Der CHIO Aachen: Auf der Jagd nach dem „Goldtopf“

Der CHIO Aachen : Auf der Jagd nach dem „Goldtopf“

Boyd Exell, mehrfacher Weltmeister und Weltcup-Sieger, ist auch in diesem Jahr einer der Top-Favoriten auf die Einzelwertung der Vierspänner. Für den CHIO hat er einen besonderen Matchplan.

Fünf Weltmeistertitel, neun Weltcup-Siege und neun Mal erfolgreichster Einzel-Fahrer beim CHIO Aachen. Und das sind nur einige der größten Titel, die Gespannfahrer-Legende Boyd Exell im Laufe seiner Karriere eingefahren hat. „Ich schaue nicht so sehr auf Titel, das Wichtigste sind mir als allererstes das Wohlergehen meiner Pferde und die Leistung. Das Ergebnis kommt ganz zum Schluss“, erklärt der 49-Jährige schmunzelnd und ergänzt: „Einen Vierspänner zu fahren, ist wie den Topf mit Gold am Ende des Regenbogens zu jagen, weil es so schwierig ist, aus allen vier Pferden das Beste herauszuholen.“

Seit mittlerweile rund 25 Jahren jagt der Australier diesen Goldtopf auf internationaler Bühne. Als Jugendlicher über einen Lehrer zum Gespannfahren gekommen, zog er in seinen Zwanzigern nach England, um seine Karriere voranzutreiben. Mit Erfolg: 1998 holte er im italienischen Pratoni del Vivaro sein erstes WM-Gold - jenem Ort, wo der amtierende Weltmeister im September seinen Titel verteidigen möchte. 2003 folgte der erste Gesamtsieg beim CHIO Aachen.

Mittlerweile lebt Exell mit seiner Familie im niederländischen Valkenswaard, südlich von Eindhoven. Maßgeblich für den Umzug sei gewesen, dass die meisten wichtigen Wettkämpfe im Gespannfahren auf dem europäischen Festland stattfinden: „Jedes Jahr sind wir 16 Stunden von Großbritannien nach Aachen gefahren. Ähnlich lange nach Breda, nach Leiden oder nach Riesenbeck.“ Mit fünf Pferden und einer Crew aus über zehn Leuten – die älteste Helferin über 80 – im Gepäck ein anstrengendes Unterfangen. Zumal sich dann auch noch der Brexit anbahnte. Als Exell bei einem Besuch bei seinem Kutschenbauer in Valkenswaard in dieser Situation das perfekte Grundstück für sich entdeckte, war der Umzug beschlossene Sache.

Seitdem braucht er nur noch etwas über eine Stunde von seinem Zuhause bis zum CHIO-Gelände. Dennoch sei die Anstrengung des Events nicht zu unterschätzen. Gerade für mehrteilige Wettbewerbe wie den beim Aachener Turnier, der aus der Dressur, dem Marathon durch das Gelände am Samstag und der Hindernisfahrt am Sonntag besteht, braucht es daher einen Matchplan. Der sieht laut Exell in diesem Jahr wie folgt aus: „Ich will die Dressur gewinnen und den Vorsprung mitnehmen. Im Marathon ist mein Ziel die Top zwei und im Kegelfahren möchte ich unter die ersten drei kommen.“ So könnte es dann mit dem zehnten CHIO-Einzeltitel klappen – und sein Plan ging zumindest mit Platz eins in der Dressur schon auf.

Am liebsten denkt Exell übrigens an seinen CHIO-Sieg im Jahr 2016 zurück: „Da habe ich in allen Disziplinen gewonnen. In der Dressur hatte ich einen Top-Score, ebenso wie im Marathon. Im finalen Kegelfahren wollte ich es dann eigentlich ruhiger angehen und wurde trotzdem Erster. Daran erinnert man sich natürlich gerne.“

Im diesjährigen Teamwettbewerb rechnet sich der Australier, der erstmals mit dem Landsmann Tor van den Berge für sein Heimatland antritt, allerdings keine großen Chancen aus. „Tor muss sich erstmal an den Wettbewerb gewöhnen und seine Pferde brauchen Zeit. In ein, zwei Jahren sehen wir dann weiter.“

Und wie sieht es in seiner eigenen Familie mit Gespannfahrer-Nachwuchs aus? Sein 15-jähriger Sohn James interessiere sich derzeit mehr für Wasserski als für den Pferdesport, erklärt Exell. Seine 13-jährige Tochter Olivia sei da schon Pferde-affiner: „Sie reitet Springen und ein bisschen Dressur.“ Zum Gespannfahren habe sie bis jetzt noch nicht gefunden. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. „Wie bei Anna Sandmann“, sagt Exell mit einem Augenzwinkern.