Erkelenz: Zur Belohnung gibt es einen Hamburger

Erkelenz : Zur Belohnung gibt es einen Hamburger

„Ich überblicke die Situation nun schon seit mehr als 20 Jahren. Die Anzahl dicker Kinder und Jugendlicher steigt immer weiter.” Was der eine oder die andere anhand eigener Beobachtungen bereits festgestellt hat, kann Günter Hotes nur bestätigen.

Der Sprecher der Kinder- und Jugendärzte im Kreis Heinsberg sieht die Steigerung beinah täglich. Und er kennt die Ursachen.

„Es gibt zwei Gründe: Zum einen Bewegungsmangel und zum anderen ein verändertes Essverhalten”, erklärt der Mediziner. Die Zahl der Familienmahlzeiten nehme immer mehr ab. „Das ist aus zweierlei Hinsicht problematisch”, weiß Hotes: „Die Kinder lernen nicht mehr, zu bestimmten Zeiten zu essen, und außerdem leidet die Kommunikation in der Familie.”

Ein weiteres Problem hat er auch erkannt: Fast-Food. „Das erlebe ich hier oft. Nach einer Blutabnahme oder ähnlichen Arztbesuchen dürfen die Kinder als Belohnung in ein Schnellrestaurant”, beklagt Hotes.

Die Folgen der häufig falschen Ernährung und nicht ausreichender Bewegung bekommt der Mediziner dann zu sehen. Vor allem Herz-Kreislauf-Beschwerden und Typ-II-Diabetes nehmen schon bei jungen Patienten immer mehr zu. Folgeerkrankungen wie Gelenkbeschwerden bedenkt der Arzt dabei ebenfalls. „Das kann ich den Kindern aber nur schwer erklären, da sie in dem Alter noch keinerlei Probleme haben.”

Dabei scheint die Lösung so einfach: „Je mehr man sich bewegt, desto mehr kann man sich auch gönnen”, nennt Hotes die einfache Formel und rät jedem zu regelmäßigem Sport, kennt aber gleichzeitig das Dilemma: „Gerade übergewichtige Kinder haben oft am Sport keinen Spaß, doch genau der sollte im Vordergrund stehen.” Gar nicht so einfach, schließlich gehe es in vielen Vereinen nur nach Leistung. Günter Hotes rät daher, Sport auch in der Familie zu treiben. Gemeinsam könne man schwimmen oder Fahrrad fahren.

Die Eltern spielen ohnehin eine wichtige Rolle. „Reine Kinderprogramme bringen gar nichts”, so Hotes. Das alles reicht aber immer noch nicht. „Das Wichtigste ist die Motivation jedes Einzelnen”, weiß der Kinderarzt.

Motivation und Disziplin sind auch bei der Ernährung gefragt. „Verbote bringen gar nichts, rationieren ist viel sinnvoller.” Als Beispiel nennt Günter Hotes den Heißhunger auf Schokolade. „Eltern sollten den Kindern lieber nur einen Riegel geben. Liegt eine ganze Tafel vor den Kindern, hören sie nicht eher auf zu essen, bis sie weg ist. Ob sie einen Riegel essen oder eine ganze Tafel - der Heißhunger ist immer gleich.” Chips könne man auch durch Obst und Gemüse ersetzen. Dabei gilt: „Die Eltern sind Vorbilder für die Kinder.”

Tee und Mineralwasser

Ebenso wichtig für den Mediziner ist die richtige Getränkewahl. Wer täglich eine Flasche Cola oder ein Getränk, das ähnlich viel Zucker enthalte, trinke, nehme allein dadurch dreieinhalb Kilo im Jahr zu. „Das ist zusätzlich zu den drei Kilogramm, die Kinder ohnehin jährlich zunehmen, eine ganze Menge”, warnt der Arzt. Die Lösung zu diesem Problem heißt ungesüßter Tee und Mineralwasser.