Aachen/Städteregion: Bundespolizisten droht ein „Kulturschock“

Aachen/Städteregion: Bundespolizisten droht ein „Kulturschock“

Freistehende Säulen, ein mit viel Glas gestalteter Eingangsbereich, historisch aufgearbeitete Fußböden, detailliert sanierte Außenfassade: Knut Paul kommt regelrecht ins Schwärmen, wenn er über die neue Dienststelle der Bundespolizei spricht.

„Da haben die Architekten wirklich etwas Tolles hingelegt.“ Und technisch, fügt er hinzu, sei alles auf dem neuesten Stand. Wenn man den Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion also richtig versteht, steht seinen Kollegen mit dem Umzug in das alte Hauptzollamt am Aachener Hauptbahnhof ein wahrer „Kulturschock“ bevor. Denn die Beamten haben die vergangenen achteinhalb Dienstjahre quasi um die Ecke in Containern zugebracht. Zugig ist es mitunter dort, im Winter kalt, im Sommer heiß. Keine guten Arbeitsbedingungen, mahnt nicht nur die Gewerkschaft der Polizei (GdP) seit Jahren. Doch die Tage im Langzeit-Provisorium sind nun endgültig gezählt. „Für den 11. Dezember sind die ersten Umzugswagen bestellt“, sagt Paul. „Das wird auch Zeit“, meint Michael Schaffrath, Chef der Aachener Bundespolizei-Kreisgruppe der GdP. Er ist froh über diese gute Nachricht, er erinnert aber auch daran, dass die Container einmal eine „kurzzeitige Übergangslösung“ sein sollten. Jetzt also der Umzug: „Endlich.“

Umbauten nicht abgeschlossen

Noch sind die Umbauarbeiten in und an dem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert nicht abgeschlossen. Noch verhüllt eine Plane die Fassade, die derzeit saniert wird. „Spätestens im Frühjahr nächsten Jahres ist die Plane ab, sind wir auch außen fertig“, verspricht Paul. Dann beginnt der zweite Abschnitt des Umzugs. Ziehen noch vor Weihnachten rund 70 Bundespolizisten von der Wache in das klassizistische Gebäude um, folgen dann rund 50 weitere Kollegen von der Hauptinspektion, die momentan noch in Linnich-Welz stationiert ist.

Nach langem Tauziehen um den künftigen Verwendungszweck — ganz ernsthaft wurde zwischenzeitlich darüber nachgedacht, das alte Hauptzollamt in ein Hotel umzubauen — und mehrjährigem Leerstand ging es mit dem Umbau 2010 schließlich los. Statt Hotelzimmer wurden Arrestzellen eingerichtet. Doch teuer wurde es trotzdem. „Wurde ursprünglich einmal daran gedacht, das Gebäude einfach zu renovieren, kamen wir schließlich an einer Sanierung nicht vorbei“, sagt Paul und betont, dass die Fassadensanierung für ein weiteres Jahr Verzögerung sorgte. Zwar seien dadurch die zuvor auf fünf Millionen Euro gedeckelten Kosten nicht mehr zu halten gewesen. „Doch die enorm hohe Feinstaubbelastung zeigt, dass eine Sanierung bei laufendem Betrieb zu großen Problemen geführt hätte.“

Dass nun „von außen ein Schmuckstück und innen endlich eine moderne Leitstelle mit optimalen Arbeitsbedingungen entsteht“, freut auch den Alsdorfer CDU-Bundestagsabgeordneten Helmut Brandt, der sich seit Jahren für die nun realisierte Lösung eingesetzt hatte. Zudem zeigt er sich wie Knut Paul optimistisch, dass auch die maroden Bundespolizei-Standorte an der A4 (Vetschau) und A44 (Lichtenbusch) bald der Vergangenheit angehören. Neuer und gemeinsamer Standort soll die ehemalige Autobahn-Polizeiwache in Eschweiler an der Rue de Wattrelos sein. In trockenen Tüchern sei zwar nichts, betonen beide. „Doch derzeit laufen konkrete Mietverhandlungen, die noch dieses Jahre abgeschlossen sein sollen“, sagt Paul und hofft, dass auch die anderen Beamten bald umziehen können. Datum: Sommer 2014.