Städteregion: Zu wenig Gewerbeflächen: Gemeinsam gegen den Mangel vorgehen

Städteregion : Zu wenig Gewerbeflächen: Gemeinsam gegen den Mangel vorgehen

Das Ende der Übergangsphase ist in Sicht: Am 1. August soll die Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (Agit) von der ab diesem Tag geschlossenen Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Städteregion das Ansiedlungsmanagement übernehmen. Der Städteregionstag hatte Anfang Dezember einen entsprechenden Beschluss gefasst, nachdem die Verwaltung über Jahre um eine Lösung gerungen hatte.

Ab dem Sommer werden die Fäden also nicht mehr in Alsdorf, sondern in Aachen zusammenlaufen, wenn es darum geht, interessierten Unternehmen die Möglichkeiten einer Ansiedlung aufzuzeigen und die dafür benötigten Gewerbeflächen zu vermitteln.

Die Erkenntnis, dass dies nicht immer eine leichte Aufgabe sein wird, dürfte bei der Agit niemanden überraschen. Schließlich ist sie es, die in den vergangenen Monaten im Auftrag der Städteregion ein Gewerbeflächenkonzept erstellt hat. In erster Linie ist dieses Konzept ein Beitrag für die bei der Bezirksregierung Köln anstehende Überarbeitung des Regionalplans. Außerdem liefert es aber auch wichtige Informationen darüber, wie es um die Gewerbeflächen in der Städteregion bestellt ist. Und wer die Stellungnahme der Verwaltung für den am Donnerstag tagenden Städteregionsausschuss liest, der muss zu dem Schluss kommen, dass es nicht wirklich gut um sie bestellt ist.

Denn unterm Strich bleibt festzuhalten, dass in acht der zehn regionsangehörigen Kommunen der bis zum Jahr 2035 prognostizierte Bedarf an Gewerbeflächen nicht mit den derzeit vorhandenen Reserven gedeckt werden kann. Ausnahmen bilden die Städte Alsdorf und Eschweiler.

503 Hektar werden benötigt

Insgesamt geht es nach Angaben der Städteregion um einen Bedarf von 503 Hektar. Die vorhandenen Reserveflächen umfassen in der Summe aber nur 425 Hektar. Besonders dramatisch stellt sich die Lage in Aachen dar: Das ermittelte Defizit zwischen vorhandenen (90,1) und benötigten Flächen (222,7) liegt hier bei 132,6 Hektar. Eklatant ist die Differenz unter anderem auch in Baesweiler, wo dem festgestellten Bedarf von 28,7 Hektar Flächenreserven von nur 5,1 Hektar gegenüberstehen. Und in Roetgen gibt es zwar nur einen überschaubaren Bedarf von 3,5 Hektar, eine Flächenreserve ist allerdings mit 0,1 Hektar quasi nicht vorhanden.

In Alsdorf existiert derweil ein „Puffer“, weil von 40,4 Hektar verfügbaren Gewerbeflächen bis dato nur 33,1 verplant sind. Noch komfortabler ist die Situation in Eschweiler: Hier wird mit einem Bedarf von 49 Hektar kalkuliert, das Reservepotenzial beträgt 71,1 Hektar.

Angesichts solcher Zahlen wirbt die Städteregion für die Bündelung der Kräfte. Konkret schlägt sie die Bildung eines Flächenpools vor. „Über einen rechtlich abgesicherten und organisatorisch transparenten Gewerbeflächenpool könnten die beteiligten Kommunen die Erschließung und Vermarktung gemeinschaftlich betreiben“, stellt der zuständige Dezernent Markus Terodde fest. Er eigne sich sehr gut, um „für alle Kommunen eine möglichst große Flexibilität“ zu schaffen, „Divergenzen innerhalb der Region“ zu nivellieren und somit Flächenengpässe zu beseitigen, heißt es in der Verwaltungsvorlage.

Das setzt freilich voraus, dass die Suche nach zusätzlichen Gewerbeflächenoptionen intensiviert wird. Schließlich würde auch ein gemeinsamer Flächenpool in absehbarer Zeit versiegen, wenn dem festgestellten Mangel nicht frühzeitig und gemeinsam entgegengewirkt wird. Erste konkrete Vorschläge legt die Verwaltung dem Städteregionsausschuss am Donnerstag vor. Zu ihnen gehören unter anderem der Standort Merzbrück, ein südlicher Ergänzungsteil des Technologieparks Herzogenrath und ein Industrie- und Gewerbegebiet in Eschweiler-Kinz-weiler entlang der L 240. Einer Erweiterung des Gewerbegebietes Simmerath wird eine zentrale Bedeutung für die Eifelgemeinden zugeschrieben.

Ob es mit einem gemeinsamen Gewerbeflächenpool in der Praxis tatsächlich etwas Ernsthaftes wird, bleibt abzuwarten. Immerhin aber bewegen sich die zehn regionsangehörigen Kommunen in die richtige Richtung und haben dem Gewerbeflächenkonzept, das der Bezirksregierung vorgelegt werden soll, kollektiv zugestimmt.

Daran will die städteregionale Verwaltung anknüpfen und ihre Bemühungen um eine Poolbildung fortsetzen und verstärken. Die Zustimmung des Städteregionsausschusses dazu dürfte ihr sicher sein.

Der Strukturwandel und die Zukunftschancen für die Städteregion

Die Idee von einem gemeinsamen Gewerbeflächenpool ist nicht neu, konkret verfolgt wird sie allerdings erst seit etwa anderthalb Jahren. Den Anstoß gab die Aufforderung der Bezirksregierung an die Städteregion, ihre Pläne für Gewerbeflächen für die nächsten 15 Jahre vorzulegen, um diese bei der Überarbeitung des Regionalplans berücksichtigen zu können. Auf der Bürgermeisterkonferenz wurde daraufhin beschlossen, ein gemeinsames Gewerbeflächenkonzept für alle zehn regionsangehörigen Kommunen zu entwickeln. Dieses liegt der Verwaltung nun vor.

Das Konzept nimmt nicht nur die Gewerbeflächen unter die Lupe, sondern befasst sich auch mit den Auswirkungen des Strukturwandels, der nach dem Auslaufen der Braunkohlegewinnung und -verstromung erforderlich sein wird. Dabei werden der Städteregion „außergewöhnliche Standortvoraussetzungen“ — zum Beispiel für „technologieorientierte Großprojekte“ — und eine „einzigartige Symbiose von Hochschule, Forschung und Unternehmen“ bescheinigt. Als schon existierende Beispiele werden die Entwicklung und Produktion von Streetscooter und e.Go angeführt. Allerdings wird auch mahnend darauf verwiesen, dass der Mangel an geeigneten Gewerbeflächen negative Auswirkungen haben kann: Ein Teil der Produktion des Streetscooters sei deshalb im Kreis Düren angesiedelt worden.

Insgesamt wird aufgrund des Strukturwandels mit einem noch deutlich höheren als bis dato bezifferten Bedarf an Gewerbeflächen gerechnet.

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