Aachen: Auch nach 57 Jahren noch ganz ofenfrisch

Aachen : Auch nach 57 Jahren noch ganz ofenfrisch

Direkt am Eingang wird jedem Gast erst einmal ein Strick um den Hals gehängt. Das ist weniger schlimm, als es sich anhört. Und genau genommen, ist es ja auch gar kein richtiger Strick. Vielmehr das salzige Pendant des geflochtenen Süßgebäcks, bei den meisten auch als Brezel bekannt.

So eine gibt es für jeden, der beim Bäckerball erscheint. Das hat Tradition. Bei der 57. Auflage der Veranstaltung im Eurogress wurde sie fortgeführt. Und obwohl der veranstaltende Karnevalsverein der Aachener Bäcker mittlerweile reichlich Routine bei der Rezeptur für die Veranstaltung besitzt, wurde wieder ein knackig-ofenfrisches Programm auf die Bühne gebracht, das für jeden Geschmack die passende Zutat bereithielt.

Dass die Bäcker dabei auch auf viele Kölner Kräfte setzten, liegt nicht an ihren persönlichen Präferenzen. Josef Drouven hätte jedenfalls gern mehr Aachen im Programm gesehen. „Aber es gibt ja nichts. Und die die gut sind, werden nach Köln exportiert”, sagte der Elferrat im Karnevalsverein der Aachener Bäcker. Allein Jürgen Beckers habe an diesem Abend acht Auftritte in Köln. „Und andere sind oft an ihre Vereine gebunden”, sagte Drouven.

Also war es an Prinz Thomas I. und seiner Garde, Josef, Jupp und Jüppchen, den „Jonge vajjen Beverau” und Dirk von Pezold, die Aachener Karnevalsfahne hochzuhalten. Und das taten sie mit Bravour. Von Pezold zeigte natürlich den Lennet Kann, den kann der AKV-Ehrenpräsident einfach. Und egal wie oft sie schon gehört wurde: Es bleibt eine der schönsten Melodien, die der Aachener Karneval zu bieten hat.

Eingebaute Schunkelgarantie

Josef, Jupp und Jüppchen glänzten mit ihrem Programm zwischen dem Aachener Kneipensterben und dem Tod eines Augenarztes, Thomas I. war mit seinem „Leckerschen” beim Bäckerball zweifelsohne an der richtigen Adresse. Genau wie die „Jonge vajjen Beverau”, deren Lieder eine eingebaute Schunkelgarantie zu besitzen scheinen.

Mit Ausnahme der „Ratsherren aus Unkel”, die mit der dicken Trum für mächtig Stimmung sorgten, und den fulminanten „Original Eschweiler Fanfaren”, war der Rest des Programms rheinischen Ursprungs. Neben den Kölner Programmpunkten von Trompeter Bruce Kapusta, über die 3 Colonias bis zum Showballett „De Höppemötzjer”, fand sich mit Wolfgang Reich auch ein Büttenroutinier aus Düsseldorf.

Dass diese Kombination Konfliktstoff birgt, ist klar. Aber es kam dann doch anders als erwartet. Denn Wolfgang Reich mokierte sich nicht etwa über die Kölner Konkurrenz, sondern über sein Publikum. Das war ihm einfach zu laut und das obwohl sich die 1400 Jecken im Saal deutlich Mühe gaben, so still wie möglich zu sein.

Nachdem Reich sein Publikum mehrfach zu disziplinieren versuchte, verabschiedete er sich: „Das macht keinen Spaß.” Dafür erntete Reich dann auch erstmals Applaus. Auch ohne ihn feierten über 3000 Jecken nach der Sitzung im Eurogress noch eine rauschende Party.