Kreis Heinsberg: Ausstellung: Alles entsteht im Dialog mit der Leinwand

Kreis Heinsberg: Ausstellung: Alles entsteht im Dialog mit der Leinwand

„De gustibus non est disputandum“ hat die Künstlerin Carolin Nagel eines ihrer Bilder betitelt. Das ausdrucksstarke Werk — in diesem Jahr entstanden — ist mit Acryl und Lack auf Leinwand gemalt und hängt zurzeit in der großen, lichtdurchfluteten Halle der Kreissparkasse in Heinsberg an der Hochstraße.

Dort kann es zusammen mit weiteren Arbeiten der aus Waldfeucht-Haaren stammenden und heute in Köln lebenden Künstlerin besichtigt werden. Carolin Nagel greift für die Titel ihrer Kunstwerke gerne auf Redewendungen lateinischer Sprache zurück. Nicht nur mit dem Hinweis darauf, dass sich — wie das eingangs erwähnte Zitat sagt — über Geschmack nicht streiten lässt. Auch manch anderen Titel mit Hintersinn gibt die Künstlerin den Betrachtern mit auf den Weg des Bilderschauens. Filialdirektorin Renate Beumers-Rulands begrüßte zur Vernissage der Ausstellung, der Carolin Nagel den Titel „Semper aliquid haeret — Es bleibt immer etwas hängen“ gegeben hat, viele kunstinteressierte Besucher.

Ein Schwerpunkt der Malerei Nagels findet sich in der abstrakten, expressiven Malerei. Nagel beschrieb dem Vernissagepublikum ihre Vorgehensweise: „Das freie Experimentieren als Prinzip, das Experimentieren mit Farben, Formen und Fläche, die Abkehr von der Malerei mit Pinsel, hin zum Malen mit Spachtel, Spielzeug­autos, Pfeil und Bogen.“ Ihr sei es wichtig, erklärte die Künstlerin, den Pinselstrich immer weiter zu reduzieren und das gestische, eher zufällig Fließende in den Vordergrund zu rücken.

Carolin Nagel zog es schon mit 18 Jahren nach Duisburg, wo sie ihre Ausbildung zur Erzieherin beendete. Nach anschließender vierjähriger Tätigkeit in den verschiedensten pädagogischen Einrichtungen entschloss sie sich zu ­einem Studium der Bildenden Künste mit dem Schwerpunkt Malerei an der Aalanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in ­Alfter bei Bonn, das sie 2012 mit Diplom abschloss. Schon während ihres Studiums verband Nagel ihr künstlerisches Geschick mit ihrer pädagogischen Vorbildung. Als Meisterschülerin von Professorin Dr. Ulrika Eller-Rüter bereiste sie Rumänien, Afrika und Palästina, um dort in sozialen Brennpunkten kulturübergreifende, künstlerisch-praktische Projekte mit Kindern umzusetzen und zu fördern.

Renate Beumers-Rulands: „Carolin Nagel ist es wichtig, ihre Malerei so zufällig wie möglich zu gestalten. Sie hat kein fertiges Bild im Kopf, alles entsteht im Prozess, im Dialog mit der Leinwand.“ Die Künstlerin denke, dass ein Werk als „fertig“ bezeichnet werden könne, wenn es kommunikationsfähig sei. Beumers-Rulands wandte an die Vernissagegäste: „Da wir heute eine Reihe fertiger Bilder präsentieren, wünsche ich Ihnen beim Betrachten anregende Gespräche.“ Diese Aufforderung gilt sicherlich auch allen Kunstinteressierten, die bis 19. September die Gelegenheit zum Ausstellungsbesuch im Heinsberger Kreissparkassengebäude nutzen werden.

(defi)
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