Kommentar zum Urteil im Prozess um getötete Radfahrerin: Am Hansemannplatz endlich handeln!

Kommentar zum Urteil im Prozess um getötete Radfahrerin : Am Hansemannplatz endlich handeln!

Als sich vor 19 Monaten am Hansemannplatz dieser fürchterliche Unfall ereignete, der eine junge Frau das Leben kostete, eröffnet das tragische Geschehen zumindest eine Perspektive.

Es schien so, als würde sich tatsächlich etwas ändern in Sachen Radverkehr in Aachen. Eine Diskussion über mehr Sicherheit für Radfahrer kam in Gang, und die Stadtverwaltung setzte vor Ort eine erste Sofortmaßnahme um: Der Radstreifen, auf dem die junge Frau vom Bus überrollt wurde, wurde exakt elf Meter weiter in die Kreuzung hinein rot ausgemalt.

Doch das war’s – zumindest am Hansemannplatz. Und ohne jetzt gleich der Schwarzmalerei bezichtigt zu werden: Diese rein optische Sensibilisierung gleicht purer Schönfärberei und reicht dort vorne und hinten nicht aus. Diese Erkenntnis kann, nein muss man aus einem Gerichtsprozess mitnehmen, der den Unfall ruhig, sachlich und sehr akribisch aufgearbeitet und die Frage nach der persönlichen Schuld des Busfahrers nachvollziehbar beantwortet hat. Der aber zugleich auch einmal mehr offenbart hat, was der ADFC und die Grünen schon lange kritisieren: dass der Hansemannplatz und insbesondere das Rechtsabbiegen von Bussen über die Radspur hinweg brandgefährlich ist – rot angemalte Radwege hin oder her. Mehrere Zeugen und auch der Busfahrer beklagten im Prozess diese Situation. Der Richter dachte in seinem Urteil laut darüber nach, dass es ohne diese gefährliche Verkehrsführung möglicherweise keinen tödlichen Unfall gegeben hätte – worauf wartet man am Hansemannplatz eigentlich noch? Es gilt, dort schleunigst etwas zu tun. Vorschläge – etwa ein Verschwenken des Radwegs oder eine getrennte Ampelschaltung – liegen lange auf dem Tisch. 19 Monate nach einem tödlichen Unfall sollte man endlich handeln.

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