Bürgermeister kapitulieren bei Rathausstürmen

Bürgermeister kapitulieren bei Rathausstürmen

<b>Heinsberg / Selfkant /Gangelt. Der Heinsberger Stadtprinz Wolfgang (Weintz) hielt Wort. Bevor er aus der Hand von Bürgermeister Josef Offergeld nach erfolgreichem Sturm auf das Rathaus den goldenen Schlüssel entgegen nahm, musste dieser zuerst einmal in den Spiegel schauen.

Der Obrigkeit während seiner Regentschaft den Spiegel vorzuhalten, hatte er schließlich bei seiner Inthronisation angekündigt.

„Wir lassen uns nicht verkaufen von einem aufgescheuchten Hühnerhaufen. Heinsberg täte sich bis auf die Knochen blamieren, würde hier ein Federvieh regieren”, hatte stellvertretender Bürgermeister Walter Geiser zuvor vergeblich versucht, die Machtergreifung von Prinz Wolfgang und Prinzessin Astrid vor großer Kulisse auf dem Rathausvorplatz zu verhindern.

Der Übermacht der Karnevalisten, die zuvor durch die Stadt gezogen waren und mit Alaaf und Helau die zahlreichen Zuschauer am Straßenrand grüßten, zeigte sich die Obrigkeit der Kreisstadt erneut unterlegen.

„Ihr könnt glauben, ich werd es sehr vermissen, nächstes Jahr wieder die weiße Fahne zu hissen und auf der Rathaustreppe die Prinzessin zu küssen”, bekannte Offergeld beim Empfang der Stadt.

„Schon zweimal elf Jahre habt ihr versucht. mich zu unterstützen, wenn es hieß, das Rathaus vor närrischen Truppen zu schützen”, blickte er zurück in seinem persönlichen närrischen Jubiläumsjahr, das wohl als Bürgermeister auch sein letztes ist.

Die Rathausstürmung im Selfkant wurde zur neuen Selfkanthalle in Höngen verlegt. Bürgermeister Herbert Corsten war dem Narrensturm nicht gewachsen.

Bei dem Charme des Süsterseeler Dreigestirns mit Jungfrau Nana, Prinzessin Sabine und Bäuerin Nicole sowie Tüdderns Prinzessin Andrea war er hin und weg. Tüdderns Prinz hatte da ein leichtes Spiel.

Für Tüdderns Kinderprinz Nils gab es vom Bürgermeister ein kleines Präsent, für die drei kleinen Süsterseeler Prinzessinnen Ammelie, Kira und Julienne als Plüschtier die Selfkantkatze (Selfi). Die beiden Präsidenten Ralf Beyers (Kleischötte Süsterseel) und Hubert Jessen (Witsemänn Tüddern) führten vor prächtiger Kulisse durch das fast dreistündige Programm.

Die Gangelter Muhrepenn mit ihrer Prinzessin Mön I. haben den Schlüssel für das Rathaus erobert. Aber auch der Kampf um den Schlüssel war alles andere als kriegerisch und hatte eher anthroposophische Einschläge.

„Gangelt muss bunter werden”, hatte sich Ortsvorsteher Gerd Schütz auf die Fahne geschrieben und mit seiner Begleitung hielt er Papier und Malstifte bereit, auf denen Mön I. und ihr Rat der Elf bunte Bilder malen mussten.

Wundert es jemanden, dass die meisten Bilder einen Schlüssel zeigten? Der Bürgermeister sei ja gar nicht (wie jedes Jahr) fahnenflüchtig, klärte Schütz die Gäste im gut besuchten Rathaus auf. „Wir haben unser Gewicht gemessen, und dabei hatte ich einen kleinen Vorsprung”, erläuterte er den Kampf um den Posten des Rathaus-Verteidigers.

Zusammen mit einer Urkunde überreichte der Ortsvorsteher den Schlüssel und wünschte den Gangeltern tolle Tage. Einige seltsame Anordnungen gab es in Möns Regierungserklärung, in der nicht nur emanzipatorisch Selbstverständliches stand, sondern auch alle aufgefordert wurden, am Aschermittwoch den Garten der Prinzessin auf Vordermann zu bringen.