Erkelenz: Ziegelweiher birgt Geheimnis in der Tiefe

Erkelenz : Ziegelweiher birgt Geheimnis in der Tiefe

Eigentlich ist alles die Pumpe schuld! Als am frühen Dienstagmorgen die beiden DLRG-Taucher Andreas Benz und Gunter Jäger ihren Dienst antreten, trauen sie ihren Augen - oder besser ihrem Tastsinn - nicht.

„Schrott, nichts als Schott”, berichten sie nach ihrem ersten Tauchgang im Erkelenzer Ziegelweiher. Ein Fahrrad nach dem anderen, kiloschwere Gullideckel und sogar einen aufgebrochenen Geldtresor bringen sie nach und nach zum Vorschein.

Eine kleine Gruppe Schaulustiger hat sich rund um den Holzsteg versammelt. Unter ihnen ist auch Wolfgang Linkens, der Leiter der Erkelenzer Feuerwehr. Ungläubig schüttelt er den Kopf: „Das gibt es doch gar nicht.”

Krimineller Hintergrund sehr wahrscheinlich

Grund für den morgendlichen Tauchgang war eigentlich, die Pumpe der Fontaine in der Mitte des Ziegelweihers freizulegen und durchzuspülen. „Sie gab ja nur noch einen halben Meter Wasser ab”, erklärt Wolfgang Linkens. Darum hatte man die DLRG angerufen, darum waren die beiden Taucher in ihren schwarzen Neopren-Anzügen erschienen. Dass sie sich jedoch statt auf die Rohrsuche zu begeben als See-Reinigungskräfte betätigen würden, hätte vorher niemand gedacht.

„Wir sind nur knapp einen Meter vom Holzsteg weggetaucht, was wir auf dieser kleinen Fläche alles zum Vorschein gebracht haben, ist wirklich unglaublich”, berichtet Andreas Benz. Er steht neben einem großen Haufen voll Schrott, jedes Teil einzeln und mit Mühe aus dem See geschleppt. Die Ausbeute: 15 Fahrräder, acht Gullideckel, ein großes Absperrgitter und als Krönung ein weißer Geldtresor. Die Vorderseite ist aufgebrochen. Der Lack an mehreren Stellen gerostet.

Auf jeden Fall bereitet der Safe den Tauchern Kopfzerbrechen. Ein Anruf bei der Polizei, und ein paar Minuten später stehen zwei Beamte am Ort des Geschehens. Einer von ihnen ist Dienstgruppenleiter Helmut Feemers. „Wir gehen natürlich davon aus, dass diese gefundenen Gegenstände auf diverse Straftaten zurückzuführen sind”, schätzt Feemers ein.

„In wie weit die jetzt noch zuzuordnen sind, bleibt abzuwarten.” Die Fahrräder sind verrostet, Rahmennummern kaum noch zu erkennen. Sehr genau wird die Erkelenzer Kriminalpolizei allerdings den aufgebrochenen Tresor unter die Lupe nehmen. „Der wird gleich von Mitarbeitern des Bauhofes eingeladen und dann untersucht. Vielleicht lässt er sich sogar noch einem bestimmten Verbrechen zuordnen.”

Andreas Benz und Gunter Jäger tauchen indes weiter in das dunstige Wasser des Weihers ab, ziehen immer mehr rostige Fahrradrahmen an Land. „Die Sicht ist gleich null, darum können wir uns nur Zentimeter für Zentimeter vortasten”, so Jäger.

Den ganzen See wollen die beiden Taucher allerdings nicht absuchen, „lediglich die unmittelbare Wurfweite”, scherzen sie. Und für die Freilegung der Brunnenpumpe ist dies auch ausreichend.

Allerdings läuft nun schon die Planung für einen weiteren Tauchgang auf Hochtouren. Im Sommer wird die DLRG am Ziegelweiher einen Übungstag einlegen. Dann wollen die Taucher den weiteren Geheimnissen auf die Spur kommen, die noch auf dem Grund des kleinen Sees schlummern . . .