Attraktivität von eSports? Warum große Vereine eSports-Teams aufbauen

Attraktivität von eSports : Warum große Vereine eSports-Teams aufbauen

Immer mehr Profi-Fußballvereine steigen in den eSport ein. Der Markt wächst, die Preisgelder steigen, die Turniere und Events sind bei den Fans auf der ganzen Welt beliebt.

Dabei dreht es sich nicht nur um League of Legends oder Fortnite.  Der Markt mit Sportsimulationen ist total trendy.

In Deutschland ist eFootball sehr beliebt. Die Virtuelle Bundesliga und der Einstieg des DFB in den Bereich eFootball waren deutliche Zeichen für den organisierten eFootball. Dass die Politik sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigt, ist ein weiteres Zeichen für Vereine und Verbände eSports zu fördern und zu integrieren. Durch die bereits bestehenden Vereins- und Verbandsstrukturen ist es leichter, den Bereich eFootball einzubinden.

Für die Vereine bieten sich damit große Chancen, in Kontakt mit der jungen Zielgruppe zu treten. Für die Vereine ist es wichtig, angesichts schwindender Mitgliederzahlen neue Wege zu gehen und an den jungen Menschen dranzubleiben. Sie können sich damit als modernen Verein darstellen und ihre Attraktivität erhöhen.

 Steigendes Durchschnittsalter der Zuschauer ein Problem

Die Zuschauer bei normalen Sportevents werden immer älter, das Durchschnittsalter steigt rasch. Jugendliche und auch junge Männer oder Frauen verfolgen die Spiele ihres Lieblingsvereins nicht mehr live im Stadion. Digitale Angebote sind oft kostenpflichtig und damit nicht für jeden frei verfügbar. Hier punkten die eSports-Angebote. Auf Plattformen wie YouTube oder Twitch kann fast jeder zugreifen und die aktuellen Events verfolgen, ohne dafür extra zu zahlen.

Der Hauptgrund der Fußballvereine, eSports-Abteilungen einzurichten, ist allerdings ein ganz anderer. Sie suchen Wege um die junge Zuschauerschaft wieder zu erreichen. Der durchschnittliche Zuschauer bei Fußball-Events ist um die 40 Jahre alt.

Das Durchschnittsalter der eSports-Zuschauer liegt bei 26 Jahren, das ist ein Unterschied von etwa 15 Jahren. Mit einer eSport-Abteilung sehen Vereine die Chance für künftige Generationen und vor allem auch für die Sponsoren an Attraktivität zu gewinnen.

 Ist eSport überhaupt Sport?

 2019 war Fifa 20 von EA Sports in Deutschland das meistverkaufte PC- und Konsolenspiel.  
2019 war Fifa 20 von EA Sports in Deutschland das meistverkaufte PC- und Konsolenspiel.   Foto: jorono / Pixabay.com (CC0 Public Domain)

Der Deutsche Olympische Sportbund hat ein Rechtsgutachten beauftragt, um der Frage nachzugehen, ob eSports in den organisierten und gemeinnützigen Sport passt. Der DOSB ist dabei zu dem Schluss gelangt, dass es zu unterscheiden gilt zwischen eGaming und eSports.

Games wie Counter Strike folgen den Regeln und Spielformen von gewinnorientierten Unternehmen, die auch über die Inhalte bestimmen. Die Spielinhalte sind teilweise nicht mit den ethischen Werten des Sports vereinbar, insbesondere Shooterspiele nicht. Virtuelle Sportarten sich jedoch durchaus zu integrieren.

 Im Ausland besser anerkannt

In Asien ist eSport in vielen Ländern sehr weit verbreitet, auch beispielsweise in Frankreich, Brasilien oder den USA. In Südkorea besteht ein Dachverband, die Korean e-Sports Association, bereits seit 2000. Besonders beliebt sind Spiele wie „Starcraft 2“ oder „League of Legends“.

In den skandinavischen Ländern stellen die virtuellen Sportarten oder eGaming ebenfalls kein Problem dar. eSport ist insgesamt in der Gesellschaft besser akzeptiert. Es gibt häufig eSports-Turniere an den Schulen oder sogar eSport als Wahlfach.

Für die olympischen Spiele 2022 hat das Asiatische Olympische Komitee eSports in die Asienspiele aufgenommen und eSport zur olympischen Disziplin gemacht. Noch ist nicht bekannt, mit welchen Spielen die Spieler in den gegenseitigen Wettstreit treten. Wahrscheinlich gehören nicht nur die virtuellen Sportarten dazu, sondern auch Disziplinen aus dem eGaming.

 eSport in Deutschland - wie sieht die Zukunft aus?

Es ist ganz offensichtlich nur noch eine Frage der Zeit, bis eSport mehr Anerkennung als offizielle Sportart finden wird. Dann gehören auch professionelles Gaming, Shooter- und andere Videospielen zu den geförderten Disziplinen. Das professionelle Gaming findet zwar im Sitzen statt, deshalb ist es aber noch lange nicht weniger sportlich. Denn auch hier sind klassische Skills gefragt, die beim Offline-Sport ebenfalls wichtig sind.

Die Spieler brauchen Ausdauer, Stressresistenz, müssen fokussiertes und peripheres Sehen trainieren. Gefragt sind zudem Feinmotorik, Geschicklichkeit, Kommunikationsfähigkeit, Entscheidungs- und Reaktionsschnelligkeit.

Die Herzfrequenz der Spieler steigt, sie machen sehr schnelle Bewegungen, in manchen Fällen bis zu 400 Bewegungen pro Minute. Dafür ist ein gutes Zusammenspiel von Muskeln und Nerven erforderlich. Zudem sind Herz-Kreislauf-Reaktionen zu beobachten, die den Reaktionen beim Elfmeterschießen sehr ähnlich sind. Um effizient an der Konsole spielen zu können, brauchen die Spieler ein hohes Maß an körperlicher Fitness, so die Meinung von Prof. Dr. Ingo Froböse, Sportwissenschaftler an der Deutschen Sporthochschule Köln.

 eSport ist eine Chance für die Sportvereine

Für die Fußballklubs ist es wichtig, attraktiv für die junge Zielgruppe zu sein. Dazu ist es notwendig, die Realität zu akzeptieren und sich an den Bedürfnissen der jungen Menschen zu orientieren. Kinder spielen heute nicht mehr so viel Fußball auf dem Bolzplatz. Computer und Smartphones sind allgegenwärtig und teilweise sogar ständiger Begleiter der Jugendlichen. Deshalb ist es für diese Zielgruppe attraktiv, Fußball virtuell zu spielen.

Virtuelle Sport- und Fußballsimulationen sind die geeigneten Mittel, um die jungen Menschen zurück in die Vereine zu holen. Für die Vereine ist es eine große Chance mit eFootball und anderen virtuellen Sportarten ihre Angebote zu erweitern. Wenn sie es nicht tun, entstehe n Parallelstrukturen und die Angebote werden anderweitig organisiert. Es geht letztlich darum, dass sich Vereine diesen Kanal offenhalten.