Braunsrath/Kanada: Zum ersten Mal in den Überlebensanzug geschlüpft

Braunsrath/Kanada : Zum ersten Mal in den Überlebensanzug geschlüpft

Eine nicht alltägliche Reise erlebte in diesem Jahr Peter Ketzler aus Braunsrath. Alleine überführte der 54-Jährige sein einmotoriges Flugzeug, eine „Cirrus SR 22”, von Florida zum Aachen/Maastricht-Airport.

Mit einem Airliner der Lufthansa startete er zunächst gen USA, um dort in die 310-PS-Maschine umzusteigen. Nach einem Schlenker zu den Bahamas in der Karibik führte seine Flugroute über die USA, Kanada, Grönland, Island und Schottland zurück nach Deutschland.

Von seinem Alleinflug, der insgesamt 34 Stunden und 54 Minuten dauerte, berichtet Peter Ketzler in der Heinsberger Zeitung. Heute begleiten wir den Braunsrather Piloten vom nördlichsten Flugplatz der USA bis nach Grönland.

In Bangor, dem nördlichsten Flugplatz der Vereinigten Staaten, galt es am nächsten Morgen die Ausreisepapiere für Kanada zu erstellen. Trotz hilfreicher Beamte nahm dieses Unterfangen mehr Zeit in Anspruch als eigentlich dafür geplant war.

Der nächste Tankstopp war nun in Kanada in „Sept-Iles” - ein Name, den die meisten sicher nie zuvor gehört haben. Der kanadische Zoll war mit einem Anruf zufrieden und ließ sich nicht einmal sehen. Nach einer knappen Stunde waren Pilot und Maschine wieder in der Luft.

Die Gegend, die ich nun überflog, war trostlos. Kaum noch ließ sich menschliches Leben auf dem Boden erahnen. Die Temperaturen sanken zum ersten Mal unter den Nullpunkt. Jetzt heißt es besonders aufpassen, um einer möglichen Vereisung zu entgehen. Nordamerika ist in dieser Region kaum besiedelt, die Vegetation gleicht der Tundra.

Deshalb ist es ratsam, für alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Also wurde vor dem Start das erste Mal der Überlebensanzug, zumindest bis zur Hälfte, angezogen. Nach gut drei Stunden Flugzeit musste noch ein Zwischenstopp zum Tanken eingelegt werden.

Hier in „Kuujjuaq” fielen zum ersten Mal die seltsamen Schriftzeichen der Eskimos auf. Die Landebahn war mit Resten von Streusalz versehen. Gesalzen waren auch die Preise für Flugbenzin, zumindest wenn man sich an die USA-Preise gewöhnt hatte.

Das dritte und letzte Flugziel an diesem Tag war „Frobisher Bay” oder „Iqaluit”, wie es in der Sprache der Eskimos genannt wird. Hier herrschen Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt und Windgeschwindigkeiten von mehr als 30 km/h. Dauerfrost bestimmt die Vegetation, nur in höchstens drei Monaten im Jahr wird hier gebaut.

In der Vergangenheit wurden hier die Flugzeuge aus Fässern betankt. Das heißt, der Pilot musste sich Werkzeug zum Öffnen der Fässer sowie die nötige Pumpe besorgen, um den Treibstoff in die Flugzeugtanks zu füllen. Was nicht in den Tank ging, wurde stehen gelassen, musste aber bezahlt werden.

Deshalb war für mich die Überraschung groß, hier sechs nagelneue Tankstationen anzutreffen, die auch die richtige Treibstoffsorte für die Cirrus bevorrateten.

In Gesprächen am Abend mit den Inuits -Êso nennt man die Einwohner Iqaluits -Êwar zu erfahren, dass die zur Zeit herrschenden neun Grad minus als sehr frühlingshaft empfunden wurden. Der Hafen war noch komplett zugefroren, rechts und links der Straßen türmten sich riesige Schneehaufen.

Der nächste Morgen überraschte mit 1 Grad Celsius und Windstille bei strahlendem Sonnenschein. Ich genoss diese Temperaturen, vor allem beim Außen-Check des Flugzeuges. Als ich mich dann in den Überlebensanzug zwängte und probehalber versuchte, mein „life raft” (Rettungsinsel) vom Rücksitz auf den Vordersitz zu heben, kam ich richtig ins Schwitzen.

Die nächste Etappe wurde ernst, ging es doch fast 900 Kilometer über den Nordatlantik nach Grönland.

Nach drei Flugstunden erreichte ich die Westküste von Grönland und wurde von der Luftkontrolle noch eine halbe Stunde über eine malerische Fjordlandschaft zum Flugplatz „Sondre Stromfjord” oder „Kangerlussuaq”, wie dieser in der Eskimosprache heißt, dirigiert.

Dieser Flugplatz ist einer der wenigen Plätze Grönlands mit einer Bahnlänge, die auch großen Airlinern wie einer Boeing 767 eine Landung ermöglicht.

Strahlender Sonnenschein und Temperaturen über 0 Grad ließen mich hoffen, meine Rückreise über das Eis-Cap fortzusetzen. Leider blieb es bei der Hoffnung. Ein Besuch beim Meteorologen und ein Blick auf die Satellitenbilder bestätigten meine Befürchtungen. Eine Woche Pause war angesagt, bis das Wetter den Weiterflug an die Ostküste erlaubte.