Hückelhoven: Ausstellungseröffnung: Bilder des kollektiven Gedächtnisses

Hückelhoven: Ausstellungseröffnung: Bilder des kollektiven Gedächtnisses

Wäre das Alte Rathaus in Ratheim ein Anzug, so wäre es fast aus allen Nähten geplatzt: Die Eröffnung der Ausstellung „Deutschlandbilder - 20 Jahre Vereinigung” des Wassenberger Künstlers Peter Röttges hatte unerwartet viele Besucher angelockt.

Zur Einführung sprach der Kunsthistoriker Dr. Christian Krausch, der die Bilder um Mauerfall und Vereinigung der getrennten deutschen Staaten ins „kollektive Gedächtnis” einordnete.

Im Namen seines ehemaligen Schülers Peter Röttges begrüßte dessen alter Lehrer, der Cathe-Vorsitzende Dr. Hans Latour, die zahlreichen Gäste und meinte, dass die wahre Kunst eben die Menschen anzöge. Und diese Ausstellung könne auch dazu dienen, die Erfahrungen jedes einzelnen mit der deutschen Vergangenheit zu reflektieren.

Krausch erinnerte an Bilder, die sich in unser Gedächtnis eingenistet hätten wie die „Mona Lisa” oder da Vincis „Letztes Abendmahl” oder die um das Attentat auf Kennedy 1963 und die Eindrücke vom 11. September 2001. Mit so einem Bild aus unserem kollektiven Gedächtnis habe sich Peter Röttges künstlerisch auseinandergesetzt, nämlich mit dem Motiv der Deutschlandfahne, „der Flagge der Bundesrepublik Deutschland, jener Trikolore aus drei gleichgroßen horizontalen Balken in Schwarz, Rot und Gold mit einem Seitenverhältnis von 3:5”.

Der Redner ging im Folgenden auf einzelne Bilder der Ausstellung ein, die unter anderem durch eine eher sparsame als oft überladene Anzahl von Bildern und Installationen, die oft bei Ausstellungen zu finden sind, bestach, und spürte den jeweiligen Motiven des Künstlers nach.

Warum Röttges sich gerade mit diesem Thema auseinandergesetzt hat, beschreibt er selber so: „Das fehlende Bekenntnis zur deutschen Fahne fiel mir bei einem Skandinavienaufenthalt auf. Dort schmückt fast jeder sein Haus bzw. sein Sommerhaus mit der Landesfahne. Beim Sommermärchen 2006 wurde dann in ganz Deutschland endlich Flagge gezeigt. Es stellte sich das gleiche Gänsehautfeeling ein, wie bei Berichten über den Augenblick der Maueröffnung. Das gab den Ausschlag für diese Ausstellung. Ich habe versucht, mit den Farben schwarz - rot - gold der deutschen Fahne, meinen Gedanken nachgehend, ein anderes Aussehen zu geben.”

Und dieser Versuch ist hervorragend gelungen, weil Röttges vor allem nicht mit platten und vordergründigen Motiven und Beispielen arbeitet, sondern seine Gedanken und deren künstlerischen Ausdruck meist mit einem Schuss Humor verbindet und manchem Hintersinn. Außerdem befindet sich neben den einzelnen Werken jeweils eine kurze Information zu deren Ursprung und zur beabsichtigten Aussage.

Den Besuchern schienen vor allem drei Kunstwerke besonders zu gefallen: Der Verlauf der Grenze mit der Originalbriefmarke von 2009, herausgegeben zum 20. Jahrestag des Mauerfalls, auf zwei vereinten Postsäcken der Deutschen Bundespost und der Post der DDR. Eine Installation mit leeren Obst- und Gemüsespankörben und ein Symbol gesamtdeutscher Ordnung: Drei Kissen mit dem abendlichen Handkantenschlag in den Nationalfarben, wobei das Rot durch eine nachempfundene Brokatverzierung ersetzt war.

Das einzig Negative, das zu dieser Ausstellung zu sagen ist: Sie endet zeitgleich mit den Jubiläumsfeiern zu 20 Jahren der deutschen Einheit.