Heinsberg: Zittern um „Peters Abenteuer”

Heinsberg : Zittern um „Peters Abenteuer”

„Als am Dienstag letzter Woche das Fax des Felix Bloch Erben-Verlages kam, bin ich fast vom Stuhl gefallen. Nur den Sperrvermerk habe ich gesehen.”

Irena Kostova, der kreative Geist und unermüdliche Motor des Jungen Musical Theaters Heinsberg, steht der Schock noch heute ins Gesicht geschrieben. Der neuen Musical-Aufführung „Peters Abenteuer”, angelehnt an die Geschichte von „Peter Pan”, drohte das Aus noch vor der Premiere.

Das Berliner Unternehmen gab sich als Vertreter der Originalrechteinhaber sowohl an dem Kinder-Musical Peter Pan als auch an dem Sprechstück in der deutschen Bearbeitung von Erich Kästner zu erkennen und machte unmissverständlich klar: „Nach der Beschreibung der Handlung haben Sie eines der Werke unautorisiert bearbeitet und von daher müssen wir Ihnen mit sofortiger Wirkung jegliche Nutzung der von Ihnen erstellten Fassung untersagen, und die geplanten Aufführungen dürfen nicht stattfinden.”

Irgendetwas musste geschehen, das war der Ballettmeisterin sofort klar. Gleich griff sie zum Telefonhörer und verständigte Uwe Zimmermann, den Vorsitzenden des Musical-Theaters, der sich umgehend mit dem Berliner Verlag in Verbindung setzte. Ohne Erfolg!

Innerhalb von drei Tagen sollte Zimmermann eine Erklärung vorlegen, dass das Junge Musical Theater von einer Aufführung Abstand nehme, da ansonsten rechtliche Schritte eingeleitet würden. Der Vorstand entschied daraufhin noch am Abend, alle Vorstellungen abzusagen und den Verkauf der Eintrittskarten nebst Werbung einzustellen.

„Am schlimmsten war, als ich vor den Kindern die Proben absagen musste”, erzählt Irena Kostova noch immer aufgewühlt. „Die Großen haben geweint und die Kleinen haben es gar nicht verstanden. Einige wollten überhaupt nicht nach Hause gehen und haben von 11 bis 16 Uhr alle alten Musicals durchgetanzt, um sich abzureagieren.”

Die Situation schien wirklich aussichtslos, bis schließlich die Idee keimte, sich direkt an die Rechteinhaber zu wenden. „Übers Internet wurden wir fündig”, so Uwe Zimmermann. Das Londoner Great Ormond Street Hospital war der Nutznießer des von James Matthew Barrie geschriebenen „Peter Pan”.

Und die Engländer zeigten schließlich ein Herz für Kinder. Für 180 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer pro Aufführung dürfen die Vorstellungen nun stattfinden. Dennoch für das Musical-Theater eine harte Nuss.

Irena Kostova: „Wir sind kein Profi-Theater, sondern nehmen gerade so viel ein, dass wir weiter bestehen können. Wir haben beschlossen, dass wir die Summe dennoch bezahlen, um die Kinder nicht zu enttäuschen, egal, ob wir vielleicht in diesem Jahr Verlust machen.”

Vielleicht zeigen ja einige Sponsoren ihr Herz und greifen dem Jungen Musical Theater unter die Arme. Sicher eine lohnende Investition für eine hervorragende Einrichtung.