Verarmung: Wohnungsnot: Caritas schlägt Alarm

Verarmung : Wohnungsnot: Caritas schlägt Alarm

Es ist ein Irrtum, dass eine würdige und bezahlbare Unterkunft heute für alle eine Selbstverständlichkeit ist. Stattdessen fristen zusehends mehr Menschen ihr Dasein in schwierigen bis unzumutbaren Verhältnissen oder landen gar als Obdachlose auf der Straße.

Auf diesen aus seiner Sicht eklatanten Missstand, den es auch in der Städteregion zu beklagen gebe, hat jetzt der Caritasverband in Alsdorf mit einer ungewöhnlichen Aktion aufmerksam gemacht: Für die Kampagne „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ wurde das Badezimmer einer Wohnung kurzerhand in die Luisenpassage verlegt.

Das Problem, so betont Caritas-Vorstand Bernhard Verholen, betreffe längst nicht nur Alleinerziehende, Kinderreiche, Einkommensschwache und Migranten, wie man vielleicht vermuten möchte. „Die Wohnungsnot reicht bereits jetzt bis in die Mitte der Gesellschaft. Und das nicht nur in der Stadt Aachen, sondern auch in den anderen Kommunen der Städteregion“, warnt er. Der vielerorts teure Wohnraum und unwürdige Zustände trügen so zu einer Verarmung von Teilen der Bevölkerung bei.

Die Gründe dafür sind vielseitig — und hängen laut Verholen auch mit anderen „Selbstverständlichkeiten“ zusammen, die sich seit der Nachkriegszeit ergeben haben. So verdreifachte sich seither die durchschnittliche Wohnfläche pro Person von 15 auf rund 45 Quadratmeter. „Dazu kommen stetig mehr Einpersonenhaushalte, was den Bedarf zusätzlich in die Höhe treibt“, berichtet der Vorstand. Die Folgen davon seien auf dem Mietmarkt direkt spürbar, betont Peter Krosch, Leiter des Caritas-Referats Eingliederung. „Mittlerweile gibt es regelrechte Bewerbungsverfahren bei der Vermietung von Wohnungen, bei denen allerhand Dokumente vorgelegt werden müssen.“

Für Menschen, deren Name auch nur ansatzweise einen Migrationshintergrund vermuten lässt, oder für Bezieher von Transferleistungen seien die Aussichten damit vielerorts verschwindend gering.

Auswirkungen auf die Bildung

„Zudem wirken sich das Wohnumfeld und die soziale Situation negativ auf die Bildung der Kinder aus, die so aufwachsen müssen“, betont Ralf Bruders, Referatsleiter für Ehrenamt, Familie und Migration beim Caritasverband. Selbst die nun überall im Bau befindlichen Wohnungen würden erst in etwa fünf bis zehn Jahren für eine Entspannung der Situation sorgen können. Und allein mit einem größeren Angebot sei das Problem noch nicht gelöst, da die Mietpreise weiterhin steigen. Derzeit, so berichtet Bruders, geben in ganz Deutschland rund 1,6 Millionen Menschen mehr als die Hälfte ihres Einkommens für die Wohnunsmiete aus.

Um diesen akuten Missständen möglichst schnell zu begegnen, schlägt die Caritas eine Reihe von Maßnahmen für Kommunen und Jobcenter vor: So sollte — ähnlich wie etwa in der Stadt Aachen — bei der Grundstückvergabe ein fester Anteil geförderter Wohnraum vorgeschrieben sein. Zudem fordert der Verband, die Mietpreisbindung von Sozialwohnungen auf bis zu 30 Jahre zu erhöhen und die Sanktionierung von Mieten bei Transferleistungsbeziehern zu beenden.

Ansonsten werde die Gefahr, wegen Trennung, aus familiären oder beruflichen Gründen, plötzlich ohne Dach über dem Kopf dazustehen, auch in Zukunft weiter größer werden.