Hückelhoven: Zwerchfell-Attacke in mitreißender Besetzung

Hückelhoven : Zwerchfell-Attacke in mitreißender Besetzung

Was für Bayern Peter Steiners Theaterstadl ist, ist in der Region wohl das Millowitsch-Theater.

Kaum eine andere Schauspieltruppe wird eher mit der Vorstellung von erstklassiger Unterhaltung und amüsanten Geschichten verbunden als das Kölner Ensemble. „Lachen bis der Arzt kommt,” hieß folglich auch das Motto bei der Aufführung des Schwanks „Saionara, Tante Klara”, mit dem das Millowitsch-Theater nach langer Zeit wieder in der Hückelhovener Aula gastierte.

Bei dem letzten Zwischenstopp in der ehemaligen Zechenstadt war mit Willy Millowitsch der Gründer des Theaters selber noch mit von der Partie gewesen; diesmal bewies jedoch sein Sohn Peter, dass das komödiantische Talent und die einvernehmende Spielfreude in der ganzen Familie liegt.

In der Rolle des Kölner Brauereibesitzers Anton Weissdorf, dessen Unternehmen kurz vor dem Konkurs steht, kämpft der wandelbare Mime mit allen Mitteln, um die finanzielle Misere vor seiner Frau Klara zu verbergen. Um auch potenzielle Geldgeber bei Laune zu halten, ist jedoch noch eine größere Portion Ideenreichtum gefragt.

So nötigt Anton seinen Freund Lukas Bräsig als Ikea-Schal-behangener Investor aus Schweden aufzutreten, um den Kaufinteressenten Horst Krüppers ebenfalls von einer Investition in sein Unternehmen zu überzeugen. Anton schreckt auch nicht davor zurück, den Tod seiner Frau vorzugaukeln, um sich das Mitleid und die Kreditvergabebereitschaft der Bankangestellten Waltraut Dachs zu erschleichen.

Als jedoch auch diese Aktionen nicht die gewünschte Wirkung zeigen, verstrickt der einfallsreiche Anton sich immer stärker in ein Netz aus Lügen und steht am Ende kurz davor, Horst Krüppers in der Rolle der Geisha Sushi Yamamota mit einem Eheversprechen zu ködern, um seine Brauerei zu retten. Wie in so manchem Millowitsch-Schwank erhält der Held am Ende aber Hilfe von unerwarteter Seite.

Klara Weissdorf, von der Anton fälschlicherweise glaubt, sie habe eine Affäre mit seiner Erzfeindin Marie Funke, besorgt ihm schließlich den rettenden alkoholischen Großauftrag. Spannend und amüsant bis zum grandiosen Finale strapazierte der Schwank aus der Feder von Barbara Schöller und Peter Millowitsch so manches Zuschauer-Zwerchfell.

Letztlich war das begeisterte Publikum aber noch auf der glücklichen Seite, denn während Peter Millowitsch in der Rolle eines sächsischen Hausmeisters und als japanische Geisha Missverständnisse am laufenden Band produzierte und immer das Gegenteil von dem erreichte, was er anstrebte, blieb das Publikum immerhin noch im Bilde.

Neben dem vor Situationskomik und einfallsreichem Wortwitz sprühenden Stück überzeugte auch die Spielfreude der sechs Schauspieler. Tom Jacobs verkörperte den liebeskranken Geisha-Verehrer ebenso mitreißend, wie seine Kollegin Ariana Voges die frustrierte und naive Bankangestellte Waltraut Dachs.

Der Applaus ließ jedenfalls keinen Zweifel daran, dass das Millowitsch-Theater bald wieder in Hückelhoven gastieren sollte.