Christian Lindner will Linda Teuteberg gegen Volker Wissing tauschen

Kommentar zum Führungswechsel bei der FDP : Gescheiterte Liberale

Christian Lindner hat die Reißleine gezogen. In den Umfragen tritt die FDP auf der Stelle, sie droht sogar, im Bund unter die Fünf-Prozent-Hürde zu fallen.

Die Kritik am Parteichef ist unüberhörbar – deswegen versucht der Oberliberale jetzt durch eine personelle Neuaufstellung wieder in die Offensive zu kommen. Mit Volker Wissing und Harald Christ soll klar das wirtschaftspolitische Profil gestärkt werden, die DNA der FDP. Und Wissing ist einer, der durchaus neben Lindner parieren und attackieren kann, nicht nur hinter ihm. Er hat viel Erfahrung. Dass die bisherige One-Man-Show der Liberalen längst nicht mehr trägt und verfängt, weiß Lindner ja inzwischen selbst.

Die Begründung, warum Linda Teuteberg als Generalsekretärin geschasst wird, ist freilich alles andere als schmeichelhaft. Die Lage im Land habe sich verändert, damit auch die Themen, so der Parteichef. Teuteberg bescheinigt er indirekt, auf die veränderte Ausgangslage keine hinreichende Strategie gehabt zu haben. Noch bitterer für die Brandenburgerin ist der Hinweis Lindners, er brauche Hilfe und Unterstützung. Auch dahinter kann man den Vorwurf der Unfähigkeit vermuten. Zur Erinnerung: Im letzten Jahr wurde Teuteberg mit fast 93 Prozent gewählt, Lindner sah in ihr eine Hoffnungsträgerin, um die Liberalen breiter und vielfältiger aufzustellen. Das Unterfangen ist gescheitert. Und damit nicht nur Teuteberg, sondern auch Lindner selbst.

Ob der Vorsitzende sich mit der Art und Weise, wie er seine Generälin nun vom Hof jagt, einen Gefallen getan hat, wird sich auf dem Parteitag im September zeigen. Eines dürfte freilich klar sein: Die Neuaufstellung muss sitzen. Denn die Liberalen haben den Anspruch, Regierungsverantwortung zu übernehmen. Erreicht Lindner diese Ziel nicht, könnte der Parteichef politisch so enden wie jetzt schon seine Generalsekretärin.