Kreis Heinsberg: Bildung zwischen Kindertagesstätte und Grundschule stärken

Kreis Heinsberg: Bildung zwischen Kindertagesstätte und Grundschule stärken

250 Gäste hat die Leitung des Berufskollegs Ernährung-Sozialwesen-Technik am Berliner Ring in Geilenkirchen zu einer großen Fachtagung im Rahmen des Projektes „EASE” begrüßt. Dieses Kürzel steht für „Early Years Transition Programme”.

Das Projekt hat sich europaweit zum Ziel gesetzt, die inhaltliche Bildungskontinuität im Übergang von der Kindertagesstätte zur Grundschule zu stärken. Das Berufskolleg in Geilenkirchen ist seit Oktober 2008 eine von fünf Schulen im Bereich der EU-Geschäftsstelle der Bezirksregierung Köln, die an dem Programm teilnehmen.

Zur Fachtagung begrüßte Schulleiter Rolf-Dieter Crott gemeinsam mit Fachbereichsleiterin Anni Mispelbaum und Lehrerin Martina Meyers, die für die Organisation verantwortlich zeichnete, verschiedene Experten. An der Spitze standen Günter Waberg, Schulpsychologe aus Mülheim an der Ruhr, und Brigitte Haberda, Professorin aus Wien. „Der Schulanfang ist nicht der Beginn”, machte Günter Waberg deutlich.

Er blickte auf das „Vorher” und das „Nachher” des Übergangs zwischen Kindertagesstätte und Grundschule und beleuchtete den Aspekt, wie viel Kontinuität aus psychologischer Sicht optimal für die kindliche Entwicklung ist. Auf die Frage, was Kinder für einen guten Start in die Schule brauchen, konzentrierte sich Brigitte Haberda. „Für viele Kinder und deren Eltern kommen die plötzlich auftretenden Lernprobleme völlig überraschend, da es bis zum Schuleintritt keinerlei Auffälligkeiten gegeben hat”, berichtete sie.

Eine Ursache könne sein, dass Kinder heutzutage immer mehr wüssten, aber immer weniger könnten. „Sie haben Probleme, das Gleichgewicht zu halten, zeigen Entwicklungspotenzial im visuellen Bereich, beim Hören und bei der Hand-Augen-Koordination.” Die Professorin empfahl eine Entwicklung der Lernwerkzeuge mit Bewegungsübungen, Spielen und Arbeitsblättern, um eine anregende Lernumgebung zu schaffen.

Da setzt das „Klipp und Klar”-Konzept ein, das von den Erzieherinnen Dorothee Beckers und Doris Grief im ersten Forum erläutert wurde. Es geht dabei darum, Ursachen zu analysieren, Lernblockaden aufzulösen, individuelle Lernstrategien zu entwickeln und ein Förderprogramm zu erstellen. Schulamtsdirektorin Annegret Schulte berichtete über die Kooperationspraxis. „Eine Kommune kann durch ihre Beteiligung die Weichen für einen gelingenden Übergang stellen”, zeigte sie sich überzeugt. Dazu müssten allerdings Ressourcen bereitgestellt werden sowie alle Ebenen aus Jugendhilfe und Schule, Kindertagesstätte und Grundschule sowie auch Eltern durch gewählte Vertreter beteiligt werden.

Brigitte Haberda vertiefte ihren Vortrag anhand verschiedener Beispiele. Mit einem Blick auf Trends in der Bildungsdokumentation rundete Erzieherin Monika Buske im vierten Forum das Angebot ab. „Bildungs- und Lerngeschichten” böten eine Möglichkeit, Lernprozesse von Kindern individuell und gezielt zu beschreiben. „Letztlich soll der Austausch zwischen allen am Bildungs- und Erziehungsprozess des Kindes Beteiligten durch Inhalt und Form dieser wertschätzenden Dokumentation aktiver gestaltet werden.”

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