Angelika Beyert spricht über das Projekt "Helfende Hände" der Kugesa

Interview mit Organisatorin und Projektleiterin Angelika Beyert : „Eine große Überwindung für Kinder in dem Alter“

Angelika Beyert ist Projektleiterin der „Helfenden Hände“. Im Interview spricht sie über Hintergrund, Schwierigkeiten und Zukunft des Projekts.

Frau Beyert, wie ist Ihnen als Organisatorin die Idee zu dem Projekt gekommen?

Beyert: Die Idee war schon sehr lange in meinem Kopf. Ich habe an meiner alten Schule die Berufsorientierung betreut und immer gedacht: Es kann nicht sein, dass erst mit der Berufsorientierung die Gedanken, was ich mit meinem Leben anfange, beginnen. Dann bin ich irgendwann über ein Caritas-Projekt gestolpert, bei dem man in seiner Freizeit ganz freiwillig mit anpacken kann. Daraufhin gab es die Überlegung, dass es in einer Schule mit Kindern aus allen Schichten sinnvoll wäre, sie aus dem Gedanken herauszuholen, nicht nur immer selbst Hilfe zu empfangen.

Das bedeutet konkret?

Beyert: Sie sollen lernen, ab einem bestimmten Punkt Hilfe zu geben. Daher auch der Name „Helfende Hände“. Es ist ein sehr wichtiger Gedanke, dass man soziale Kompetenz nicht nur theoretisch lernen kann, sondern dass dies praktisch im Alltag ausgeübt werden sollte.

Welche Herausforderungen gab es?

Beyert: Es war natürlich am Anfang nicht einfach, diese Sache auf den Weg zu bringen. Auch, wenn die Schulleitung und die meisten meiner Kollegen direkt begeistert waren. Es war eine riesige Organisation hier im Umkreis, schon gerade, weil ich mich in Stolberg gar nicht auskannte. Wir mussten vor allem Einsatzorte finden, denn wir wollten den Kindern ja nicht sagen: Jetzt lauft mal los und sucht euch was.

Wie ist das Konzept des Projektes angelegt?

Beyert: Die Kinder haben in Klasse 7 eine zusätzliche Unterrichtsstunde Wirtschaftslehre. Im ersten Halbjahr wird das Training für die „Helfenden Hände“ gemacht. Dabei werden sie mit dem Gedanken sozialer Kompetenz und des sozialen Engagements bekanntgemacht. Wir überlegen dann gemeinsam, wo sie im Alltag damit zu tun haben. Der nächste Schritt ist dann zu schauen, ob sie irgendwo anpacken können, wo sie stark sind und helfen können. Es geht also um Stärken und Fähigkeiten. Das ist eine ziemlich schwierige Aufgabe für Schüler, die gerade mitten in der Pubertät stecken.

Wie wird „Helfende Hände“ ins Schuljahr integriert?

Beyert: Die Schüler können sich das zeitlich einrichten wie sie wollen, innerhalb des Schuljahres sollen 15 Stunden im sozialen Bereich absolviert werden. Das können sie am Wochenende machen, unter der Woche oder auch in den Ferien. Wichtig ist nur, dass die Zeit außerhalb des Unterrichts liegt.

Was ist der zentrale Unterschied zu einem Praktikum, was ja ebenfalls in solchen Einrichtungen absolviert werden könnte?

Beyert: Bei einem Praktikum steht die Berufsfindung im Vordergrund und die ist nicht bei jedem Kind im sozialen Bereich angesiedelt, das ist ganz klar. Da liegt der große Unterschied: Die Kinder können bei den „Helfenden Händen“ nicht in einen Handwerksbetrieb gehen. Aber die Erfahrung, zum Beispiel bei fremden Leuten anzurufen und wirklich zu sagen, was man sich vorgenommen hat, also aus dem bekannten Rahmen Schule und Elternhaus herauszutreten, das ist eine große Überwindung  für Kinder in dem Alter. Diese können sie vor dem Praktikum nun üben.

Wie lautet ihr Fazit nach vier Jahren Projektphase?

Beyert: Toll ist, wie die meisten Kinder begeistert sind, wenn sie zum  ersten Mal von dem Projekt hören. Am liebsten würden sie nach der Stunde losflitzen und einen Einsatzplatz finden. Aber wirklich alle Kinder mitzunehmen, ist nicht ganz einfach. Wobei ich glaube, dass das eine Frage von mangelndem Mut und auch dem berühmten Trotz in der Pubertät ist. Schön ist aber, dass die Kinder hier den Platz bekommen, solche Dinge zu testen. Ich bin ungeheuer froh, die Chance gehabt zu haben, dieses Projekt mit den Schülern aufbauen zu können. Das finde ich phänomenal. Und besonders toll finde ich die Arbeit der Sozialträger! Sie leisten in der Betreuung der Kinder einen Großteil der Aufgabe.

Wie geht es mit dem Projekt künftig weiter?

Beyert: Ich gehe in vier Wochen in den Ruhestand. Meine liebe Kollegin Jacqueline Weber übernimmt das Projekt, sie ist in diesem Schuljahr schon gleitend mit eingestiegen. Ich habe ihr alles übergeben und das läuft gut weiter. Wir haben viel Anerkennung und Hilfe von Trägern und der Stadt Stolberg bekommen. Wenn wir diese Wertschätzung erfahren, macht das unheimlich Mut für die Zukunft.