Nachteil entstehen, denn es sind die Lehrkräfte an den Schulen, die die Kinder täglich sehen und den Förderbedarf ebenfalls erkennen können. Eltern brauchen sich keine Sorgen zu machen“, sagt Grünter.

Die Untersuchung im Gesundheitsamt besteht aus einem Seh- und Hörtest, sowie der Beurteilung des Zahlen- und Mengenverständnisses und der Überprüfung der fein- und grobmotorischen Fähigkeiten, einer Sprachuntersuchung und einer körperlichen Untersuchung zur Beurteilung der allgemeinen Entwicklung.

Den Ausfall der Schuleingangsuntersuchung dürfe man nicht überbewerten, sagt auch Monika Rosenstein, Leiterin des Familienzentrums St. Leonhard in Hilfarth. „Die Untersuchung ist zwar wichtig und richtig, weil sich daraus eine Empfehlung ergibt, was eventuell noch geleistet werden muss, um dem Kind einen erfolgreichen Start in der Schule zu ermöglichen. Doch diese Untersuchung stellt im Grunde auch nur eine Momentaufnahme dar, in der das Kind nervös oder lustlos sein kann. In den Kindergärten sehen die Erzieher die Kinder jeden Tag und haben die Gesamtentwicklung im Blick. Wenn etwas auffällig ist, dann behalten die Erzieher das tagtäglich im Auge“, sagt Rosenstein.

 Schon Monate vor der Schuleingangsuntersuchung prüfe der Kindergarten zudem, ob die Vorschulkinder schulfähig sind oder ob Förderbedarf besteht, und übermittle dies an die Eltern und das Gesundheitsamt. Die Einschätzung des Kindergartens sei zudem relevant bei der Schulanmeldung. „Dass die Schuleingangsuntersuchung ausfällt ist nicht optimal, insbesondere im Hinblick auf die medizinische Seite, doch wenn sonderpädagogischer Bedarf besteht, dann haben die Erzieherinnen im Kindergarten das in der Regel schon festgestellt“, macht Rosenstein deutlich.

Bei Kindern, die den Kindergarten besuchen, macht sich Astrid Tjardes, Vorstandsmitglied in der Gewerkschaft Bildung und Erziehung im Kreis Heinsberg, weniger Sorgen um die ausgefallene Untersuchung. „Bei diesen gibt es tatsächlich gute und verlässliche Rückmeldungen aus dem Kindergarten“, sagt sie.

Dennoch gebe es einige – wenn auch wenige – Kinder, die nicht zum Kindergarten gehen. „Bei diesen werden leider erst die Lehrer zu einem späteren Zeitpunkt feststellen, ob ein Förderbedarf besteht“, sagt sie. Dennoch möchte sie den Gesundheitsämtern an dieser Stelle keinen Vorwurf machen. „Dort wird am Anschlag gearbeitet, um die Pandemie einzudämmen. Besondere Jahre erfordern besondere Herangehensweisen. Natürlich wäre es schön für die Lehrer der Grundschulen, wenn sie schon zuvor wüssten, worauf sie bei einem Kind mit Förderbedarf besonders eingehen müssen. Aber auch das werden sie schnell im täglichen Umgang herausfinden“, sagt Tjarde und betont: „Tatsächlich ist die Untersuchung nur eine Momentaufnahme, die Kindergärten setzen vielmehr den Rahmen für den Förderbedarf als die Untersuchung. Deshalb sollte man den Ausfall nicht dramatisieren.“ Zudem lobt sie, dass mit den Bitten der Eltern, die für ihre Kinder eine Rückstellung um ein Jahr wünschen, großzügig umgegangen worden sei.