Aachen: Als Mundschenk und mit „dicker Zimm” erprobt

Aachen : Als Mundschenk und mit „dicker Zimm” erprobt

Schon als Kind war er jeck auf Karneval, vor 11 Jahren fragte er bei Helmut Strack und dem AKV erstmals an, wie er denn Prinz werden könne - aber das finanzielle Wagnis schien dem jungen Berufseinsteiger noch zu groß.

Jetzt, im „gesetzteren Alter” von 35 Jahren und mit einem starken Verein im Rücken, hat er doch den Anlauf gewagt - und die erste närrische Hürde souverän genommen: Dirk Chauvistré wurde am Donnerstag vom Aachener Karnevalsverein als Öcher Tollität für das Jahr 2005 bekannt gegeben. Als Dirk III. wird der Anzeigenberater des Zeitungsverlags Aachen am 7. Januar der Narrenthron besteigen.

Über seine Mutter, die bei der 1. Forster KG Närrische 11 die Kinder betreute, fand der einst kleine Dirk früh Zugang zum Vereinskarneval. Als sein älterer Bruder zu lang wurde für den Posten des Kindermundschenks, trat er gern in dessen Fußstapfen. Acht Jahre lang verteilte er in seinem Kelch die Limonade. Auch in den Reihen den Erwachsenen schlüpfte er bei anderen Getränken noch kurz in die gleiche Rolle, ehe die Berufsausbildung zu einer Fastelovvendspause führte.

Nach bestandener Prüfung als Versicherungskaufmann und dem Berufseinstieg bei der Aachener und Münchener aber beobachtete er neidisch die Auftritte seines Vaters, der als Mitglied des Hofstaates von „Elefanten-Prinz” Hugo Holl aktiv in der Noppeney-Garde der Erholungsgesellschaft mitmischen durfte. 1990 wurde ein Platz im Aktiven-Kreis frei, seither ist Dirk Chauvistré mit von der Partie.

Eigenarbeit zählt

„Das ganze Programm wird aus den eigenen Reihen bestritten und auf die eigene Umgebung gemünzt, wie bei vielen Pfarrsitzungen”, begeistert er sich für den Fastelovvend à la Noppeneys, die öffentlich vor allem im Rosenmontagszug für Aufsehen sorgen, wenn sie allesamt mit Pickelhaube, Uniform und „dicker Zimm” lärmend durch die Straßen ziehen.

Für das kommende Jahr, zu ihrem runden Geburtstag, wollten die Noppeneys 30 Jahre nach Prinz Hugo noch einmal eine tragende Rolle im Öcher Fastelovvend spielen - und brauchten in ihren Reihen nicht lange nach einem passenden „Frontmann” zu suchen.

Der Traum der Noppeneys und von Dirk Chauvistré geht also in Erfüllung, nur beim Bühnen-Programm musste eine lang gehegte Idee zu den Akten gelegt werden. „Nachdem Michel I. mit seinem Rhythmus so stark war, können wir nicht auch trommelnd durch die Lande ziehen - außer bei der Proklamation natürlich”, sagt der künftige Narrenherrscher.

Er setzt - mit Erfahrungen aus dem Jungen Chor von St. Anna Walheim ausgestattet - mehr auf Gesang. Dass er im Vergleich zum schmalen Vorgänger mit der kleinen Trommel etwas mehr zu seinem bislang bevorzugten Instrument passen würde, lässt er durchaus gelten: „Aber erstens komm ich ja ohne Zimm, und zweitens muss ein Prinz auch Schatten werfen dürfen.” Zehn Kilo allerdings hat er in Vorbereitung auf die neue Rolle trotzdem abtrainiert, fünf weitere sollen es noch werden. Frei nach seinem derzeitigen Leitsatz: „Fit für die fünfte Jahreszeit!”

Kondition werden er und sein Hofstaat auch brauchen, ist die Session bis hin zum Aschermittwoch am 9. Februar doch ausgesprochen kurz und vollgepackt. Also trifft und trimmt man sich bereits beim Laufen: der Prinz in spe und sein designierter Hofstaat, zu dem viele aktive Noppeneys und zwei Kollegen aus dem Verlag zählen.

Im Hofstaat selber werden diesmal aber selbst die meisten Noppeneys in Rollen der männlichen Schängche-Puppen schlüpfen, denn die Stadtpuppenbühne liegt Dirk Chauvistré sehr am Herzen. „Mit dem Schängche die Puppen tanzen lassen”, wäre ein Motto, das ihm gefällt, auch über Aktionen zugunsten dieser Einrichtung denkt er bereits nach.

Doch bevor er sich ganz dem Karneval widmet, steht im Juli ein weiterer großer Schritt bevor: die Rückkehr in die Heimatstadt. „Ich wollte mal gucken, wie das Wohnen in der Eifel ist, mit Pferden hinterm Garten”, bekennt er reumütig. „Aber das kann mir die Nähe zum Dom nicht ersetzen.”