Wird das kirchliche Leben vor Ort getötet?

Wird das kirchliche Leben vor Ort getötet?

Kreis Heinsberg. „Wollen Sie, Herr Bischof, dass das Sterben der traditionsreichen Gemeinden in der Region Heinsberg beschleunigt wird?” So fragen im Auftrag des Pastoralrates Dekan Günter Meis, Vorsitzender Lutz Braunöhler und Geschäftsführer Bernd Wolters.

„Wir stellen uns ernsthaft die Frage, ob das Konsolidierungspapier K3 inzwischen vor der Verkündigung des Evangeliums steht!”

Im K3-Papier sei von massiven Einschnitten die Rede. Damit seien viele Einrichtungen betroffen. Im Endeffekt sei zu prüfen, wo und wie stark die untere Ebene und damit die Menschen vor Ort in Mitleidenschaft gezogen und nicht wieder gutzumachende Schäden für das öffentliche Erscheinungsbild der Katholischen Kirche eintreten würden.

Junge Kräfte fehlen

Wenn der Einsatz des pastoralen Personals auf den Stand vom Jahresende 2003 eingefroren werde, gebe es (bei sinkender Priesterzahl) immer weniger qualifizierte Mitarbeiter, die bei dem vom Bischof angestrebten Aufbau der Gemeinschaften von Gemeinden (GvG) helfen könnten. „Es fehlen in kurzer Zeit junge, innovative Kräfte.”

Die Pfarrgemeinden der Region hätten im letzten Jahr erhebliche Anstrengungen unternommen, um GvG und Kirchengemeindeverbände zu gründen. Dabei habe die Frage nach einer qualifizierten und ortsnahen Verwaltung immer eine große Rolle gespielt.

„Wenn nun schon der Verwaltungsleiter auf KGV-Ebene in ein Dienstleistungszentrum integriert werden soll, fordert der Pastoralrat ein eigenes Dienstleistungszentrum für die 99 Pfarrgemeinden in den 9/10 GvG der Region Heinsberg.”

Weiterhin befürchtet der Pastoralrat bei der Besetzung des Dienstleistungszentrums, dass nicht die jetzigen Verwaltungsangestellten der Pfarren, sondern Mitarbeiter des Generalvikariates bevorzugt würden.

Der Pastoralrat der Landregion Heinsberg fordert nachdrücklich, „dass Bildungsangebote in der Fläche erhalten werden”. Es müsse ein Ansprechpartner in der Region vorhanden sein, damit die für Bildung verantwortlichen ehrenamtlichen Mitarbeiter überhaupt noch eine realistische Chance hätten, für ihre Gemeinden Angebote zu planen, sie durchzuführen und zu verwalten.

Das bedeute zumindest, eine Außenstelle eines möglichen diözesanen Bildungsforums in der Region Heinsberg einzurichten.

Der regionale Pastoralrat fordert eine Beibehaltung der acht Regionen. Gerade die Region Heinsberg, die zwischen den großen Städten liege, brauche den Fortbestand ihrer bis heute entwickelten eigenen unverwechselbaren Identität. Die Region Heinsberg müsse mit eigenem Regionaldekan und eigenen Räten erhalten bleiben.

Nicht nachvollziehbar

Als „nicht nachvollziehbar” bezeichnete der Pastoralrat die erneute Kürzung der Jugendbeauftragten. Zudem hält der Rat es für nicht praktikabel, dass Menschen in schwierigen Situationen zunächst eine aufwändige Reise antreten müssten, um zu einer Beratungsstelle zu kommen, die völlig überlastet sein werde. Die Menschen würden andere Alternativen außerhalb des kirchlichen Angebots aufsuchen”, fürchtet der Pastoralrat.

Die Absender betonen, sie wüssten um die großen finanziellen Probleme des Bistums. Der Versuch, alles in größere Räume zu verlagern, sei aber keine Lösung, sondern „tötet das kirchliche Leben vor Ort”.