Leserbriefe zu Frauen und Politik: Auf jeden Fall muss etwas passieren

Leserbriefe zu Frauen und Politik : Auf jeden Fall muss etwas passieren

Christiane Vaeßen, Geschäftsführerin des Kompetenzzentrums Frauen und Beruf des Zweckverbandes Region Aachen, erklärt im Interview, wie Frauen dazu ermutigt werden können, sich politisch zu engagieren. Das sind die Reaktionen unserer Leser.

Gabriela Bak aus Heinsberg hat sich Gedanken zum Interview „Frauen werden viel häufiger zur Zielscheibe“ gemacht:

Das Kompetenzzentrum Frauen und Beruf des Zweckverbands Region Aachen untersucht die Gründe für die Unterrepräsentiertheit der Frauen in der Politik. Geschäftsführerin Christiane Vaeßen nennt verschiedene und allgemein bekannte Gründe. Also man könnte sagen „Im Westen nichts Neues“!

Ähnlich wie das Thema Unterrepräsentierheit ist das Thema der Gehaltsungleichheit: Seit Jahrzehnten zu gleichen Jahreszeiten wird eine Statistik veröffentlicht, dass Frauen mit der gleichen Qualifikation und in der gleichen Arbeitsposition rund 25 bis 30 Prozent weniger als ihre männliche Kollegen verdienen. Alle Jahre wieder wird ganz groß gestaunt, ganz laut in den Medien nach den Ursachen gefragt, ganz groß versprochen, die Ungerechtigkeit zu beseitigen. Und? Passiert was? Gar nichts.

Jetzt sollen die Frauen an die Kommunalmacht. Sie sollen ihre Sicht der Dinge durchsetzen können. Schöne Gedanken. Allerdings Utopie. Solange die Frauen sich selbst nur als zuständig für Kinderbetreuung und Pflege sehen und nicht für das breite Spektrum der Kommunalpolitik, schneiden sie sich selbst ihre Bedeutung ab.

Es braucht schon einen Paradigmenwechsel, um die alten patriarchale Strukturen zu ändern. Solange die Frauen nur als starke Frauen hinter den erfolgreichen Kommunalpolitkern wahrgenommen werden, wird es noch Jahrzehnte dauern, bis auf einer Wahlkampfbroschüre der Heinsberger CDU die Frauen statt sieben Prozent den 50-Prozent-Anteil einnehmen.

Solange solche tagtäglichen Diskriminierungen von Frauen möglich sind, sind auch die Beteuerungen der Chancengleichheit von der durch Männer dominierten Politik nur Floskeln. Ich stimme Frau Vaeßen vollkommen zu, dass man die Frauenquote braucht, und das verpflichtend und nicht freiwillig, denn es stimmt: Männer befördern Männer! Ich bewundere den Optimismus von Frau Vaeßen!

Ursula Hartges aus Aachen äußert sich ebenfalls zum Interview „Frauen werden viel häufiger zur Zielscheibe“:

Ich möchte die Argumente von Frau Vaeßen voll unterstreichen. Wir brauchen dringend mehr Frauen in der Politik und auch in anderen leitenden Positionen, weil Frauen einfach andere Gesichtspunkte und Argumentationsweisen haben als Männer.

Trotzdem denke ich, wir müssen qualifizierte Frauen durch Ermutigung und Überzeugung gewinnen, nicht durch Quoten. Ich selbst habe vor einigen Jahren, als ich nach Aachen zog, negative Erfahrungen gemacht – durch Frauen! Ich wollte mich in einer Partei engagieren und besuchte mehrere Veranstaltungen der entsprechenden Frauenorganisation.

Bei keiner Veranstaltung hat man mich wahrgenommen, vielleicht sogar begrüßt, obwohl der Kreis der Gäste nicht besonders groß war. Ich musste eigentlich als „Neue“ auffallen. Der Vorstand beziehungsweise eine kleine Gruppe von „Funktionärinnen“ war voll mit sich selbst beschäftigt, Pöstchenverteilung ... Besucherinnen waren uninteressant. Ich hatte vorher sogar an die Vorsitzende geschrieben! Danach habe ich mir keine Mühe mehr gemacht.