Kreis Heinsberg: Ausbauprogramm für U3-Plätze „lahmt”

Kreis Heinsberg: Ausbauprogramm für U3-Plätze „lahmt”

Der Kreis Heinsberg wird für das kommende Kindergartenjahr 2010/11 weniger Plätze für Kinder im Alter unter drei Jahren zur Verfügung stellen können als bisher geplant.

Das geht aus einem Bericht des Kreisjugendamtes hervor, den Amtsleiter Hans-Jürgen Oehlschläger im Jugendhilfeausschuss erläuterte. So werden zusätzlich zu den vorhandenen 235 sogenannten U3-Plätzen im kommenden Jahr nur weitere 50 Plätze zur Verfügung gestellt statt der bisher geplanten 120. Damit wird eine Quote der Bedarfsdeckung von knapp 20 Prozent erreicht.

Grund seien Probleme beim notwendigen Ausbau der Einrichtungen, so Oehlschläger. „Von den 46 Tageseinrichtungen, die sich am Ausbauprogramm beteiligen, haben erst elf Einrichtungen eine Bewilligung erhalten”, betonte er. Alle Bewilligungen stammten aus dem Jahr 2009. Vier Einrichtungen hätten ihre Baumaßnahmen abgeschlossen, bei den übrigen sieben werde dies bis August ebenfalls weitestgehend der Fall sein, „jedoch ist das nur etwa ein Viertel der am Bauprogramm beteiligten Einrichtungen.”

Eine Zuweisung von U3-Kindern über das aktuelle Niveau hinaus zu den 35 Einrichtungen, die ihre Baumaßnahmen beginnen wollen, hielt er in diesem Zusammenhang aus pädagogischen und aus räumlichen Gründen nicht vertretbar. „Wir hoffen, dass wir in diesem Frühjahr die Bewilligung bekommen, damit wir im nächsten Jahr die Plätze anbieten können”, erklärte er.

Dezernentin Liesel Machat griff die Anregung aus dem Ausschuss auf, über den Kreis Heinsberg hinaus auf das Problem aufmerksam zu machen. So soll jetzt der Landkreistag gebeten werden, in Bezug auf die ausstehenden Bewilligungen nachzuhaken.

Oehlschläger berichtete weiter, dass derzeit Überlegungen bestünden, eine integrative Gruppe für Kinder mit Behinderung im Bereich der Gemeinden Gangelt, Selfkant und Waldfeucht einzurichten.

Vier weitere Tageseinrichtungen aus dem Kreis Heinsberg könnten zudem noch bis 1. Juni für die Weiterentwicklung zum Familienzentrum gemeldet werden. „Hierzu sind die Tageseinrichtungen für Kinder angeschrieben worden, damit sie die Möglichkeit haben, sich für die Zertifizierung zu bewerben”, erklärte er. Bei der Auswahl werde man auf eine regionale Verteilung ebenso achten wie auf den Punkt der Trägervielfalt.

Jugendamtsmitarbeiter Friedhelm Sieben erläuterte anschließend die aktuellen Tendenzen bei der Belegung der Kindergärten. Während bei Kindern im Alter über drei Jahren ein Rückgang zu verzeichnen sei von 2705 in diesem auf 2566 Kinder im kommenden Kindergartenjahr, steige die Zahl der U3-Kinder an, von 235 in diesem, auf 283 im nächsten Jahr. Nicht mehr benötigte Plätze für ältere Kinder könnten für U3-Kinder umgewandelt werden, durch kleinere Gruppengrößen würden aber so auf Dauer insgesamt 80Kindergartenplätze verlorengehen, erklärte er.

Eine zweite Tendenz sah er in der Gruppe der U3-Kinder, wo die Betreuungszeit ebenfalls zwischen 25, 35 und 45 Stunden pro Woche wählbar ist.

Da verschiebe sich die Betreuung immer mehr in Richtung 45 Stunden, stellte er fest. „Der Druck bei den Eltern ist durch die Arbeitswelt vorgegeben”, sah Sieben einen Grund dafür vor allem in der beruflichen Belastung von Eltern.

Erst über die Jahre werde man merken, ob eine Betreuung gerade von ganz kleinen Kindern, wie sie Eltern leisten würden, von den Kindertagesstätten überhaupt zu erbringen sei.

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