Kreis Düren/Drove: Altenpflege in der Praxis erlebt, Wertschätzung gefordert

Kreis Düren/Drove: Altenpflege in der Praxis erlebt, Wertschätzung gefordert

Patienten und Mitarbeiter waren an diesem Morgen auf einen Politiker aus Berlin mit Hauptwohnsitz in Düren gespannt: Dietmar Nietan, Sozialdemokrat und Mitglied des Bundestags.

Immer wieder werden Politiker aller Couleur aufgefordert, ein- oder mehrtägige Betriebspraktika zu machen, damit sie den Bezug zur Realität nicht verlieren. Nietan entschied sich für ein Unternehmen in seinem Wahlkreis, die „SWH-Betreuungseinrichtungen für Pflege und Wohnen” in Drove.

Praxis statt bloßer Theorie

Weit weg vom Wahlkampf wolle er als Politiker, so Nietan, einmal den Alltag eines Pflegeunternehmens kennenlernen, denn auch ein Bundestagsabgeordneter fühle sich durch die Unterlagen, die ihm in Berlin zur Verfügung gestellt werden, nicht immer ganz informiert.

„Es hat mir großen Spaß gemacht”, konnte Nietan nach etwa sieben Stunden in der Pflege sagen, „denn in diesem Unternehmen steht der einzelne Mensch im Mittelpunkt”. Und außerdem habe ihm die Arbeit mit Menschen immer schon viel Freude bereitet.

Der Pflege müsse in Deutschland wieder ein hoher Stellenwert eingeräumt werden, verlangte der Abgeordnete. Die Arbeit dürfe aber nicht in Bürokratie ertrinken, die nicht selten die Hälfte der Arbeitszeit in einem Pflegeheim ausmache. Einheitliche Standards müssten sein, sie müssten auch dokumentiert und überprüft werden. Doch hier, und da konnte ihm Ulla Schmidt, die ehemalige Bundesgesundheitsministerin, beipflichten, müssen intelligente und innovative Wege gefunden werden, eine ausufernde Bürokratie abzubauen.

Schließlich ging der SPD-Politiker auf die hohen psychischen und physischen Belastungen des Pflegeberufs ein. Ob da die Rente mit 67 Jahren für eine Pflegerin noch realistisch ist? Das Berufsbild der Pflegerin und des Pflegers müsse sich ändern, forderte Nietan. Wie kann man jungen Menschen diesen Beruf nahebringen? Neben einer gerechten Bezahlung gehören dazu eine gute Ausbildung und ein höherer Stellenwert auf der Werteskala einer modernen Gesellschaft.

SWH-Chefin Ulrike Hawig und die stellvertretende Pflegedienstleiterin Anke Degen waren über den Einsatz Dietmar Nietans voll des Lobes. Hans-Peter Knips, Mitglied des Bundesverbands der privaten Anbieter, sagte im Namen seiner Organisation: „Wir freuen uns, dass ein Politiker die Sache ernst nimmt.” Zumal, fuhr Knips fort, Politiker in Sachen Pflege meist Laien seien.

Ulla Schmidt wies darauf hin, dass es viele gute Pflegegesetze gebe, die jedoch nicht angewandt würden. Deshalb riet sie den Betroffenen im Land, Widerspruch einzulegen, wenn ein Antrag abgelehnt werde. Widersprüche führten zu einem sehr hohen Prozentsatz zur späteren Genehmigung des Antrages.