Erkelenz-Wockerath: Wockerath ist klein, fein und 700 Jahre alt

Erkelenz-Wockerath : Wockerath ist klein, fein und 700 Jahre alt

. Ein kleiner Ort mit langer Geschichte feierte den 700. Geburtstag in einer bemerkenswerten Ausstellung mit Urkunden, Dokumenten, das Dorf im Spiegel der Presse, Fotos und vieles mehr, mit einer Festmesse und mit viel Geselligkeit: Wockerath, ein Stadtteil von Erkelenz mit 253 Einwohner und einer verschworenen Gemeinschaft.

Über die Kapellengemeinde Terheeg gehört Wockerath seit jeher zur Pfarrgemeinde St. Lambertus Erkelenz. Eine eigene Schule besaß Wockerath nicht, Terheeg war auch hier zuständig. Die Ausstellung weckte Erinnerungen und wurde zu einer ausführlichen Reise in die Vergangenheit.

Birgit Görtz hatte in mühevoller Arbeit recherchiert, manches Schätzchen gesammelt und die Dokumentation auf 18 Tafelsätzen aufgebaut. „Oh, hat Wockerath einmal so ausgesehen?” „Wer ist denn hier auf dem Foto?” „Diese Gebäude kenn´ ich nicht.” „Haben die Wockerather und Terheeger früher so große Feste gefeiert?” Solche und viele andere Fragen waren bei der Reise in die Historie zu hören, wenn sich die Besucher wie eine Traube vor den Tafeln sammelten und in Erinnerungen schwelgten.

Die einst aktiven Vereine, die das Dorfleben mit prägten und jetzt nicht mehr existieren, lebten in Fotos wieder auf. In bewegten Bildern ließen DVD-Filme Schützenfeste, Vogelschuss des Männergesangvereins Terheeg, Goldhochzeiten, Paraden bei der Kirmes, Zigarrenmacher Wilhelm Prosten und andere Ereignisse wieder lebendig werden.

Betroffen machte der Beitrag „Bedrohte Heimat”. Er zeigte erschreckend deutlich, was einmal nicht mehr sein wird, wenn die Bagger beim Braunkohleabbau die Heimat weggeschaufelt haben. In einer Gerichtsakte vom 18. März 1309 wird Wockerath mit acht Zeugen aus dem Erkelenzer Land erstmals urkundlich erwähnt. Terheeg wurde hier nicht genannt, erklärte Birgit Görtz in der Begrüßung, was nicht heißen soll, Terheeg wäre nicht so alt.

Viele Wege habe man gemeinsam beschritten und werde auch in Zukunft neue Pfade gemeinsam gehen. Ausführlich hatte sich Günter Merkens, der Vorsitzende des Heimatvereins der Erkelenzer Lande, mit der Geschichte von Wockerath befasst. Er erklärte in seinem Referat, dass Wockerath älter als 700 Jahre ist, da diese Region schon viel früher von Menschen besiedelt war, weil in der Nähe des Dorfes römische Ziegeln und Keramik gefunden wurden.

Bis zum 19. Jahrhundert führte der Kölner Heerweg durch Wockerath und war eine wichtige Verbindung zwischen Roermond und Erkelenz nach Köln. Die Kapelle am Ortseingang sei besonders erwähnenswert. „Sie ist das zweitälteste Gotteshaus im Erkelenzer Raum, als einzige dem Jakobus geweiht und mit einer entsprechenden Statue von Santiago ausgestattet.” In der ausführlichen Festrede erwähnte Günter Merkens einen bemerkenswerten Münzfund im Jahre 1956.

Beim Abbruch eines alten Hauses wurden Münzen gefunden, die aus der Zeit zwischen 1720 und 1770 stammen. Sie hatten, ohne Zinsen abzuwerfen, lange geschlummert, dafür haben sie heute einen historischen Wert. Wertvoll ist auch die Sammlung von Birgit Görtz geworden, weil die Bewohner sie beim Sammeln unterstützten, um später künftige Generationen zeigen zu können wie die Menschen in Wockerath und Terheeg lebten, arbeiteten und feierten.