Gangelt: Zwei Pferde vergiftet? Belohnung ausgelobt

Gangelt : Zwei Pferde vergiftet? Belohnung ausgelobt

Vor gut zwei Jahren kaufte Ursula Damerau sich eine Araber-Stute als Distanzpferd. Doch etwas schien nicht zu stimmen. Das Fell wirkte „irgendwie glanzlos“, das Tier war schnell erschöpft. Und dann wurde es immer dicker. Da ahnte Damerau, dass sie, ohne es zu wissen, ein trächtiges Pferd erworben hatte.

Wenige Monate später kam ein Fohlen zur Welt, Ursula Damerau taufte es Sorpresa — das ist Spanisch und bedeutet Überraschung.

Als Zeugen die Tiere am Sonntagmorgen fanden, lebte eines der Pferde noch — es musste jedoch kurze Zeit später eingeschläfert werden.
Als Zeugen die Tiere am Sonntagmorgen fanden, lebte eines der Pferde noch — es musste jedoch kurze Zeit später eingeschläfert werden. Foto: Ursula Damerau

Sorpresa sollte nur zwei Jahre alt werden — am vergangenen Sonntag fand Damerau sie auf der Wiese vor, wo sie und vier weitere Pferde die Nacht verbracht hatten. Sorpresa erstickte gerade an ihrem eigenen Blut. Gleich daneben lag ein weiteres Pferd, eine 22 Jahre alte Haflinger-Stute namens Silke, sie war bereits tot. Ein herbeigerufener Tierarzt erlöste dann auch Sorpresa von ihrem Leiden. Damerau ist überzeugt davon, dass die Tiere vergiftet wurden.

Ursula Damerau ist Besitzerin und Namensgeberin von „Ullas Reiterhof“ in Gangelt-Kreuzrath, in dem auch der Verein „Pferdefreunde Kreuzrath“ ein Zuhause gefunden hat. Sie lebt mit den Pferden und für die Pferde, und dazu gehört leider auch, dass man hin und wieder eines sterben sieht. „Doch so etwas Grausames habe ich noch nicht erlebt“, sagt sie.

Binnen weniger Stunden hat der Fall gewaltige Kreise gezogen. Denn Ursula Damerau machte auf Facebook publik, was geschehen war und setzte eine Belohnung von 1250 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung des Täters führen. Am späten Montagnachmittag waren ihr Post und das Bild der toten Pferde bereits weit über 20.000 Mal geteilt worden.

Aber gibt es überhaupt einen Täter? Die Polizei äußerte sich dazu am Montag noch zurückhaltend. An der Tatsache, dass die Tiere an einer Vergiftung gestorben sind, besteht durch den Befund des Tierarztes für sie zwar kein Zweifel. Jedoch will die Behörde für alles Weitere zunächst abwarten, was die Mitarbeiter eines veterinärmedizinischen Insituts in Krefeld herausfinden. Dort befinden sich die beiden Kadaver zurzeit und werden obduziert. Es wird ermittelt wegen des Verdachts auf Tötung von Wirbeltieren.

Ursula Damerau hat da weniger Zweifel. Es gebe im Umfeld der Wiese keine Pflanzen, die Pferden gefährlich werden könnten, auch sei der Weizen auf den umliegenden Feldern nicht gespritzt worden. Außerdem verhielten Pferde sich nicht wie Hunde, die mal eben in sich hineinschlingen, was irgendwo herumliegt. „Es muss schon etwas verdammt Leckeres gewesen sein, was die Pferde gefressen haben“, sagt Damerau. Denn sie hätten mitten im schönsten Gras gestanden und seien eigentlich satt gewesen.

Vor allem aber seien beide noch am Samstagabend putzmunter gewesen, sagt sie. Das spreche auch gegen die mögliche These, dass womöglich Kinder, die es gut meinten, den Pferden etwas gaben, was diese nicht vertragen. Denn: Wer auch immer die Pferde fütterte, muss dies nachts getan haben. Und wer geht schon nachts raus auf die Weiden und füttert Pferde, wenn er nichts Böses im Schilde führt?

Wichtig ist Damerau außerdem der Hinweis, dass die drei anderen Pferde, die auf der Wiese die Nacht verbrachten, anscheinend bei bester Gesundheit sind. Sie kennt den Charakter der Pferde und kann sich gut vorstellen, wie es abgelaufen ist: Die junge Sorpresa sei ein sehr energisches Tier gewesen und habe die anderen weggedrängelt. Nur Silke ließ sie mitfressen. „Das war ihre Freundin“, sagt Damerau.

Wenn man der schlimmen Geschichte nun etwas Positives abgewinnen will, dann ist es das große Mitgefühl und die Hilfsbereitschaft, die „Ullas Reiterhof“ und die Pferdefreunde Kreuzrath erfahren. Die umliegenden Reitställe hätten ihre Hilfe angeboten, auch seien sofort um die zehn Mann zur Stelle gewesen, um die schweren Kadaver der Tiere auf den Anhänger zu verladen. „Das sind wirklich Pferdefreunde“, sagt Damerau. Nur auf die Kommentare einiger Facebook-Nutzer, die dem Täter nun den Tod oder Schlimmeres wünschen, hätte sie auch gut verzichten können.

Sie hofft, dass die viele Aufmerksamkeit zumindest zu einem führt: Dass Pferdehalter aus der Region auf der Hut sind, damit kein weiteres Tier ein so grausames Schicksal erleidet wie Silke und Sorpresa.

Wie die Polizei berichtet, weideten die beiden Pferde auf einer Wiese an der Pilsstraße im Ortsteil Kreuzrath. Am Sonntagmorgen gegen 8 Uhr fanden dann Zeugen die Tiere auf dem Boden liegend. Während ein Pferd bereits tot war, lebte das andere noch — es musste jedoch wenig später von einem hinzugerufenen Tierarzt eingeschläfert werden. Drei weitere Pferde waren dagegen wohlauf.

Auf Facebook wandte sich Reiterhof-Besitzerin Ursula Damerau an die Netzgemeinde. Für Hinweise versprach sie eine Belohnung von 1000 Euro. Der Beitrag wurde bis Montagmittag bereits 20.000 Mal geteilt.