Rom: Ciampi: Der Karlspreis ist ein großer Ansporn

Rom : Ciampi: Der Karlspreis ist ein großer Ansporn

„Ich betrachte Ihre Entscheidung als Ansporn, in der Vision von di Monnet, De Gasperi, Schuman, Adenauer, Spaak fortzufahren.”

So bekundete der italienische Staatspräsident Carlo d Azeglio Ciampi seine große Freude über den Karlspreis.

Es geht um den Aufbau eines Europas, das vor allen anderen Belangen vereint ist, und daher in Frieden und Wohlstand leben kann, solidarisch ist im Verschmähen von Nationalismen und sich als beharrlicher Verfechter der Demokratie, der Menschenwürde und der Solidarität versteht”.

Am Freitag wurde Ciampi die Auszeichnung im pompösen Quirinalspalast in Rom, einst auch Sitz der Päpste, von einer Aachener Delegation unter der Führung von OB Dr. Jürgen Linden offiziell angetragen.

Ciampi, ordentlicher Preisträger „Nummer 46”, hebt bei der Audienz den Kopf vom Manuskript und wiederholt mit Nachdruck: „Für mich ist die Verleihung des Karlspreises eine Bestätigung dafür, dass es sich lohnt, auf dem Weg der europäischen Einheit weiterzugehen. Ich bin fest überzeugt von der Gültigkeit der europäischen Einheit”.

Vor der offiziellen Zeremonie in der „Anticamera”, dem Vorraum zum Schreibzimmer des Präsidenten, haben die Aachener Einlass in das Büro des Präsidenten, gefunden. Dort wird Ciampi mit Hilfe eines Übersetzers erklärt, wie sich die Verleihung am 5. Mai in Aachen abspielt.

Lächelnd lauscht er den Ausführungen von Linden und von Professor Dr. Walter Eversheim, Sprecher des Karlspreis-Direktoriums. Ciampi spricht den Gästen seinen Dank aus. Die Delegation kehrt mit Ciampi zurück in die „Anticamera”.

Das Umfeld: Goldene Wandbespannung, vornehme Stühle mit Kordel-Überspannung, die anzeigt, das man sich nicht setzen darf, ein kostbarer Wandteppich aus dem 17. Jahrhundert, der eine Szene aus „Don Quichote” darstellt.

Ciampi erinnert daran, dass er vor drei Jahren schon einmal in der Stadt von Kaiser Karl zu Gast war, um die Laudatio für die Verleihung des Karlspreises an den Euro zu halten.

„Die einheitliche Währung ist bisher der am weitesten fortgeschrittene Punkt, den die europäische Einigung erreicht hat”, sagt er. Dass der EU durch den Euro gegebene Potenzial müsse erst noch voll zum Ausdruck kommen.

Er hoffe auch, die am 29. Oktober in Rom unterzeichnete Europa-Verfassung möge schnell in Kraft gesetzt werden. Linden würdigt die Mittlerrolle Ciampis für die europäische Einheit.

Linden zeigt sich am Ende hoch zufrieden: „Der Präsident freut sich sehr, glaube ich. Er kennt den Karlspreis, kennt unsere Stadt, und er ist ein begeisterter Europäer. Er hat einen wesentlichen Beitrag zur europäischen Verfassung geleistet wie auch zur Verständigung”, so Linden.

Ob die Auszeichnung Ciampis sozusagen als Antwort zum umstrittenen Ministerpräsidenten Berlusconi verliehen werde, wird gefragt. „Oh nein”, meint der OB. Es habe keine Hintergedanken dieser Art gegeben.

Und Eversheim fügt hinzu: „Wir sehen in Ciampi einen vorbildlichen Europäer, der in seinem an Erfahrungen reichen Leben einen wichtigen Beitrag zur Einheit Europas nicht nur im wirtschaftlichen und politischen Sinn geleistet hat.”